Stage 2
Auckland - Helensville
  63,1 Kilometer;   3:15:14 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

"People tell me that going up there is the hardest part" 
(of cycling, in ganz Neuseeland - werden wir ja mal sehen!) - Hostelbetreiber Helensville


Die an der Strasse angepriesene "Great View" ist zwar diskutabel, aber waere es nicht stark bewoelkt, waere die View vielleicht auch greater: Willkommen in Helensville, etwa fuenf Kilometer weiter als noetig von Auckland entfernt.



Wenn man Strasse X korrekt befaehrt (X = Stage Highway 16), nicht abbiegt und auch keine allzu grosse Abzweigung uebersieht, muesste man doch eigentlich Y Kilometer spaeter (Y = 10) noch auf eben dieser Strasse sein, oder?



Oder auch nicht, da das Radfahren im Molloch namens Auckland so viel Spass macht, konnte ich davon wohl kaum genug bekommen und befand mich nach zehn Kilometern ziemlich weit von jenem Ort entfernt, an dem ich mich

eigentlich waehnte. Auckland ist einfach zum Kotzen, kein Ank-Morpork aber nah dran,
zumindest auf dem Drahtesel. Verkehr ohne Ende (kauft euch endlich mal ordentliche, oeffentliche Verkehsmittel!),

...man will ja nicht der nächste sein, also Helm gut festzurren!

Ampeln noch und noecher und das Ganze noch gespickt mit einem huegeligen Terrain: super! Am Ende meiner letzten Tour brauchte ich vom ersten Vorort

Laden am Wegesrand; irgendwie einladend, irgendwie aber auch mindestens genauso ausladend...

 (Whitford) bis ins Zentrum
geschlagene drei Stunden, heute kam ich in immerhin zwei Stunden aus der Stadt, hatte danach aber schon wieder 33 Kilometer abgespult und jede Menge Russ geatmet. Die Scheissstadt, in der ein Drittel aller Neuseelander wohnt, waere auch nur halb so gross, wenn irgendwer mal zweigeschossig bauen wuerde
und nicht jeder Hintz und Kuntz, oder hier Smith, Ali oder Ming, sein eigenes Sueppchen kochen muesste. Die Stadt ist auch stinklangweilig, 500 Meter vom Zentrum entfernt beginnt der Einfamilienhausteppich und geht dann unveraendert stundenlang weiter, ab und zu von einem Stadteilzentrum im amerikanischen Mall & McDoof & Shell-Stil unterbrochen und dann wieder weiter wie gewohnt. Schade, dass Wellington so erdbebengefaerdet ist und nicht

 Auckland...

Gott sei Dank bescherte man mir fuer die Vorstadtodysee zumindet noch Sonnenschein und 21 Grad - ab dem Ende des Einfamilienteppiches drehte der Wind spuerbar auf und es begann auch prompt zu regnen. "Hallo Radler, willst Du wirklich Ende Mai noch losradeln?" Mit nur noch dreissig Kilometern bis Helensville war es mir dann aber auch

Chaos total: Kasse eines kleinen Shops am Wegesrande.

 egal. Der Regen verblieb zwar nicht die ganze Zeit, der boeige Gegenwind allerdings schon, so dass ich mich nach 63 Kilometern seltsam erschoepft fuehlte. Mit 15 km/h gegen eine

"Juhu, endlich Regen!" (nach 30 km)

Windmuehlenmauer anzutreten ist auch wahrlich kein Spass, sei an dieser Stelle angemerkt, wobei mir dazu nur der dumme Spruch "even a bad day on the bike is better than a good day at the office" einfaellt. Nun gut, ich arbeite zum Glueck in keinem Office, sondern studiere noch. Und da mein Studium superinteressant ist, wuerde ich auch so das Statement mit Beruecksichtigung des Studiums so nicht unterschreiben. Irgendwie ist es allerdings doch schoen, wieder auf der Piste zu sein. Wenn ich dann in ein oder zwei Etappen auch endlich aus dem doch verkehrreicherem Grossraum Aucklands raus bin und die Sonne lacht, wird Teil IV dieser Serie bestimmt ein Erfolg. Die Touristensaison ist uebrigens total vorbei: in Auckland im Hostel schien es, als waere nur ein 8er Dorm geoeffnet, hier in Helensville bin ich "you're the first one today, and probably the last" (falsch, zwei Paaerchen kamen noch). Schoen waere es auch noch, in einem deutschen Reisefuehrer ("Neuseeland per Rad, Verlag Wolfgang Kettler, 26,80 DM, sieht ganz ordentlich aus, Jahrgang 1995) ueber die Northlands lesen zu koennen. Dummerweise hat allerdings ein mir zuvorgekommener Radspasti den Fuehrer
schon vor mir entdeckt und, fuehrertreu wie man als Deutscher ja oftmals gilt, eben jenen um fuenfzehn sicherlich interessante Streckenbeschreibungen erleichtert. Scheiss Deutsche, oder Schweizer...

...abends, tagebuchschreibend... Noch am Morgen: mein Rad vor Auckland; unten: Sonnenschein am Abend, ein gutes Zeichen für das morgige Wetter?