Stage 12
Kahoe - Paihia
  90,46 Kilometer;   4:28:27 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Brrrr - saukalt find mein Tag heute an. "This is as cold as it ever gets", meinte Steffano, reib sich die Hände und verzog sich zurück in die warmen vier Wände. Ich war viel zu früh aufgestanden und hatte viel vor mir, so dass ich nach etwas Basketball und einigen fußballerischen Kunstaktionen auf dem taubenetzten Rasen des Stadions schließlich fröstelnd lostrampelte. Sieben Grad zeigte mein Thermometer an. Meine Radschuhe hatten zu allem Überfluss auch noch draußen übernachtet. Resultat: quasi steif gefroren. Erst nach zwei Stunden auf der Piste hatte ich etwas warme Füße und nicht nur kribbelnde, gefühlslose Stümpfe, mit denen ich die Pedale nach unten stampfte.

Frühsport auf Steffanos hosteleigenem Fußballplatz...; "This is as cold as it ever gets" (Steffano)

Statt der direkten 60-Kilometer-Piste nach Paihia wählte ich einen 30 Kilometer langen Umweg, da mir Steffano die erst kürzlich asphaltierte Küstenstraße zwischen Whangaroa und Orotere (oder kurz dahinter) "wärmstens" (was für ein passendes Wort für die Morgenstunden) empfohlen hatte. So von wegen "wenn man eine Postkarte vom Bay of Islands zu Gesicht bekäme, wäre das Foto wahrscheinlich dort gemacht worden...", so dass ich eigentlich nicht vorbeiradeln konnte. Oder durfte. Außerdem wäre es auch noch die schönste Küstenstraße der Northlands. Ich hatte wirklich keine Wahl.

Am Ende waren die ca. 30 Kilometer Umweg an der Küste auch echt "ganz nett", den Preis mit immerhin neunhundert Höhenmetern auf insgesamt 40 Kilometern jedoch nicht unbedingt wert. Buchten sind zwar etwas schönes, aber wenn zwischen diesen immer wieder heftige Anstiege warten, Steigungsgrade von 10 bis 18 Prozent immerhin, ist es kaum verwunderlich, dass ich gegen Mittag hin und nach setting Kilometern "leer" war. Aus die Maus? Nicht ganz, aber ein fetter Burger etwa fünf Kilometer vor Kerikeri half auch nur kurzfristig; gegen Ende hin schleppte ich mich nur noch vorwärts, pausierte fortlaufend und war irgendwann doch am Ziel.

Paihia ist ganz nebenbei keine Reise wert und wird im Sommer das reinste Partynest sein. Ein Hostel nach dem anderen, heute auch wieder ein eher unpersönlicher 10er Dorm (okay, wir waren zu zweit), drei Küchen: ich pausierte im Mousetrap Hostel, laut den BBH-Bewertungen einer der besseren Herbergen der Stadt. Statt einem nicht-funktionsfähigen Internet-PCs bei Steffano gab es hier gleich fünf davon, aber während Steffano die

 Wanderungsoptionen seiner riesigen Farm anpries, wollte mir der Macker von der Rezeption noch zig kostenpflichtige Aktivitäten anpreisen, falls ich auch etwas touristisches machen wolle. Fließbandabenteuer - zu gerne erinnere ich mich an große, hässliche, gelbe Busse vom "Abenteuerunternehmen" "Awesome Adventures", die mich oben am Cape Reigna überholten. Allein der Name ist ein Witz - als wäre es ein "Awesome Adventure" in einem bekackten Bus zum Cape zu fahren bzw. hin oder zurück, je nach Wasserstand, die neuzig Kilometer zum Cape hinauf auf dem Strand zu absolvieren. Respekt vor denjenigen, die sich solch eine Reise zutrauen! Hut ab! Awesome geradezu!

Das einzige was ich in Paihia gerne möchte, ist weiterfahren. Paihia ist nicht "das Neuseeland", in dem ich gerne mehr

Sieben Grad zur Abfahrt: brrrrr...

 Zeit als unbedingt nötig verbringen möchte. Zweifelsohne war das Rugbyspiel der Taranaki Sonstwas gegen die britisch-irischen Lions, die momentan durch Neuseeland touren, in der gutgefüllten Sports Bar gegenüber des Hostels nett, aber kein Vergleich zu einer ruhigen Nacht bei Steffano. An der Rezeption bekam ich jedoch einen Gutschein für ein Gratisgetränk, so dass ich bis zur Mitte der Halbzeit an meinem Wein nippelte (um mich herum wurde natürlich nur Bier in rauen Mengen gekippt) und mich dann verzog. Die Lions führten haushoch und Rugby ist debil...

Etwas ungünstig liegen auch die von hier aus folgenden Hostels, da ich morgen viel zu wenig (etwa 40 Kilometer), danach aber eigentlich viel zu viel (100 Kilometer) strampeln muss. Zumindest kann ich mit dieser Etappeneinteilung das 45,000-Seelen-große Whangarei überspringen und beide Nächte im "Nichts" verbringen. Neuseeländische Städte bleiben einfach der Horror: überall gleich, 08/15 bis ins Unendliche potenziert, viele Autos und viel, schlechter amerikanischer Flair.

Huch, ein Tagebucheintrag ganz ohne Erwähnung des Wetters. Ein gutes Zeichen, ein sonniges Zeichen...

Futter für Radler... ...Fütterung für Schweine (unterwegs fotofiziert)
...früh am Morgen... ...und kurz danach; um kurz nach acht war ich auf der recht kühlen Piste...
...Brücken führten mich über spiegelglatte Flüsse... ...vorbei an monströsen Bäumen und Mangroven und schließlich bis nach Paihia..