Stage 14
Kuatunu - Thames
  86,1 Kilometer;  4:16:17 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Wäre ich abergläubisch, hätte ich jetzt ein ernsthaftes Problem. Bin ich zwar nicht, aber ein Problem habe ich trotzdem. Oder sogar mehr.

Nachdem die ersten 1050 Kilometer – nach meinem etwas faulen gestrigen Tag fiel heute endlich die 1000er 

Der Anstieg am morgen; 370 Höhenmeter auf vier Kilometern, puh!

Marke – bis auf eine Stunde trocken waren, droht morgen eine recht feuchte Schlussetappe. Die 13. Etappe. Zufall?

Quatsch, aber dem Wetterbericht nach ist die Zeit gekommen, die Tour zu beenden. Für die Auckland-Region sagt Metservice fünf Tage Dauerregen voraus – und kein Tag hat auch nur ein kleines Sonnensymbol bekommen. Die Hochdruckgebiete der letzten Wochen haben erst einmal ausgedient, und vom Osten zieht jede Menge Regen heran.

Kräftiger Regen. Ich hatte bloß schon oft schlechte Wetterberichte und dann doch gute Tage – quasi Sonnensbrand statt Regenjacke – ab die schlechte Langzeitprognose deutet schon an, dass am miesen Wetter ein Fünkchen Wahrheit sein könnte. Könnte, wohlgemerkt...

Mein Plan lautet darum, morgen schon um 7:30 startklar zu sein und soviel zu schaffen, wie irgendwie geht. Bevor es nass wird. Regnet es schon um 7:30, wird trotzdem losgefahren. Die Hoffnung auf einen kurzen Schauer erstickt der Wetterbericht im Keime.

Heute gab es dafür noch einmal Sommerwetter vom allerfeinsten und zumindest bis Mittags einen der wärmsten Tourtage überhaupt. Gekoppelt mit dem brutalsten Anstieg der Radtour – 370 Höhenmeter auf knapp 4 Kilometern – ließen einen die dreißig Grad in der Sonne fast explodieren. Selbst ohne Trikot dampfte es während des Anstiegs nur so aus einem heraus, der Schweiß floss in Strömen und das Ganze war, etwas flapsig ausgedrückt, richtig geil. Die Montrealerin aus meinem Hostel – zehn Minuten nach meinem Gipfelsturm mit ihrem Mietwagen oben angekommen (zugegebenermaßen zeitversetzt losgefahren) – konnte sich das zwar nicht vorstellen (den Spaß daran), aber das ist ihr Problem. Ich finde einfach nichts herrlicher, als das plötzliche Hitzegefühl das einen irgendwann überkommt, wenn man langsam einen Berg hochächzt. Eine ganze Weile geht es ganz gut, der sanfte Wind kühlt einen, aber irgendwann kommt dann der Moment, in dem man so richtig, na ja, explodiert ist wohl das falsche Wort, aber von einem Hitzeschwall überkommen wird. Herrlich...

Auch nach Coromandel Town (am Ende der Abfahrt vom Anstieg) ging es heute erst einmal heftig rauf und runter; Achterbahnradeln pur, bis ich nach 44 Kilometern 980 Höhenmeter absolviert hatte. Die 1000 Höhenmeter mussten dann zwar noch bis zur Kilometermarke 54 warten, aber danach ging es dann eigentlich nur noch flach weiter. Richtig flach. Fast wie daheim in Ostfriesland. Eine absolute Seltenheit für neuseeländische Verhältnisse.

Eng gebaut schlängelte sich die Straße stets am Meer entlang, passierte unzählige One-Lane-Bridges und wurde verdammt eng, wenn ein LKW an einem vorbeizog. Andere Radler – an den Vortagen gab es zuletzt häufiger mal den einen oder anderen zu sehen (insgesamt vielleicht zehn auf der gesamten Tour) – fehlten

Regen? Ich auf der Flucht...

 komplett. Prinzipiell fährt auch jeder meine Strecke anders herum, da ich stets in den prognostizierten Wind strampeln muss (überwiegend Westwinde in Neuseeland, so dass man das East Cape und die darauf folgende Strecke nach Auckland eigentlich am besten von Auckland aus in Angriff nimmt). Meine Hauptpriorität war

 aber ganz eindeutig das East Cape, das sekundäre Ziel einfach nur „easy going“. Hätte ich in der Nähe von Auckland begonnen, wäre ständig der Druck da gewesen, die mehr als 1000 Kilometer tatsächlich zu schaffen. Hätte ich nicht solch ein Glück mit dem Wetter gehabt – statt der schönsten Neuseelandtour mit reichlich Gegenwind hätte ich eine Horrortour gehabt. Wäre ich anders herum ums East Cape gefahren (vielleicht von Whakatane aus), hätte ich nach einer Woche meine Zieleinfahrt in Napier feiern dürfen und „nowhere to go“ gehabt, da die Küste gen Masterton hin als nicht überwältigend spannend gilt. Außerdem kenne ich Masterton auch schon und hatte von Anfang an den Abstecher zur Coromandel Peninsula zumindest als Option im Hinterkopf – wenn denn das Wetter mitspielen sollte. Das tat es – bis jetzt – mal sehen, was das letzte Gefecht bringt!

Hauptsache, jeder Bach hat einen Namen... ...Briefkasten der Feuerwehr.
Rezeption des Hostels in Thames, katzenfreundlich... ...und Thames am Abend. Verschlafenes Nest.