Stage 13
Hahei - Kuaotunu
 33,23 Kilometer;  1:35:15 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Und sie schreiben alle...

Neun Uhr, Black Jack Backpackerhostel Kuaotunu: eine Montrealerin, eine Kölnerin und ich. Totenstille. Ab und zu wird umgeblättert. Leise hört man Kugelschreiben über die Seiten flitzen. Kollektive Tagebuchzeit...

Oben: Frühsport am Strand; hier: der Sonnenaufgang.

Draußen stehen die Sterne in voller Pracht am Himmel, keine Wolke trübt den Anblick und ich hoffe nur, morgen endlich auch einmal wieder einen wirklich durchweg schönen Tag zum Radfahren zu haben. Schön war es heute ohne Frage – nur eben nicht, als ich unterwegs war. Was, zugegebenermaßen, wiederum nicht sonderlich lange war. Einfach keinen Bock gehabt.

Blick hinab zur Cathedral Cove um sieben in der Früh.

Schon früh – um 6:30 – durfte mich mein Wecker heute wecken. Da ich am Vorabend brav um zehn Uhr eingenickt war, stellte dies auch kein überwältigendes Problem dar. Erstes Frühstück, ab aufs Rad und zum einen Kilometer entfernten Parkplatz nahe der Cathedral Cove, zu der ich in aller Früh wandern / gehen wollte. „Wander“, als Verb betrachtet, wäre für den etwa 45-minütigen Trip wohl etwas übertrieben. Der Strand mit der Cove war dann auch wunderschön, menschenleer und definitiv eines der Highlights meiner Reise. Die Sonne schien, kein Wind lies mich frösteln und ich genoss die frühmorgendliche Einsamkeit, die etwas mehr als eine halbe Stunde andauerte, als die erste Joggerin eintrudelte, sich ein paar Hundert Meter den Strand hinab aller Klamotten entledigte und kurz in die Wellen hüpfte.

Wiederum eine halbe Stunde später – ich hatte mittlerweile den Rückweg angetreten – wäre an die angenehme Ruhe am Strand kaum noch zu denken gewesen, da der Touristenstrom langsam an Fahrt gewann und mehr und mehr Leute dem „must-see“ entgegenpilgerten. Auch mehrere Busse trudeln jeden Tag ein; unter anderem die lächerlichen Partybusse von Kiwi Experience. Mein Tipp: früh aufstehen, Strand genießen und bloß nicht tagsüber hinuntergehen, wenn es überall nur klick-klack macht und man alle zwei Minuten gefragt wird, ob man Yao und Ming oder Klaus und Petra am Strand ablichten kann.

Fährverbindung auf dem Weg von Hahei nach Whitianga, ca. einen Euro pro Überfahrt.

Um halb elf war ich dann nach meinem Abstecher ans Stingray Bay, eine Bucht auf dem Rückweg zum Parkplatz, an der die ignoranten Massen vorbeischossen, wieder im Hostel, frühstückte erneut und vertrödelte meine Abfahrt so gut es ging. Als ich dann um halb zwölf endlich unterwegs war, radelte ich 1.57 Kilometer und 57 steile Höhenmeter bis mir einfiel, dass ich meine Karte vergessen hatte. Nix gut. Zurück, dann wieder den Hügel rau, Radler genervt...

Auch nicht gerade motivationsfördernd war die Information einer Hostelangestellten, dass Coromandel Town – ein theoretisches Tagesziel nach 60 Kilometern – wenig schön sei und alle schönen Strände auf der Ostseite der Coromandel Peninsula lägen. Und in Kuaotunu ein sehr empfehlenswertes Hostel wäre...

Aber nur etwas mehr als dreißig Kilometer als Tagesdistanz? Ich grübelte, kam kaum voran, Wolken zogen auf, es nieselte und in Whitianga – wohin ich mit einer Minifähre übersetzte (ansonsten zwanzig Kilometer Umweg) – schien wieder die Sonne. Innerlich hatte ich mich jedoch schon längst entschlossen, keinen Bock aufs Radfahren zu haben. Als ich dann noch die nach Coromandel Town hin zu überquerende Hügelkette in grauen Wolken sah, war es um jegliche Motivation geschehen. Endstation Kuaotunu. Kurze Etappe. Scheiß egal.

Das Hauptplus des heutigen Hostels ist zweifelsohne die kostenlose Versorgung aller Gäste mit Kayaks. Vor meiner Übernachtung hier hatte ich zwar noch nie in einem Kayak gesessen, ein Winzer aus dem

 Schwarzwald beruhigte mich allerdings und meinte, dass es eigentlich recht einfach wäre. Die einzige Voraussetzung war natürlich gutes Wetter – was zuerst ein Problem zu sein schien, da es gegen Mittag

Abends im Hostel: Gratiskayaks! Juhuuu!

 ordentlich zu regnen begonnen hatte. Um vier Uhr und einige Buchseiten später war es dann endlich soweit: die MS Bernt PV stach erstmals in See und mein erster Paddelversuch ließ den Hostelbetreiber nur schelmisch grinsen. Er erklärte mir dann noch (mehrfach) die korrekte Paddeltechnik und riet mir, besser nur auf dem kleinen Fluss zu bleiben, in dem ich das Kayak bestiegen hatte. Besser noch nicht aufs Meer hinaus...

Nach zwanzig Minuten wurde mir der Fluss allerdings zu langweilig, so das ich (mittlerweile bei strahlendem Sonnenschein)  mich doch an der Flussmündung zum Meer hin fand und fröhlich in die Bucht hinauskayakte. Der Wellengang war abseits der Brandung nicht weiter nennenswert und erfreut durfte ich feststellen, dass ein Kayak nicht so leicht kentert, wie ich zuvor gedacht hatte. Paddel, paddel – bei der Rückkehr an den Strand dann doch zwei Mal gekentert (parallel zur Brandung, hohe Wellen, Wasser sehr seicht, hätte wohl eher aussteigen sollen, Knie etwas aufgeschlagen) – aber insgesamt „eine klasse Gaudi“ (was für ein beschissener Ausdruck!).

Am Abend gab es dann noch den obligatorischen Traumsonnenuntergang, leckere Spaghetti und die 150 Restseiten von John Grishams „The King of Torts“. Ich würde mir zwar nie selber einen Grisham kaufen, aber nachdem ich meine eigenen Lesevorräte verschlungen hatte („The Curious Incident of the Dog in the Nighttime“ und „Tokyo“; letzteres eher mäßig gut, mäßig glaubwürdig und nur durch exzessive Gewaltszenen pseudospannend), fiel mir in einem der Hostels eben jener Grisham in die Hände. Nach „King of Torts“ wird es auch gleich mit den nächsten Grisham weitergehen, da im „Book Exchange“ dieses Hostels zwar jede Menge Hits wie „Catch 22“ oder „The Coffin Dancer“ stehen, alles andere aber nur Schrott zu sein scheint (viel Science-fiction, Western oder Romanzen) und John das Lesenswerteste zu sein scheint. Letztes Jahr war mein Leseprogramm während der Radelei auf jeden Fall Welten besser. „King of Torts“ kann man zwar gut herunterlesen, die Charaktere waren aber erbärmlich unterentwickelt und die Story zu unemotional, „Tokyo“ war brutal, hatte dämliche Hauptcharaktere, war aber ansonsten okay (Coverdesign und so weiter), „The Curious...“ war spitzenmäßig aber zu kurz. Bücher wie „Middlesex“, „Catch 22“ und „Little God Vernon“, die mich allesamt nach Istanbul begleiteten, sind aber schon in einer ganz anderen Liga.

Vögel am Stingray Bay... ...Blick hinab zur Cathedral Cove am frühen Morgen.
Cathedral Cove... ...ebenfalls...
...und das Stingray Bay... ...ebenfalls...
Footprints in the Sand am Morgen... ...Sonnenuntergang am Abend.