Stage 5
Tokomaru Bay - Hicks Bay
 101,31 Kilometer; 5:26:05 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Ich liebe Regentage, vor allem Tage an denen „rain, some heavy“ ansteht und vor allem dann, wenn man auch noch einen Sonnenbrand bekommt! Einmal wieder sollte sich bewahrheiten, dass Wetterprognosen auch nur Prognosen sind und man es so wie der Betreiber meines heutigen Hostels machen sollte; morgens zum Himmel gucken und schauen, was so angeflogen kommt. Das hat ihn heute übrigens 800 Dollar gekostet, da er beim Gucken in der Früh eine schwere Gewitterfront als Omen eines schlechten Tages identifizierte, er eine Anglercharterfahrt abblies und wie ich ab neun Uhr nur noch von der Sonne beschienen wurde.

Perfekt. Mein Wecker klingelte zum wenig spektakulären, da wolkenverhangenem Sonnenaufgang um 5:45, bevor um sieben Uhr das Gewitter losblitzte. Die Sichtweite fiel dramatisch auf wenige Dutzend Meter herab, es prasselte ohne Unterlass auf das Dach unserer Herberge und das deutsche Pärchen stöhnte beim Frühstück etwas von „keinen Bock wegen Regen“. Hallo? Fuck, fahrt mal Fahrrad!

Aber der Regen kam, der Regen ging und die Sonne blieb. Der Wind war zwar teilweise etwas ungnädig, aber es wäre dumm, darüber zu mosern. Ungnädig war auch die Strecke, die sowohl der Lonely Planet als auch Pedaller’s Paradise als schwerste Etappe des East Cape bezeichneten. Gleich mit dem Frühstück im Magen stand ein Anstieg von 0 auf 280 Meter an, dann sechzig Kilometer sanfte Hügel und am Ende noch drei Gipfel um 200-250 Meter; so kommen schnell wieder die mittlerweile obligatorischen 1000 Höhenmeter zusammen. Da mir auch noch das Hinterteil tierisch schmerzte, kam ich nicht wirklich gut voran. Einen Rhythmus konnte man beim heutigen Profil sowieso nie finden...

Die Strecke verlief weitestgehend abseits der Küste, was der Schönheit aber keinen Abbruch tat. Mir begegneten auch endlich zwei andere Radler: ein älteres Ehepaar aus Deutschland, die nach Monaten auf dem Rad und beiden Inseln auch absolut begeistert waren. Vom East Cape, wohlgemerkt, welches sie rückblickend sogar als Neuseelands Fahrradjuwel bezeichneten. Ich muss ihnen langsam Recht geben; so geniale Strecken, unglaubliche Hostels (auch heute wieder von einem unheimlich netten Maori betrieben, der erst mal alle Gäste namentlich allen anderen vorstellt usw.), natürlich auch tolles Wetter und oft dazu das Rauschen des Ozeans am Ohr: da wird sich die Südinsel gegen Ende des Jahres ordentlich ranhalten müssen, um mithalten zu können! Außer mir sind im Moment noch fünf Kanadier im Hostel; unter anderem vier Highschoolabsolventen im Chill-Out-Year. Die Bande, aus Montreal stammend, wird noch komplettiert von einer seit 8 Monaten alleine durch Neuseeland reisende Frau aus British Columbia, die so ziemlich jeden Treck gelatscht ist, den es überhaupt zu geben scheint. Ein Reiseführer auf zwei Beinen, quasi. Bis gerade, mittlerweile ist es wieder etwas später geworden, saßen wir alle noch gemütlich beim Kerzenschein auf der Veranda, die Sterne strahlten vom Himmel, das Meer rauschte, es war unglaublich warm (für Neuseeland, für April, für abends), so dass man selbst abends noch die Kurze Hose anbehalten konnte. Da vergisst man gerne das windige Wellington, wo schon im März die kurze Hose gelegentlich ausgemustert werden musste. Paradiesisch!

Und weil es so schön ist, dass East Cape sicherlich eines der Highlights meines Neuseelandaufenthalts ist und ich bei dieser Tour kein echtes Ziel habe, werde ich gleich zwei Tage am Hicks Bay bleiben und morgen versuchen, zum East Cape Lighthouse zu radeln. Versuchen deshalb, weil ich a) nicht weiß, wie das Wetter wird und vielleicht hier bleiben oder alternativ mit den Montrealern was machen könnte und b) ein Großteil der Strecke nicht asphaltiert ist und ich keine Ahnung habe, ob ich die Strecke gut fahren kann. Man wird es sehen.

Auch richtig geil war eine Kneipe im 100-Einwohner-Nest Tiktik, wo ich für neun Dollar zwei richtig fette Sportlerburger von einer ebenso fetten Maoirmama auf den Teller gezaubert bekam. Irgendwie alles geil (neues Trendwort dieser Tour?): die Burger, die Strecke, die Hostels und vielleicht sogar der morgige Sonnenaufgang über dem Meer. Der Wecker steht auf sechs Uhr...

Der letzte Anstieg zum Hicks Bay am Abend; der Herr des Drahtesels III scheint vom Tag gezeichnet.

Eine Kirche unterwegs, lange nachdem...

...man in der Früh beobachten durfte, dass Katzen nicht dumm sind. Menschen allerdings auch nicht,... ...drum tat es ihnen der Mensch wenige Stunden später gleich, musste dafür aber bezahlen.

Sonnenauf-....

...und Sonnenuntergang; irgendwie recht ähnlich.