Stage 8
Whanarua Bay - Whakatane 
  118,87 Kilometer;  5:50:37 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Erster Eintrag: Opotiki, Pause

Mittagessen in Opotiki – es hat einmal wieder alles geklappt! Bibbernd, zitternd, flehend und hoffend habe ich mir aus dem Bankautomaten erste einmal 800 Dollar gezogen – das Maximum. Wenn das Konto jetzt wegen totalem Überzug gesperrt wird, habe ich erst einmal etwas Zeit und Geld, um das Problem wieder in den Griff zu bekommen. Zumindest scheinen Bankautomaten in Neuseeland beim Abheben keine Bonitätsprüfung zu machen, denn kein deutscher Automat hätte mir auch nur annähernd so viel Kohle gegeben. Wenn überhaupt einen Cent...

Wetten, es wird nass?

Zur Feier der finanziellen Auferstehung wollte ich mich mit zwei leckeren Burgern belohnen – und zu meinem Glück verstand die Thekentante nicht, dass ich einen Cheese- und einen Bacon&Egg-Burger wollte, sondern brachte mir nur letzteren. So wie der geschmeckt hat, werde ich lieber gleich wieder ganz sparsam. Mit den geilen Burgner in Tikitiki am East Cape hatten die Burger hier absolut gar nichts gemeinsam. Burger ist eben nicht gleich Burger...

Aber was schwafele ich hier eigentlich zeilenweise über Burger, nachdem ich das angeblich schönste Stück der Küste geradelt bin? Genauso wie man nie dem Wetterbericht trauen sollte, sind Reiseführer ebenfalls eine bestenfalls suspekte Informationsquelle. Von allen Küstentagen hat mir die heutige nicht explizit gut gefallen, vielleicht waren die anderen Tage sogar besser (oder ich habe nicht die ganze Zeit an den Bankautomaten gedacht), aber relativ spektakulär war die Strecke selbstverständlich auch. Klar, als Reiseführerschreiber muss man irgendetwas als Highlight hervorheben. Vielleicht hat bei der Beradlung/Befahrung dieses Küstenabschnittes die Sonne am meisten geschienen oder der Typ hat bessere Burger gefunden. Ist eigentlich aber auch egal...

Leider hat mich auch zum ersten Mal seit langem der Regen erwischt. So richtig traue ich den dunklen Wolken über dem Take-away auch nicht, obwohl die Wolkenfelder noch eher spärlich das blau am Himmel verdecken und eigentlich meistens die Sonne scheint. Es scheint so, als wäre es entlang der Küste relativ wolkenfrei, während die Hügel im Landesinneren von dunklen Wolken bedeckt werden. Heute soll es mir aber egal sein: morgen hingegen geht es auch für mich in das Inland, wo ich dann doch schon gerne weiterhin gutes Wetter hätte. Eine Woche überraschender Sonnenschein macht anspruchsvoll. Nass bin ich auch heute trotz des nächtlichen und vormittaglichen Regens nicht geworden – ein netter Opa (siehe rechts) winkte mich geschwind in sein Haus (ausgebauter Schuppen, nur ein Zimmer), als es zu prasseln anfing und ich gerade noch ein Foto vom Regenbogen geknipst hatte. Drinnen gab es dann seine Lebensgeschichte und ziemlichen Krach, da der Rege unbarmherzig auf das Aluminiumdach seines Schuppens/Hauses prasselte und zeitweise jegliche Unterhaltung unterband. Nach einer halben Stunde verabschiedete ich mich wieder, schob mein Rad über einen matschigen Feldweg zur asphaltierten Straße zurück und radelte trocken bis zum Bankomaten und meinem fiesen Burger weiter.

Etwas beängstigend war auch ein Zusammentreffen mit drei Halbstarken, etwa zehn Kilometer vor Opotiki. Ich hatte mein Rad entlang eines Feldweges an den Strand geschoben und genoss die Einsamkeit eines kilometerlang menschenleeren Küstenstreifens, bis röhrend eine Schrottkarre auf den Strand gebraust kam und drei Möchtegerncoolios aussteigen. Der kleinste Pimpf (Wollmütze, Riesenjersey, 28 Grad in der Sone) meinte, sie wollten die Karre heute zu Schrott fahren, woraufhin der oberkörperfreie Macker am Steuer dies gleich verneinte und sagte, dass sie die Karre heute erstmals seit drei Jahren wieder fahren würden. Und fit machen wollten (mir schien es nicht, als hätte irgendeiner der Dreien vor drei Jahren schon einmal legal am 

Kurz vor Opotiki: Rückblick aufs East Cape und all jene Hügelketten, die es zu absolvieren galt.

Steuer sitzen dürfen). Als Beweis für die guten Intentionen trat der Pimpf erst mal gegen die lose hängenden Stoßstange.

Glücklicherweise verzogen sie sich wieder (mit durchdrehenden Rädern) und fragten mich nur noch, ob ich denn auch meinen Müll eingesammelt hätte. Wahrscheinlich war es ganz gut, dass ich gerade dabei war, als sie ankamen und während der ganzen Unterhaltung mein Messer in der Hand hielt...

So, noch ca. 45 Kilometer mit Gegenwind nach Whakatane. Auf geht’s mit Gebrüll!

Von links nach links unten: Autos verkehren am East Cape zwar kaum, dafür findet man aber eine Menge Viehzeug auf der Straße, abseits der Straße imposante Täler und kriegt abends, siehe links, in Whakatane noch einen netten Wolkenuntergang als Dreingabe.