Stage 14
Whangaruru - Waipu
  106,65 Kilometer;  4:31:02 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Der heutige Tag war der Lohn aller Mühen der ersten Tourhälfte, der heutige Tag war der Grund, weshalb ich immer wieder auf ein Rad steigen werde. Der Morgen begann wunderschön; die Hügel um mein einsames Hostel herum waren vom Nebel verhangen, die gute Sippe mitsamt Farmarbeiter zum Morgenkaffee auf der sonnenüberfluteten Veranda (32 Grad auf dem Thermometer) versammelt, alles lachte und scherzte, die Katze streunte herum, vom Wind keine Spur, keine Wolken: es hätte nicht schöner sein können.

Oder doch: die ersten vierzig Kilometer bis Whakapara waren wie aus einem Guss. Bilderbuchlandschaften. Bilderbuchwetter. Dazu war es auch etwas einfacher als zuvor von Russell nach Whangaruru (ca. 750 Höhenmeter auf

Zu gutes Wetter im Winter kann einem schon zu Kopfe steigen...

37 vs. 550 auf ähnlich vielen Kilometern) und ich in blendender Form. Die Pedale drehten sich auch bei zehnprozentigen Steigungen wie von selbst, die Zeit verging wie im Fluge und nach weiteren zwanzig Kilometern auf der gut ausgebauten, aber doch verkehrsreicheren "1" erreichte ich zum Mittagsmahle Whangarei.

Dummerweise fiel mein Mittagessen auch mit plötzlich einsetzenden Erkältungsanzeichen zusammen. Der Burger bei McDoof blieb mir etwas schief im Hals hänge, auf den ersten Metern aus der Stadt hinaus war mir geradezu schlecht und schwindelig. Plötzlich war auch alle Kraft wie abgezapft. Ich pausierte häufig und berappelte mich nur langsam, um dann doch noch mit einem 22+-Schnitt bis ans Ziel der drittlängsten Touretappe zu kommen. Nach Whangarei war es zwar nicht mehr so postkartenschön wie zuvor, jedoch mit Blicken auf einige Inseln vor der Küste und die Whangarei Heads (imposante Hügelformationen am Whangarei Harbour, siehe Foto oben) auch alles andere als hässlich.

Im Hostel erwartete mich dann ein Dauergast und kein Personal. Mr. Dauergast hätte nach eigenen Aussagen eigentlich seit zwei Monaten abreisen sollen, jobbte jedoch in der Gegend und war keinen Meter von der Stelle gekommen. Wir hatten wirklich interessante Diskussionen über die Asianisierung Neuseelands, unsere Freunde (die USA-Elite um George Bush) und viele andere Themen, die ich nun nicht komplett durchkauen werde. Interessant war, dass Neuseeland angeblich seit Jahren einen leichten Migrationszuwachs von 15-30.000 Menschen hat, gleichzeitig aber auch 50.000 pro Jahr nach Australien oder Europa auswandern. Da nun also meistens europäisch angehauchte Neuseeländer auswandern und überwiegend Asiaten immigrieren, könnte das demokratisch regierte Neuseeland allein aus demographischen

Morgengrauen von der Veranda des Traumhostels.

Gründen binnen weniger Jahrzehnte ganz anders aussehen. Und ob die mühsam aufgebaute "100% pure"-Ideologie auch vom "gelben" Neuseeland weitergeführt wird, darf zumindest bezweifelt werden. Vielleicht ist dann aber auch nur Auckland doppelt so groß und doppelt so asiatisch wie heutzutage, ohne das der Rest des Landes wirklich tangiert wird. Es muss kulturell bedingt sein, aber die Anzahl asiatischer Backpacker, die ich in den letzten zwei Wochen oder auch auf Reisen zuvor traf, kann man fast an einer Hand abzählen. Was ich nicht verstehe und worüber ich auch nur Mutmaßungen anstellen kann. Ein Fakt und ein Fragezeichen, weil allein 40% aller Studenten in Auckland asiatischer Abstammung sind und eigentlich auch diese irgendwann einmal "frei" haben müssten.

Mir persönlich bleibt jetzt nur zu hoffen, dass ich heute Nacht nicht mit total verstopftem Riechkolben aufwache und morgen wieder gut Boing-Boing in den heute Abend doch erkältungsmäßig erschlafften Gliedern habe. Auckland ist zwar um die Ecke, krank bringt mich die Restdistanz jedoch zur Strecke.

...abseits der Großstädte werden noch uralte Schulbusse über die Nebenpisten manöveriert... Atombombentest in Neuseeland?
Morgenidylle in meinem Farmhostel. Die Katze schnurrt, das Pferd kaut, man kocht mir einen leckeren Kaffee... ...bevor es dann auf die Piste geht, vorbei an "Bushaltestellen"...
...und weiter durch schöne, hüglige Küstenlandstriche...

...über einige Durchhänger bis nach Waipu, dem Ende der zweitlängsten Etappe meiner Tour.