Stage 9
Whakatane - White Island - Whakatane
Bootsfahrt

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Einen Tag später, immer noch Whakatane...

„Machen, nicht machen, machen, nicht machen, machen....“; das Objekt des Gegrübels? White Island, Neuseelands einzige aktive Vulkaninsel, 48 Kilometer vom Hafen Whakatanes entfernt. 48 nasse Kilometer. Keine Radetappe. Die Entscheidungsfaktoren?

Hafenfigur von Whakatane; es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Skipper männlich ist...

Keine Brücke, Zeit und Geld, vor allem letzteres. Nachdem ich aber nun mit 800 Dollar in der Tasche und einer Katastrophe auf dem Konto unterwegs bin, kann ich das Geld doch auch munter unter das Volk jubeln, oder?

140 unverschämte Dollar kostet eine Bootsfahrt mitsamt Führung nach White Island; 140 Dollar, die laut Aussagen einiger anderer Gäste im Hostel absolut gut investiert sind. Solche Sprüche kennt man sonst nur von Bankangestellten, die einem bei Folgegesprächen dann gut zureden und einen damit beschwichtigen, dass es ja alles langfristig gemeint war. „Man ist nur einmal hier“, „so etwas gibt es in Deutschland / der Schweiz /  England nicht“ und so weiter, hieß es dann nach meiner Ankunft im Hostel. Ich grübelte und grübelte und grübelte und entschloss mich dann einfach zu fahren. Den „vergeudeten“ (aus Radelsicht) Tag war es auf jeden Fall wert. Das Geld? Wie soll man das sagen. In Montreal habe ich schon einmal 150 kanadische Dollar für ein Spiel der Habs gegen die Leafs am Samstagabend ausgegeben. Kein gutes Spiel, aber 2:1 für Montreal. Computerspiele für rund 100 Dollar habe ich mir auch schon gekauft (kürzlich Pro Evolution Soccer 4, was das Geld sehr wohl wert war) und sicherlich schon oft für andere organisierte Aktivitäten viel Geld ausgegeben. Wo soll man die Grenze zwischen „wert“ / „nicht wert“ ziehen?

Sagen wir es einmal so: für 140 Dollar bekommt man eine unheimlich informative, erstklassig gemanagdte Tagesfahrt auf einem luxuriösen Schiff zur Insel hinaus. Die Insel selbst ist zweifelsohne faszinierend – andersartig – wie eine fremde Welt. Als Kind stellt man sich außerirdische Welten ungefähr genauso vor: die Erde qualmt, es wächst nichts, es ist unglaublich heiß, man bekommt eine Gasmaske umgehängt, falls plötzlich Gaswolken austreten und die Umgebung ist vom phosphorierten Sulphur gelb gefärbt. Nach all den Impressionen auf der Insel gab es dann noch ein Lunch im besten Flugzeugstil, ein Freigetränk (klein) und auf der Hinfahrt Dolphine, die ein Weilchen mit unserem Kahn mitschwammen und sich zumeist wenig fotogen unter Wasser aufhielten. Was das alles jetzt wert ist, ist 

Es soll ja auch ein bisschen gefährlich wirken: Helmpflicht auf White Island!

sicherlich diskutabel, aber bei 40-50 Leutchen pro Boot kann man gut Geld verdienen. Boote sind natürlich auch teuer, 7-8 Mann Personal waren auch dabei, ein Drittel aller Tage im Jahr ist von vornherein zu schlecht zum Ausfahren, im Winter sind weniger Gäste dort und yadayadayada. Zu guter letzt ist die stinkende Insel auch noch im Privatbesitz und wer weiß, was der glückliche Inselbesitzer pro Landung an Gebühr einstreicht. Teuer ist der Ausflug trotzdem, aber egal...

Gut war unter Umständen auch der Ruhetag, da ich gestern am Etappenende total fertig mit der Welt war. Der letzte Anstieg, 150 Höhenmeter mit größtenteils 10-12% Steigung, hätte einfach nicht mehr sein brauchen. Zitternd stopfte ich mir am Gipfel meine Proviantreste hinein und fühlte mich alles andere als wohl;. Das Hostel am Ende der letzten Abfahrt hatte dann aber einen rettenden Charakter, bevor ich allerdings ganz gut reboundete und erst einkaufen und dann noch kochen ging. Heute Abend kocht allerdings Pizza Hut für mich; eine fette Supreme mit Cheese-Sticks und Diet Pepsi. Die zigtausend Kalorien habe ich mir heute zwar nicht verdient, aber ich werde sie morgen schon noch auf der Strecke lassen...

Eines der wenigen guten Fotos vom Fischzeugs unterwegs... ...gruppenweise wurde mit einem Schlauchboot auf die Vulkaninsel übergesetzt.
Vier verschiedene Fotos von White Island; es stinkt, es erinnert an kindliche Weltraumfantasien, grün ist nichts und der Vulkansee dampft auch noch gehörig. Kein Schnäppchen, aber durchaus eine Reise wert. Links dann noch ein Schnappschuss vom abendlichen "Maori-Abend" im Hostel, der damit endete, dass alle Deutschen (drei) "Alle meine Entchen" vorsingen mussten.