Stage 13  
 CHRISTCHURCH - Methven
105,10 Kilometer, 05:39:54

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Frank war sich sicher, heute die wohl anstrengensten 105 Kilometer seiner Radkarriere hinter sich gebracht zu 

haben – für mich stellte der heutige Tag lediglich einen weiteren, durchaus zermürbenden Gegenwindtag bei frostigen Temperaturen dar, die mittlerweile schon fast charakteristisch für diese Sommertour sind.

Ich weiß nicht, wie oft das Wort „Gegenwind“ bislang Bestandteil dieses Tagebuchs geworden ist, mit aller Regelmäßigkeit dürfte es jedoch zu erhaschen sein. Da die Winde, einmal wieder alles andere als ein sanftes Lüftchen, das angenehm durchs Haar streicht, aus Südwesten kamen, wurde einmal mehr kalte Luft aus der Antarktis nach Neuseeland geblasen. Frank, noch nicht an solche Winde gewöhnt, meinte, dass er heute nie richtig warm geworden wäre. Das würde ich so zwar nicht unterschreiben, aber da Wahrnehmungen in aller Regel zumindest zu einem großen Teil subjektiv sind, schreibe ich das Ganze mal Habituationsprozessen zu.

Abgesehen vom recht kalten Wind erwischten wir jedoch den Sechser im Lotto, betrachtet man einmal das Wetter. In Christchurch regnete es bis direkt vor unsere Abfahrt, was unsere Zimmergenossin Maria zur durchaus wahren Feststellung brachte, dass es im Schlafsack angenehmer als auf der Piste sei. Nach unserer Ankunft in Methven zog der Himmel auch prompt wieder zu. Betrachtet man allerdings nur die Propagandafotos auf dieser Seite oder müht sich nicht mit diesen Zeilen ab, könnte man meinen, dass es ein rundum exzellenter Tag war (ein Effekt, den man auch in jedem x-beliebigen Reisebüro erleben kann, wo verdächtig viele Prospekte strahlend blaue Himmel versprechen, ganz egal, wie statistisch unwahrscheinlich dies in den Fjordlandschaften Norwegens oder den wieder in Mode kommenden deutschen Landen auch sein mag).

Schön war der Tag allerdings auch fürs Auge, auch wenn ich, wie Frank richtig bemerkte, in Neuseeland auch schon den einen oder anderen Meter gesehen habe. „Für dich muss das ja nichts Besonderes mehr sein“, sprach und dachte er, aber ich glaube nicht, dass ich der Schönheit Neuseelands wirklich überdrüssig werden kann. Vielleicht schießen mir nicht mehr so viele „wows“ oder „aaaahs“ durch die graue Masse wie beim „ersten Mal“, aber wenn es einsame Straßen an sonnigen Tagen vor steil aufragenden, schneebedeckten Bergmassiven am Horizont zu beradeln gibt, wird mir so schnell nicht langweilig, auch wenn ich es zum x-ten Mal mache.

Relativ schnell hatte sich auch Frank heute wieder an seinen Trecker von Rad gewöhnt, wobei heuer niemand von uns beiden dem anderen wirklich „davonzog“, sieht man einmal von den allerletzten zehn Kilometern der Etappe ab, über die sich Frank, sicherlich noch etwas vom Jetlag tangiert, ordentlich abrackern musste. Er attestierte mir zwar beim einzigen echten Anstieg des Tages aus einem Flußbett heraus gleich eine wesentlich bessere Bergform, aber ob das wirklich so ist, wird man wohl erst an richtigen Anstiegen mit mehr als 127 Höhenmetern beurteilen dürfen. Das ich, vollkommen akklimatisiert und bergige Etappen gewöhnt, den ersten Anstieg der Tour besser verkraften würde als er, wohl noch recht wenig akklimatisiert und auf dem ersten Tag der Tour nach fast zwei Tagen ununterbrochener Reise, ist wenig überraschend. Insgesamt glaube ich, dass wir dieses Jahr sehr ausgeglichen schnell fahren werden. Frank wird mich nicht wie auf der Pisa-Pisa-Tour durch Italien regelmäßig versögen und ich werde nicht wie im letzten Jahr, vom Teufel von Prag nach Istanbul getrieben, 24er Schnitte auf 100+-Kilometer-Etappen bei mehr als 1000 Höhenmetern auf den Asphalt nageln. Vielleicht aber doch, oder umgekehrt. Man wird es sehen...

Auf, auf in die Berge!

Ein offensichtlich wenig kompetenter Reiseführer, den Frank sich noch kurz vor seiner Abreise teilweise kopierte und somit zum Glück nicht auch noch den Autor monetär belohnte, empfahl Touristen wie uns, die Strecke von Christchurch zum Lake Tekapo, den wir in zwei Tagen erreichen möchten, mit dem Bus zu überbrücken. Klar – aus Christchurch herauszufahren ist erwartungsgemäßg kein Hochvergnügen und sicherlich auch nicht absolut ungefährlich, aber wesentlich angenehmer als Auckland oder, ein himmelweiter Unterschied, Bukarest oder Budapest, aber das heutige Panorama und die überquerten Flüsse lassen kaum Zweifel daran aufkommen, dass auch Christchurch – Methven eine klasse Etappe sein kann.

Zwar war der Tag überwiegend flach und somit vom Radfahren her recht einseitig, 
dafür machte das Panorama aber so einiges wett...

Klasse war schließlich auch, dass wir in Methven in unserem BBH-Hostel unerwartet, aber wohlverdienterweise, einen brodelnd heißen Spa-Pool antrafen. Mit etwas Ausdauer hätte man darin zwar sicherlich auch gut einen Hummer kochen können, aber unsere durchkühlten Knochen und Glieder zeigten sich hocherfreut über den heißen Tümpel, in dem ich mich gleich nach einem schnellen Hüpfer unter die Dusche versenkte, bevor der Abend mit einem riesigen Nudelauflauf angenehm ausklang. Zweifelsohne ein Tourauftakt nach Maß!