Stage 7
Hicks Bay - Whanarua Bay
  65,91 Kilometer;   3:12:36 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Weit ging es heute nicht voran; schön war es dafür aber wieder. Die ganze Herumschwärmerei wird schon beinahe langweilig. Schön die Strecke, schön das Wetter (man könnte fast meinen, es würde täglich besser), alles schön-schön.

Mein heutiges Hostel (auch das hat man schon ein paar Mal lesen dürfen) ist der absolute Hammer (aber dieses Mal ist es wirklich noch hammeriger), betrieben von einem ehemaligen australischen Skimeister (Australien und Ski???), der vor zwanzig Jahren nach Neuseeland auswanderte, seitdem weder Fernseher noch Zeitungen angerührt hat und hier am East Cape sein eigenes Paradies betreibet. Ein unheimlich schmuckvolles und reich verziertes Häuschen, direkt an der Bucht gelegen, fast alle Stufen liebelvoll mit eingesetzten Muscheln geschmückt, aufgespannte Segel spenden Schatten – abgesehen vom recht normalen Dorm, in dem ich (alleine) wohne, ein wahrer Traum! Genial sind auch ein paar Doppelzimmer, die er im Angebot hat; quasi Resortqualität. Selbstverständlich kosten die Zimmer dann auch etwas mehr als die zwanzig Dollar, die ich für meine vier Wände mit 5 Geisterbetten bleche.

Auch die Straße durchs menschenleere Nirgendwo – auf den vergangenen 240 Kilometern wohnten gerade einmal 3500 Menschen – schien es heute noch weniger Verkehr zu geben als an den vergangenen Tagen. Um mehr von der Küste zu sehen, fuhr ich schon einmal minutenlang auf der rechten Fahrbahnseite. Kurven konnte man getrost entlang der Ideallinie nehmen. Und wenn doch einmal ein Auto kam, hörte man es eine Minute im Voraus. Wenn

Unterwegs am East Cape: die Sovereign Lands Owners Embassy - der Botschafter war leider gerade nicht anwesend, also kann ich nur raten, dass es sich um eine Maorigruppierung handeln könnte.

 überhaupt mal ein Auto kam...

Passiert ist eigentlich nicht viel, der Tag war einfach nur Entspannung pur, ein bisschen mäßig anstrengendes Geradel und viel viel viel Sonne. Morgen ist der achte Tag meiner Tour, den Anreisetag miteingerechnet, und ich bin noch nicht einmal nass geworden (außer vom Schweiß). Unglaublich!

Etwas Sorgen machen mir im Moment nur meine Finanzen. Meine Kreditkarte ist gestern abgelaufen und meine Barreserven betragen etwa 65 Dollar – genug für zwei sparsame Tage. Ich werde zwar morgen nach 85 Kilometern in Opotiki einen Geldautomaten erreichen, aber wird er mich auch bedienen? Der erste des Monates ist gerade durch, mein Konto bestimmt am Anschlag oder sogar leicht darüber hinaus überzogen. Neues Geld, wie immer am Monatsanfang, wird bis morgen Mittag kaum auf dem Konto eingetrudelt sein. Die alles entscheidende Frage ist also, ob ein Geldautomat in Opotiki bei einer Abbuchung einen globalen Bonitätscheck macht und feststellt, dass mir kein deutscher Automat mehr Geld geben würde, oder nicht. Theoretisch kann diese Finanzmisere ziemlich heikel werden – kriege ich morgen kein Geld, wird sich dies auch am bevorstehenden Wochenende kaum ändern. Schlimmstenfalls ist mein Konto auch eh schon gesperrt, da meine letzte Abbuchung (zaghafte 200 Dollar) theoretisch über den erlaubten Überziehungsrahmen hinausschoss. Aber davon will ich jetzt mal gar nicht ausgehen. Spannung!!!

Zurück zur Embassy und Asyl beantragen?

Etwas computer-illiterate scheint mir der Hostelfritze allerdings auch zu sein. Irgendwer hat ihm offensichtlich seinen Computer eingerichtet und ihm auf vielen, kleinen, bunten Zetteln aufgeschrieben, wie man die alltäglichen Kleinigkeiten am Bildschirm managed. Hier einer der Zettel:

 Check emails every second day (click on send and receive button)
  - in sent items
 - yes we have availability
 - sorry, no availability
  - to respond to new emails forward relevant email
 - eg yes we have availability
 - or sorry, no availability
to the person
remember - you will have to type in new email address

Ähnliche Zettel gibt es dann noch für heikle Aufgaben wie “ausdrucken”, oder gar “Fotos von Digicamera übertragen”. Ich sollte mal aus Spaß auf irgendeinen Zettel noch „go to command and type „format c:““ draufschreiben...

Badelatschen als Grabschmuck; warum eigentlich nicht? Die "Historic Church at Raukokore"; Einzugskreis mehrere hundert Kilometer, wenige Hundert Leute?

...Küstenimpressionen...

Eingang einer Schule am East Cape... ...und mein Hostel am Abend; direkt am Meer, genial!