Stage 11
Kaitaia - Kahoe 
 57,54 Kilometer;  2:34:13 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Das Haus: ein Traum! Viel Holz, blitzeblankpoliert, massive Holzfußböden von denen man geradezu essen könnte, alles vom Feinsten, draußen ein eigenes Fußballfeld, das "Kahoe-Stadium", Top-Bäder, ein riesiges Farmgebiet, welches zu ausschweifenden Wanderungen einlädt: fantastisch! Seit vierzehn Jahren gibt es das Kahoe Farm Hostel, drei Mal hat es dabei die beste Wertung aller BBH-Hostels (rund 350-400) in Neuseeland eingefahren und rangiert momentan auf dem zweiten Platz (Wertung 96% im neusten BBH-Wertungsjahrgang). Und man ist froh, nicht schon wieder "gewonnen" zu haben. Oben an der absoluten Spitze würde der Druck zu groß, so mein Gastgeber. Gäste würden unverblümt sagen, dass sie nur dort sind, um sich ein 97%-Hostel anzugucken. Der Drang zur fortlaufenden Perfektion würde den Alltag unangenehm dominieren. So redet man wahrscheinlich nur, wenn man schon mehrfach oben war. Die Arroganz des mehrfachen Siegers...

Ein Erlebnis der besonderen Art ist auch Steffano, der Hostelmacker und ein richtiges Unikat: riesiger Fußballfan

...Straßenverlauf kurz vor Kahoe...

(deswegen auch das eigene Ministadion), dutzende Trikots im Fernsehzimmer, meinte gleich zu mir, dass es auch Sky TV zum Fußballgucken gibt und Hobbykoch, denn im Hostel gibt es jeden Abend original italienische Pizzen, selbstverständlich benannt nach Fußballgöttern. Man hat die freie Auswahl aus Antonio Cassano, Sean-Wright Phillips (meine Wahl), Francesco Totti, Joe Cole, Stephen Gerrard und und und...

...ulkig auch, dass ich gerade zum vierten Mal das Pärchen aus Österreich getroffen habe (Hostel Kaihu, Ahipara,

Fahrt zum East Cape, jetzt hier). Neuseeland ist schon verflucht klein bzw. sie sind wirklich gemütlich unterwegs, dafür dass sie ein Brumm-Brumm haben und kaum strampeln müssen. So genießt man das Land wahrscheinlich mehr und hat auch Zeit, die großartigen Wanderwege der Farm zu erkunden. Würde ich auch noch überall angekommen das unternehmen, was die beiden absolvieren, wäre ich statt zwei Wochen fünf Wochen unterwegs. Beschweren werde ich mich allerdings nicht, dafür macht die Radelei einfach zu viel Spaß.

Weit gekommen bin ich heute auch nicht unbedingt, aber war auch

...etwas überraschender Besuch vor meiner Abfahrt: man machte es sich Rad gemütlich...

 froh, als ich um 13:30 für den Tag fertig war. Das Wetter war zwar absolut perfekt - Sonnenschein ohne Ende - aber Eile verspüre ich keine. Ich habe auch keine Ahnung, wie ich letztes Jahr nach Istanbul im Schnitt 120 Kilometer am Tag auf die Straße braten konnte. Bei signifikant höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten, Kotzattacken und ziemlichen Wadenproblemen, wohlgemerkt. Vielleicht habe ich auch einfach nur den ganzen Tag auf dem Rad verbracht und ständig auf die Zähne gebissen, was mir zur Zeit, wohl auch weil ich alleine unterwegs bin und keine Franksche Konkurrenz habe, einfach nicht sonderlich reizvoll erscheint.

Würde das Wetter bis Auckland so bleiben wie heute, wäre der Rest ein Traum. Träumen will ich davon aber lieber nicht. "The higher you walk, the deeper you fall" - nirgendwo wahrer als beim Wetter auf einer Radtour. So, mehr gibt es nicht; bin zu müde. Ich warte nur noch auf meine Pizza, leider will Steffano 16 Dollar dafür haben, und werde dann schlafen gehen, auch wenn ich damit um halb neun im Bett wäre.

Steffano's Kahoe Farm Hostel: zweifelsohne eines der besten und kreativsten Hostels Neuseelands. Steffanos Pizzen sind mir zwar etwas zu knusperdünn und italienisch, aber die Namensgebungen sind ebenso witzig wie das Fernsehzimmer mit unzähligen Fußballtrikots und einer Torwand, die von wenig Sympathien für Jancker zeugt. Schießt man ordentlich übers Tor, quasi wie Totti und Beckham, gibt es zumindest noch Punkte dafür. Rechts vorbei ist hingegen wertlos...
Blick hinab auf das einsam gelegene Hostel (der weiße Fleck rechts hinten)... ...und hinab auf die Bucht (vom privaten Farmgelände aus, welches mit zig Wanderwegen durchzogen ist).

Zum einen Strandfotos, zum anderen Portraitaufnahmen von lustigen Viechern, die es im Hostel zu füttern galt...