Stage 6
Kaihu - Motokuraka
 84,15 Kilometer; 4:33:46 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Einmal wieder macht einem der Abend falsche Hoffnungen (Vorsicht: pessimistische Grundeinstellung latent vorhanden!): es weht kaum ein laues Windchen und die Sterne strahlen unbehindert vom Himmel. Andererseits war aber auch der heutige Tag der erste halbwegs Gelungene der vierten Herren des Drahtesels. wenig Regen, eine zumindest phasenweise superschöne Strecke und, wie schon erwähnt, WENIG REGEN! Nicht gar kein Regen, aber immerhin die richtige Tendenz. Leider wiederholte sich dafür aber nicht das freudige Erlebnis von Dargaville (so quasi die einzige positive Erinnerung an das Nest), wo ich morgens mein Rad weckte und schon um neun Uhr 17 Grad auf dem Tacho angezeigt wurden. Das sollte dort zwar auch der Höhepunkt einer letzten Endes kurzen und feuchten Etappe bleiben, heute war es allerdings wieder unangenehm frisch - 12 bis 15 Grad, womit man aber leben kann (außer man ist nass, verschwitzt oder kommt am Gipfel ungeschützter Hügel an, was wiederum ausnahmslos vorkam). Glaubt man allerdings - dumm müsste man sein - dem Wetterbericht, den ich heute gar nicht erst checkte, geht es morgen wieder abwärts mit mehr Regen und lustigen Sturmböen.

Hätte, wäre, wenn: wäre Neuseeland nicht von Onkel Cook entdeckt und anschließend besiedelt worden, hätten die Maori wohl nie jenen Raubbau an der Natur betrieben, den die Weißen, also die "Zivilisierten", mit sich brachten.

Fett, krasse Bäume: die Four Sisters

Wenn es diesen Raubbau nie gegeben hätte, wäre es überall so fantastisch schön wie im Waipoua Forest: Palmen, Farne, monströse Kauri-Bäume soweit das Auge reicht und unter anderem der älteste Kauri-Baum der Welt, 2000 Jahre alt und 51 Meter hoch. Tragischerweise wurden viele seiner Verwandten Tische, Stühle oder Boote. Andererseits gäbe es dann wahrscheinlich auch keine Straße durch den Wald und ich würde hier nicht radeln. Auch wirklich schön war der Hokianga Harbour: kein Hafen, dafür aber eine schöne Bucht, die ich gegen Abend hin mit der Fähre überquerte.

Morgen stehen etwa 65 Kilometer auf der Tagesagenda. Wird der Wind asozial, geht es 31 Kilometer direkt in die wahrscheinlichste Gegenwindrichtung. Abwarten, der Gedanke lässt meine Motivation gleich wieder absacken, wobei es doch heute eigentlich schön war. Schön war auch, dass der Wald Radler angenehm vor jeglichem Wind schütze, so dass ich nur die ersten zwanzig Kilometer nervig davon penetriert wurde; im Hokianga Harbour hatte ich dann netterweise volle Möhre Rückenwind, was aber die Durchschnittsgeschwindigkeit der Etappe auch nicht mehr aus dem Erbärmlichen hieven konnte (am Ende 18,4, im historischen Vergleich ein Witz, aber 1000 Höhenmeter warteten auch auf den ersten 49,89 Kilometern; am Ende waren es 1468).

Wirklich weit ist es von hier aus bis zum Cape Reigna auch nicht mehr, aber ursprünglich hatte ich auch die Idee, dort oben angekommen entlang der Ostküste nach Auckland zurückzuradeln. Irgendwie tendiere ich auch immer noch dazu, werde es wahrscheinlich auch machen, aber Teil der ursprünglichen "Mission" wäre es nicht. Aber gab es nicht bei all diesen Flugsimulatoren, die ich als Kind gerne spielte (reißerische Titel wie Microproses "Gunship" oder  "F117 Stealth Fighter"), auch immer "Primary" und "Secondary Targets"? Warum nicht das Cape als Primary und dann mal schauen, was aus dem Secondary wird?

Geht der Wind nach Hause und kommt die Sonne noch einmal aus dem Winterloch herausgekrabbelt, werde ich so schnell nicht wieder in Wellington sein...

Der Waipoa Forest; ein kleines Stück Naturparadies inmitten der gar nicht einmal so furchtbar paradiesischen Westküstenlandschaft der Northlands. Die heutige Etappe war zwar größtenteils wirklich schön, dafür liegen aber auch einige eher wenig spektakuläre Tage hinter mir.

Waipoa Forests, weitere Eindrücke.

Waipoa Forest; quasi der "Eingang" mit dem dezenten Hinweis, dass 24 eher schwerere Kilometer folgen könnten. Top Service bei plötzlichem Regen: der Parkplatzwächter (2 Dollar pro Auto oder Rad; auch eine Art ABM-Maßnahme, aber angeblich gibt es seitdem keine Einbrüche in Autos mehr, was vorher ein Problem gewesen sein soll) spannte seinen Regenschirm über mein Rad, als ich im  Waipoa Forest herumlungerte.