Stage 8  
SPRINGFIELD - CHRISTCHURCH
73,12 Kilometer, 03:07:47

WB01343_.gif (599 Byte)     WB01344_.gif (644 Byte)    WB01345_.gif (616 Byte)

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Sonnenstrahlen - welch angenehme Ueberaschung als ich um halb sieben verschlafen und mit ueberraschend mueden Beinen meine Augen oeffnete und durchs Fenster nur den blauen Himmel erkennen konnte! Ein Woelkchen hier und vielleicht auch eines da, aber ansonsten jede Menge freie Bahn zum Ozonloch! Nach drei Tagen Dauerregen und Wanderungen im Schnee wurde es auch wieder Zeit fuer etwas sommerliches Wetter - fanden auch Erich und Annette, die beiden radelnden Ösis / Schluchtenscheißer, mit denen ich noch den ganzen Abend und die halbe Nacht verquatscht hatte (zumindest mit Erich, bis wir um kurz vor Mitternacht, ungewohnt spaet, den Tag nach einer etwas resignierten Diskussion ueber die politischen Entwicklungen in Deutschland und der Welt ausklingen liessen). Zumindest schoen, auch einmal andere Menschen zu treffen, fuer die "neo-liberal" Hasswort des Jahres ist.

Gemeinsam machten wir um halb neun auf den Weg nach Sheffield, wo sich unsere Wege trennten. Netterweise steckte mir die japanische Frau des Hostelbetreibers noch eine Tuete voller selbstgebackener Kekse als Proviant fuer den Tag zu - eine angenehme Sonderbehandlung fuer mich als "frequent visitor", da ich nun ja schon zum zweiten Mal binnen weniger Tage im YHA von Springfield eingefallen war.

Motiviert durchs beste Wetter, auch wenn es etwas kuehl war, rollte das Rad heute besonders gut, wobei es auch nicht gerade von Nachteil war, dass es den ganzen Tag ueber nur sanft bergab ueber die Canterburry Plains ging. Wirkliche Rekordgeschwindigkeiten wurden zwar vom sanften und mittlerweile obligatorischem Gegenwind verhindert, aber nichtsdestotroz flogen die Kilometer auf der etwas aetzend geraden Strasse relativ flott dahin, so dass mir kurz vor Christchurch "komische" Gedanken kamen und ich im Autoatlas nachschaute, ob ich nicht zufaellig an einem Golfplatz vorbei in die 300,000 Einwohner-Metropole einfahren wuerde.

Da Neuseeland die hoechste Golfplatz-je-Einwohnerdichte der Welt hat, war dies selbstverstaendlich der Fall - ich hatte sogar noch die Auswahl zwischen zwei Plaetzen. Als ich jedoch die Tore des rein zufaellig zuerst anvisierten Templeton Golf Courses durchfuhr, war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob ich den Kurs meiner Wahl ausgesucht hatte. Feinste Bahnen, bestens gestutzte Fairways und Greens sowie eine relativ gehobene Anlange liessen mich vor den Green Fees fuerchten - und das nicht zu Unrecht.

Mit Schlaegermiete und ein paar Baellen haette mich der Spass schnell 60 Dollar gekostet, aber zum Glueck war der den Pro Shop betreibende Opa Deutschen gegenueber nicht ganz abgeneigt und meinte nur "Let's talk turkish", als mein etwas perplexer Gesichtsausdruck ihm zu verklickern schien, dass mir sechzig Ocken etwas teuer waere. Wir einigten uns schliesslich auf 40 Dollar - etwas mehr als die fantastischen zwanzig, die ich in Culverdeen berappen musste, dafuer aber weniger als die 45 Dollar von Kaikoura, wo ich auf einem im Vergleich bestenfalls zweitrangigem Golfplatz spielen durfte.

Kein Talent, jede Menge Motivation: einmal wieder verirrte ich mich auf die Fairways eines Golfplatzes..

Geschickt wurde ich zum Start auch auf das zehnte Loch bugsiert - laut Opi, damit mich keiner bemitleiden muesste, da die Back-9 relativ menschenleer waren und ich ihm zuvor vertraulich zugefluestert hatte, dass mein Handicap fernab von Gut und Boese ist. Das ich tatsaechlich meistens 160 Schlaege oder mehr benoetige, traue ich mich gar nicht zu gestehen und behaupte meistens, dass ich ein 140er waere, aber selbst 140 Schlaege sind bestenfalls witzig. Verglichen mit Basketball duerfte es ungefaehr so sein, als wuerde man nicht zugeben wollen, nur einen von fuenfzig Freiwuerfen zu treffen und stattdessen darauf besteht, regelmaessig zwei zu versenken.

Nach meinen 162 Schlaegen in Kaikoura und 165 in Culverdeen war ich heute einmal wieder fest davon ueberzeugt, locker einen neuen Rekord spielen zu koenen ("wenn ich nur das und das abstelle, mich etwas konzentriere, blabla" - Selbsttaueschung ohne Ende), musste jedoch relativ schnell feststellen, dass die unheimlich trockenen und schnellen Greens in den Canterburry Plains massive Hindernisse darstellen sollten, ebenso wie die nicht gerade seltenen Sandloecher, die ich mit Vorliebe dazu nutze, um meine missglueckten Schlaege in ihnen zu bugsieren. Genauso wie schon bei meinern letzten Golfrunden konnte ich zwar die miserablen ersten 9 Loecher (91 Schlaege) noch mit einer deutlichen Steigerung auf den zweiten neun (73 Schlaege) ausgleichen, aber nicht ganz so untalentierte Hobbygolfer wuerden vor Scham im Boden versinken, wenn sie am Ende eine 164 auf ihrer Scorekarte verzeichnen muessten und enttauescht waeren, den 162er Rekord nicht geknackt zu haben.

Wirklich peinlich war auch, dass ich irgendwo auf der Piste mein 9er Eisen verloren hatte und es beim besten Willen nicht wiederfinden konnte. Mir entgegenkommende Golfer guckten auch etwas perplex aus der Waesche, als ich fragte, ob irgendjemand irgendwo und irgendwann ein 9er Eisen gesehen oder gar aufgelesen haette, vor allem wenn derjenige der die Frage stellt, in Radfahrklamotten ueber den feinen Golfplatz latscht, aber was sollte ich mache? Zwar marschierte ich noch einmal die vorrausgegangenen Loecher ab, aber meine Angewohnheit, oftmals einfach nur mit dem Putter und 9er Eisen bestueckt meinen Trolly stehen zu lassen und ein Loch binnen unverschaemt vieler

Millionenfaches Fotomotiv in Christchurch: die gar nicht einmal so beeindruckende Kathedrale am, Überraschung, Cathedral Square

 Restschlaege abzuschliessen, ging kraeftig nach hinten los. Ich sah mich schon kurz vor dem Bankrott: ein komplettes Schlaegerset ruiniert, sowieso als absoluter Idiot nur zum Tuerkenpreis auf den noblen Kurs gelassen, die absolute Katastrophe! Gluecklicherweise bemerkte jedoch niemand das fehlende Eisen am Ende meiner Runde, ich schwang mich 

Nummernschilder: Gegen Aufpreis in Neuseeland frei wählbar.

schnell aufs Rad, machte drei Kreuze als ich den ersten Kilometer hinter mir hatte und schwoere von nun an, immer nur einen Schlaeger aus dem Trolly zu nehmen...

Scheint morgen die Sonne, geht es morgen weiter, da direkt in der Innenstadt der Hagley Golf Course liegt und auch ohne Alipreise erschwinglich sein duerfte. Und dann werden die 162 bestimmt fallen, gell?