Stage 10  
LE BONS BAY - HALFMOON BAY
28,42 Kilometer, 1:51:29

WB01343_.gif (599 Byte)     WB01344_.gif (644 Byte)    WB01345_.gif (616 Byte)

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Eigentlich wollte ich heute Abend einfach entspannt etwas lesen und den Abend schlicht und einfach vergammeln, bin ich dann aber doch ordentlich in die Scheiße trat und mich anschließend mit einem Amerikaner verquatschte, dessen Frau mit ihrem Laptop gändigerweise Zugang zum WLAN-Netz des Hostels fand und mir somit den 2$ je 20-Minuten Abzock-PC des Hostels ersparte.

Die Banks Peninsula vor Christchurch: hügeliger geht es kaum, aber jeder Höhenmeter lohnt sich...

„Didn’t know that there are 4th, 5th and 6th division teams“, schmunzelte mein Freund aus DC, einer der wenigen, fanatischen US-Fußballfans, auch wenn er es nicht versteht, dass man als Osnabrücker primär VFL-Fan ist und sich nicht zwangsweise für die Bundesliga interessiert, geschweige denn die Champions-League. OB es denn keine Erstligavereine in der Nähe gäbe? Doch – Schalke, den BVB und Bremen natürlich, aber während man als Amerikaner ins Auto steigen und zum S04 brummen würde, singt der Osnabrücker lautstark „Nur für diesen Verein...“.

Oben die blanke Theorie in Kartenform, hier einige Blicke von der Summit Road.

Vom Radfahren gibt es heute fast nichts zu berichten, da ich kaum gefahren bin. Knapp dreißig Kilometer vom Le Bons Bay Backpackers bis zum Half Moon Cottage, ein etwas überteuertes (gleichwohl von den Bewertungen her das zweitbeste Hostel Neuseelands mit ebenfalls 95%), feines Hostel kurz vorm Anstieg aus dem Vulkankrater der Banks Peninsula hinaus. 

95% seien nicht viel wert, meinte die Betreiberin des Hostels schulterzuckend, als ich sie auf die wenigen Gäste ansprach, nachdem es im Le Bons Bay Backpackers letzte Nacht rappelvoll war. Zumindest sind 95% nicht viel wert, wenn man in der direkten Umgebung eben jenes Le Bons Bay Backpackers hätte, dessen Abendmahl nicht nur eine exzellente Zusatzeinnahmenquelle für die Betreiber darstellt, sondern das Hostel neuseelanadweit bekannt gemacht hat. Mir kaum es auch so vor, als wären die Half Moon Cottages mit 95% etwas überbewertet. Zwar war alles edel eingerichtet, fein hergerichtet und rundum sauber, aber außer „echt nett“ war das Hostel eigentlich recht wenig, zumindest wenn man sich vor Augen hält, dass es theoretisch das am zweitbesten (gleichauf mit anderen) Hostel Neuseelands sein soll.

Einmal wieder nutze ich den Tag auch für eine Runde Golf – die dritte an vier Tagen. 157 Schläge sind zwar ein neuer, persönlicher Rekord, peinlich ist die Schlaganzahl aber immer noch, oder mehr denn je, denn mit 4400 Yards war der Kurs rund 1400 Yards kürzer, aber auch hügeliger, als der Hagley Course von Christchurch, den ich mit 158 Schlägen absolvierte. Zu viele Strafschläge, zu viele Bälle verloren; würde es nicht so viel Spaß machen, den kleinen Ball dilletantisch über die langen Pisten zu dreschen, könnte man fast daran verzweifeln. Mit etwas Liebe kann man sich zwar einbilden gelegentlich einen gewissen Fortschritt zu erkennen (nicht jedoch auf dem Scoreboard, was den Verdacht der Selbsttäuschung aufkommen lässt) oder die hohe Schlaganzahl auf einen Linkshänderputter zurückzuführen, der mich sicherlich den einen oder anderen Schlag kostete, aber ganz realistisch betrachtet bräuchte ich dringend etwas praktischen Unterricht, um endlich etwas zu lernen.

Vom Radfahren her war die untere Küstenstraße überraschenderweise noch „ungeeigneter“ als die Summit Road oben am alten Kraterrand, über die ich gestern zum Le Bons Bay Backpackers strampelte. Statt einiger 7-10%-Steigungen trifft man immer wieder kleine 15%-Hürden mit 50 bis 70 Höhenmetern, die selbst die heutigen knapp 30 Kilometer zumindest etwas anspruchsvoll werden ließen – mehr als 700 Höhenmetern auf dreißig Kilometern ist wohl auch kaum etwas hinzuzufügen. Wer einfach von Christchurch nach Akaroa fährt und sich die Summit Road spart, sollte somit am Hilltop angekommen noch längst nicht glauben, das Schlimmste überstanden zu haben!

Ein kurzer Tag auf dem Rad, ein langer Tag auf den Beinen, denn wieder einmal schwang ich recht unfähig (und verdammt häufig) meine Golfschläger. Links unten ein Ebbenfoto vom Strand direkt vor meinem Hostel, rechts davon der Blick auf den "Vorgarten" von der Veranda aus.