Stage 1
Bimmelbahn nach Auckland 

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Mit dem "Herr(n) des Drahtesels" ist es wie mit vielen Filmen oder Buechern (und dieses Mal erstmals ohne Umlaute, da ich unterwegs in einem Hostel einen Regentag dazu nutze, dass bisher Fabrizierte abzutippen): Fortsetzungen und immer noch mehr Fortsetzungen, die allesamt urspruenglich nicht geplant waren. Zumindest als ich Herberts Rad auf Kurs nach Paris brachte; wer haette gedacht, dass wir schon ein Jahr spaeter bis nach Barcelona juckeln und ich mittlerweile fuenf Mal ueber 1000 Kilometer gefahren waere?

In Neuseeland dann dasselbe Spiel. 2-3 Teile hatte ich fuer den "Herrn des Drahtesels" eigentlich geplant, hier ist allerdings schon Part IV. Teil V, im November und Dezember und wieder zusammen mit Frank, ist auch schon fest geplant. Die Idee auch im jetzigen Uni-Break wieder auf den Sattel zu steigen kam mir direkt nach der ueberraschend gelungenen Tour ueber Ostern. Das Wetter war viel besser als erwartet gewesen, die Strecke wunderschoen und all dies liess den Schluss zu, dass es in ausgewaehlten Bereichen Neuseelands auch sieben Wochen spaeter noch nett sein

Späte Ankunft nach tausend gefühlten Stunden Zug: die Reze hatte zu, aber ein Brief wartete auf mich...

koennte. Zumindest netter als in meiner kleinen Bude in Wellington. Drum sitze ich hier am Vorabend der Nordtour im selbn Aucklander Hostel, wo der Herr der Ringe III vor 48 Tagen endete. Wie schon so oft ist der Wetterbericht ein Albtraum und verspricht tagelangen Regen. Aber a) regnet es nie den ganzen Tag und b) bei zu erwartenden Temperaturen von 15.8 Gra (im Juni, Northlands, www.metservice.co.nz) kann es auch ruhig mal ein bisschen regnen.

Zugegebermassen, die riesige Vorfreude auf die Tour verspuere ich heute Abend nicht. Das Vorhaben hat eher den Charakter einer Mission, die es zu erfuellen gilt, aber alternativ koennte ich nur eine Bank ueberfallen und nach Fidschi fliegen oder in Wellington verweilen, wo ich im Moment nicht wirklich tagesfuellend beschaeftigt waere und mir schnell die Decke auf den Kopf fallen wuerde. Ich bin auch fest davon ueberzeugt, dass mir die Tour am Ende wieder gut gefallen haben wird (Einspruch beim Abtippen nach der vierten Etappe: bislang ist davon eher wenig zu spueren). Im Moment geht es mir aber eher so, als muesste ich morgen zur Arbeit gehen.

Aetzend war auch die heutige Anreise nach Auckland. Als waere es nicht schon schlimm genug, dass die TransScenic Bimmelbahn fuer die 700 Kilometer 12 Stunden braucht, dauerte es heute auch noch einmal eine Stunde laenger und

Steigert die Vorfreude: Wetterbericht für Auckland

somit insgesamt halb so lang wie ein Flug nach Deutschland. Wo es angeblich 30 Grad warm ist. Ein paar Gleisinspektoren mussten auf den ersten 100 Kilometern die Strecke inspizieren, weshalb der Zug wie ein Trecker dahinroechelte. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis auch eine der letzten drei Zugstrecken Neuseelands dicht machen wird. Bei Fahrtpreisen von etwa 100 Dollar von Wellington nach Auckland und einem Zug pro Richtung und Tag kann ich mir nicht vorstellen, wie nicht einmal ausgebuchte Zuege (ca. halbvoll) mit je drei Waggons (und viel Sitzabstand, nix Deutsche Bundesbahn) etwas anderes als ein absolutes Verlustgeschaeft darstellen koennen. Leider fahren die meisten Neuseelaender und Touristen lieber mit dem schnelleren und guenstigerem Bus, aber bevor ich den ganzen Tag im engen Bus dahinsieche und wieder einen Busfahrer wie den beaengstigend schnaufenden David nach Napier ertragen muss, fahre ich lieber mit der Bahn.

"Die Bahn kommt", pflegt man doch zu sagen. Bei einem Bus mit David am Steuer ist das eher eine 50/50-Angelegenheit. Selbst wenn Davids Bruder die Lock steuert, rauscht der Zug nach dem Herzanfall wenigstens nicht gegen einen Berg oder eine Klippe hinunter.