Stage 4
Paparoa - Dargaville
  54,33 Kilometer;  2:47:51 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Abkotzen - anders kann man die ersten 23 Kilometer des Tages nicht beschreiben. 23 Kilometer, Mittag ist es auch schon - heute wird nicht viel geschafft.

Mitschuld traegt ein Besuch im Kauri Museum bei Matakahoe. Fuer neuseelaendische Verhaeltnisse war das Musem sogar relativ interessant. Man widmete sich hauptsaechlich der Pionierzeit und dem Raubbau an den beinahe ausgestorbenen Kauri-Bauemen, den es ausser in Neuseeland nirgendwo gibt. Aehnlich wie bei den Redwoods in Kalifornien stehen heute nur noch vereinzelte Exemplare des bis zu mehreren tausend Jahren alten Baumes, den man

Naturvernichtung New Zealand Style: Foto aus Neuseelands Frühzeit, als man die Kauris noch gnadenlos umhackte.

so verdammt gut fuer Tische und Boote benutzen konnte bzw. auch noch kann. Soll man den Pionieren einen Vorwurf machen, auch wenn das Resultat so wenig zur mittlerweile preisgekroenten Imagekampagne ("100% pure") von Neuseeland passt? Wohl kaum, denn was haetten die Siedler sonst machen sollen, ausser Ackerbau und Forstwirtschaft? Zu Hause bleiben, waere eine Option, aber jetzt kann man nur noch dankbar sein, dass rechtzeitig jemand "Stop" schrie. Und noch zwei oder drei alte Baueme stehen. Gluecklicherweise wird wieder massiv aufgeforstet - in 2- oder 3000 Jahren duerften dann
wenige Quadratkilometer wieder so aussehen, wie frueher.

Eigentlich sollte man nicht klagen, wenn es trocken ist, aber das Radfahren machte einmal wieder ueberhaupt keinen Spass. Beim Durchblaettern eines wenig spannenden Fotobandes der Northlands im Souvenirshop des Museums fragte ich mich auch, warum ich das alles überhaupt mache. Zu viel Landwirtschaft, zu wenig Landschaft. Klar, es macht auch einfach so Spass radzufahren, auch wenn man nicht nur durch Utopia radelt - sonst wuerde ich nie in Oldenburg auf mein Rad steigen - aber heute ist es der bestialisch blasende Wind, der mich zum, siehe erstes Word, "abkotzen" bringt. Mein Tacho hat auch seinen Geist aufgegeben, der feuchte, gestrige Tag scheint ihm nicht nicht bekommen zu haben. In Bulgarien hatte ich das Theater schon einmal, ein sonnig-heisser und wunderschoener Tag nach Marko Tanarvo brachte jedoch auch wieder etwas Leben in den damals spinnenden Computer (Steigungen bis zu 99%, unglaublich hohe km/h-Angaben). Zumindest bis Dargaville moechte ich heute noch kommen - 29 Kilometer. Wie urspruegnlich geplant bis nach Kaihu zu fahren, noch einmal 32 Kilometer weiter, macht nur dann Sinn, wenn der Wind abflacht und ich wieder etwas Motivation finde. Von hier aus (Ruawai) muesste der Wind zwar von der Seite und nicht mehr schnurstracks
von vorne kommen, schoener und vor allem waermer wird es dadurch jedoch kaum. Vielleicht etwas einfacher, was schon einmal ein Anfang waere. Was fuer eine Tour bis hierher...

Rain - later storm, winds up to 65-100 km/h: der Wetterbericht fuer morgen, uebermorgen (Donnerstag) und Freitag dann nur noch Showers und strong winds und ab Samstag "showers and winds easing". Man soll den Prognosen zwar grundsaetzlich misstrauen, aber gut klingt das Alles nicht. Morgen frueh soll es noch gehen - um acht oder halb neun werde ich auf meinem Rad sitzen und die ersten 33 Kilometer nach Kaihu attackieren. Eigentlich koennte man dort angekommen auch noch schoen wandern, aber das plane ich besser nicht
fest ein. Mir droht ein langweiliger Tag im Hostel.

Gestern hatte ich Dargaville noch als Rastplatz fuer eine Mittagspause eingeplant, aber hier sitze ich nun, am Ende des Tages. Und wieder erschoepft - nach 55 Kilometern. Die letzten 29 Kilometer waren noch einmal
knueppelhart, da der Wind von schraeg vorne pustete und es nicht immer einfach war, das Rad vernuenftig geradeaus zu steuern. Herrlich waren nur die wenigen, windgeschuetzten Abschnitte, die endlich einmal wieder so etwas wie "Reisegeschwindigkeit" zuliessen, aber "far and few between" waren. Ich habe Imke gerade vom Internet-PC im Touri-Info-Center aus eine ordentliche Frustmail geschickt und bin wirklich am Gruebeln, was das hier alles soll.


Einer Englaenderin hier im Hostel - eine umfunktionierte Grundschule in der die Tafeln noch im Dorm haengen - hatte ich noch vollmundig erklaert, dass ich die Tour hinschmeissen wuerde, wenn ich wuesste, dass das Wetter genauso beschissen bleibt. Jetzt weiss ich es, aber hoffe, dass es ab Samstag besser wird. Die Hoffnung stirbt bekanntermassen zuletzt, ansonsten ist aber auch schon jede Menge mausetot.

Nicht alles: mein Tacho ist wieder trocken und von den Toten auferstanden. Auf in den naechten, kalten Regen! Nicht gerade aufmunternd auch der Hinweis im Lonely Planet, dass die meisten Touristen sich die Westkueste der Northlands gleich ganz schenken. Zu Recht; bis jetzt war es auch nicht wirklich schoen, aber die Kauri-Forests kommen ja noch. Hoffnung?