Stage 10
Waitiki Landing - Kaitaia
 90,05 Kilometer;   3:42:49 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Seine Stimme tönt durchs Hostel. Vorhin litt ich unter ihm, jett ist ein anderes Opfer im Fernsehzimmer an der Reihe: ein etwas schwerhöriger, steinalt-seniler Britte hausiert seit zehn Tagen in Kaitaia, geht kaum raus (angeblich zu kalt) und labert, labert, labert und labert. Und labert. Wellington und Auckland sind nach britischen Generälen benannt,

Briefkasten am Wegesrand...

Adolf Hitler war ein Guter, da es Deutschen in den 30ern besser ging als Engländern (so wie er selbst erlebte) und vorhin schnappte einer von uns Dreien - ich teile mir das Zimmer mit zwei Landesgenossen - etwas vom Blitzkrieg auf. Irgendwie witzig, aber in den siebzehn Monaten, die er nunmehr in Neuseeland Urlaub macht, hat er sicherlich schon Hunderte mit seiner aufbrausenden Stimme genervt, da er, wie viele Schwerhörige, ziemlich laut redet. Und fatalerweise gerade zu mir in die Küche gekommen ist und, oh Gott, jetzt singt. Kreisch!

Witzig war auch die beiden Deutschen auf meinem Zimmer. Der eine kurz vor dem Studium (BWL), der andere danach (Informatik) und danach (Familie und eigenes Kleinunternehmen). Mit dem Unternehmen ist es zwar noch nicht ganz vorbei, mit dem Rest aber schon, so dass 20.000 Kilometer Abstand von der Realität das richtige Rezept zur Verarbeitung scheinen. Nachdem mir am Nachmittag erst stinklangweilig im einsamen Hostel mit Opi war, ließ die Ankunft der beiden den Tag wie im Fluge vergehen, da wir stundenlang über die Europäische Union, den Euro und Neuseeland tratschten.

9 Tage radele ich nun schon am Stück. Vielleicht ein Grund, weshalb meine Beine heute schwerer denn je auf dieser Tour schienen. Heftige Kopfschmerzen waren heute Abend ("there must be some bloody light", stammelt Opa und macht erst mal das Licht an, da ich im Halbdunkel schrieb, fast alles ist bei ihm "bloody") auch am Start, so dass ich etwas fürchtete, richtig angeschlagen zu sein. Krank fühle ich mich nicht, aber der Krafteinbruch nach 60 der insgesamt 90 Kilometer war schon beängstigend. Ich freue mich auf den baldigen Schlafsack.

Von der Strecke gibt es wenig zu berichten, da ich dieselbe Piste schon zum Kap hinauf geradelt war (jetzt wiederholt Opi gerade seinem letzten Opfer gegenüber den Autor eines Buches, wahrscheinlich irgendein

Wieder Regen, wieder genervt: ich am Unterstand auf halber Strecke nach Kaitaia

britisches "Mein Kampf"-Äquivalent, welches dieser sich unbedingt ausleihen soll, sobald er wieder daheim ist). Egal, zurück zur Strecke: hinauf war es trocken, hinunter schneller und feuchter. Heute früh strahlte der Himmel zwar noch tiefblau auf hoffnungsvolle Sportler wie mich hinab, relativ schnell rollten jedoch wieder die Schauer übers Land und brachten Genosse Wind mit. Für morgen ist der Wetterbericht nicht umwerfend besser, aber ab Mittwoch, also übermorgen, soll es dann ja.... (einer der Deutschen, gestern im 100 Kilometer entfernten Russell gewesen, berichtete von orkanartigen Stürmen, von denen ich am Kap, Gott sei Dank, vollkommen verschont blieb; kann ich erstmals auf dieser Tour guten Gewissens "Glück gehabt" schreiben?)

Erschreckend war auch, wie schnell der Regen heute wieder meine gestern noch so große Tourmotivation ausknocken konnte. Heute Abend hoffe ich einfach nur, über Nacht gut zu rebounden und morgen mit antizipiertem Rückenwind zum Hostel in Kahoe zu gelangen. 93% liest sich die Wertung im BBH-Heft, was hoffen lässt, dass der Laden weniger stinkt als dieser...

Vielleicht geht es mir auch nur deshalb nicht so gut, weil ich 2,5 Liter braunes Stinkwasser aus meinem letzten Hostel gesoffen habe. Zwar kocht eich das Wasser in der Früh ab (ohne das es mir ausgekippt wurde) und bekam von der freundlichen Chinabande auch noch eine Banane geschenkt, aber so richtig gut war das bräunliche Sportgetränk wahrscheinlich nicht. Manchmal rächt sich meine Knauserigkeit, aber wahrscheinlich bin ich einfach nur erschöpft und ready vor the break, that it nicht gibt. Urlaub!