Stage 5
Dargaville - Kaihu
 32,88 Kilometer; 1:49:40 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Und wieder ist ein Witztag zu Ende gegangen: 33 Kilometer habe ich geschafft, dann hatte die Strecke mich geschafft. Wenn ich im Tempo der letzten beiden Tage weiterfahre, bin ich in drei Monaten noch nicht am Kap angekommen.

Gutes Wetter im Anflug! Juhu!

Zumindest schreibe ich aber noch vom "ankommen", gestern Abend im Bett hatte ich ein absolutes Stimmungstief zu durchwandern und ueberlegte mir erschreckend ernsthaft, mich einfach in den Bus zu setzen und auf den Rest der Tour zu, naja, jeder weiss, welches Wort hier kommen muesste.

Jetzt, am Abend, war der Tag auch gar nicht einmal so schlecht und bei weitem nicht so langweilig, wie ich fuerchtete. Ich war zwar schon um elf Uhr in der Frueh am Hostel angekommen, da es jedoch auf den letzten drei Kilometern erstmals richtig zu schiffen anfing und ich keinen Bock mehr hatte, meine Regenklamotten auszupacken, kam ich dann auch in einer Stimmung an, die mich 33 Kilometer als genug erachten liess. Gestern 55, heute 33: Witzetappen! Letzten Sommer hatten wir auf dem Weg nach Istanbul mehr als
120 im Schnitt, was zwar auch nicht gut ist, aber ein gesundes Mittelmass wuerde schon Sinn machen. Nett wander war ich natuerlich auch nicht, abgesehen von einer kleinen, trockenen Tour am Nachmittag durch einen dschungelartigen Wald direkt hinter meinem Hostel, den ich auch heute Nacht noch einmal mit Taschenlampe bewandern werde, da es dort angeblich Gluehwuermchen gibt. In 20 Minuten ist man auch einmal rum, eine Riesenwanderung ist es nicht gerade. Eine solche waere hingegen eine Wanderung zum nahen "Bluff", quasi einer 460 Meter hohen Klippe direkt am Meer, welches ich ganz nebenbei auf dieser Tour noch gar nicht gesehen habe. Super Kuestenstrecke. Dummerweise muss man jedoch erst einmal mehrere
Kilometer ueber eine unbefestigte und angeblich im Moment fast unbefahrbare Strasse und dann auch noch auf den dummen Huegel rauf, was wesentlich mehr Spass macht, wenn es nicht wie bekloppt weht und andauernd regnet - das Spiel der letzten Tage mit abwechselnden Schoenwetterphasen und gut einem
Dutzend Regenschauern setzte sich auch heute fort.

Morgen geht es dann endlich durch den Kauri-Forest. Angeblich ist die Strecke verdammt huegelig, kurvig und schoen. Schoen wohl auch, weil man die dummen Berge nicht fuer den Ackerbau plattmachen konnte und endlich einmal ein wenig richtige Natur uebrig geblieben ist. Ist es trocken und relativ warm, zumindest letzteres war es heute bei netten 17 Grad, macht das auch Spass, aber ist es wieder so wechselhaft wie in den letzten Tagen: Gute Nacht. Gute Nacht geht uebrigens erstmals nach 55 Kilometern, dann wieder nach 5 und 25, so dass ich, je nach Lust und Laune, mir die Etappe recht gut einteilen kann und zumindest mehr als 33 fahren muss. Ueber die heutige Etappe kann ich auch nicht wirklich viel schreiben: kaum angefangen, schon
 

Traumwetter im Hostel; kein Wunder, dass es mir nach etwas mehr als dreißig Kilometern reichte.

vorbei, keine Highlights und Seitenwinde. Zumindest keine Gegenwinde.


Zumindest hat sich meine Stimmung im Laufe des Tages wieder gebessert, so dass ich jetzt eine relativ robuste "koste-

es-was-es-wolle"-Einstellung zu dieser Tour habe. Zumindest hoch bis zum Kap. Ob ich dann auch noch an der Ostkueste wieder hinabfahre, werde ich dann sehen, aber bis "nach oben" komme ich schon irgendwie. Selbst mit 33 Kilometern am Tag bin ich in eineinhalb Wochen dort. Ab Samstag ist ja eh wieder Sommer, gell?

Praktisch war, dass ich hier am PC schon einmal alle Tagebucheintraege abtippen konnte, meine Waesche gewaschen habe und somit zumindest einen Tag kein stinkendes Radtrikot ueberstreifen muss und jetzt noch eine unheimlich leckere Spaghettisauce mit Zuccini, Paprika, Pilzen und Zwiebeln auf mich wartet. Zuccinies kennt uebrigens nicht jeder - gestern im Supermarkt wusste das arme Maedel an der Kasse nicht, was das gruen Zeug war, dass sie aus meinem Einkaufskoerbchen hiefte. Da alles Gruenzeug hier an der Kasse
gewogen wird, ist es dann ziemlich peinlich, wenn man nicht ganz so genau weiss, wie diese gruenen, gurkenaehnlichen Stangen heissen...

Ich spare mir die Scherze; jeder wird schließlich mal alt. Trotzdem ein genialer Schnappschuss. Hoffentlich fährt er zumindest mit Brille... Da wird schon mal mit den Kühen des Nachbarns geholfen: Ankunft im Hostel.