Stage 12
Tauranga - Hahei
  93,70 Kilometer;   4:33:37 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Unvorstellbar – gerade einmal 20:36 und ich liege schon im Bett. Bettgehenszeit wie im Kinderkarten, aber pourquoi? 

Zum einen, weil ich kaputt und müde bin, zum anderen, weil hier mehr Ruhe zum Schreiben herrscht als in der Küche, wo ich gerade noch in einer Deutsch/Schweizerischen 5er Gruppe etwas geschnackt habe. Alle fünf von uns sind alleine auf Tour, drei Flaschen Rotwein standen auf dem Tisch und ich merke selbst mein eines Glas. Ich muss wirklich ins Bett...

Auch habe ich heute erstmals mit dem Radfahrerehrenkodex gebrochen. Genauso wie Jonas nie mit dem Rad 

nach Paris gefahren ist (http://www.hockeyarenas.com/koelnparis2000.htm), bin ich auch meine derzeitige Reise nicht komplett geradelt (zu Jonas Entschuldigung sollte man anmerken, dass er nur etwa zehn Kilometer 

Acht Uhr in der Früh, Verladestation Busbahnhof Tauranga.

mit dem Bus zurücklegte, nachdem ein Speichenbruch ihn an der Weiterfahrt bis zum nächsten Ort hinderte). Schuld an meinem Bruch mit dem Ehrenkodex ist der State Highway 2 zwischen Tauranga und Waihi; der angeblich unfallreichste Streckenabschnitt aller Überlandstraßen  Neuseelands überhaupt. Im „Pedaller’s Paradise“ als „suicide highway“ beschrieben, sind die 59 Kilometer für Radfahrer unter Umständen wenig empfehlenswert. Das Problem beruht darauf, dass a) die Straße nicht immer wirklich breit ist, b) die einzig sinnvolle Verbindung zwischen Auckland und dem East Cape darstellt (ebenfalls Verbindungen nach Rotorua), c) die Region zwischen Taurana und Whakatane eines der Hauptanbaugebiete für Früchte aller Art ist (LKWs) und d) Tauranga einen recht aktiven Hafen hat. Ein Radler aus England, den ich bei meiner Abreise in Wellington traf, meinte, dass er die Hälfte geradelt sei und dann einen Bus bevorzugt hätte. Eine Radlerin im Hostel in

Es regnet, es macht brumm: Ehrenkodex der Radler hin oder her, der Bus war gut.

 Whakatane berichtete vor einigen Tagen, dass sie fast einen Unfall hatte, als ein Wagen hinter ihr nur durch eine Vollbremsung Schlimmeres verhindern konnte. Ehrenkodex hin oder her, den Spaß wollte ich mir nicht unbedingt auf dieser eigentlich relaxten Tour antun, buchte einen Bus und rauschte um 8 Uhr in der Früh im doppelstöckigen Auckland-Express durch den strömenden Regen.

Regen? Hatte der Wetterbericht nicht schlimmstenfalls für gestern früh etwas Regen prognostiziert und ansonsten lediglich Traumwetter bis übermorgen? Schon, aber wie akkurat der Wetterbericht in Neuseeland ist, weiß ich mittlerweile. Tipp für alle Reisenden: einfach ignorieren oder bestenfalls als Grobindikator verwenden: sind 5 Tage Sonnenschein prognostiziert, ist es am ersten Tag 60:40 sonnig, am zweiten 55:45 und ab dann 50:50...

Wahrscheinlich sollte man auch nicht am Vortag der Ankunft auf der Coromandel Peninsula sonnige Postkarten jener Gegend kaufen und dann auch noch schreiben, dass man immer nur geiles Wetter hatte. Solch frevelhaft, blasphemisches Verhalten scheint den Wettergöttern kräftig auf den Senkel zu gehen. Zur Strafe blieb auch meine erste Stunden auf dem Sattel feucht, bevor der Regen zum Nieselregen degradierte und schließlich, Regengott sein Dank, gänzlich verschwand. Für schönes Wetter reichte der Wind heute jedoch nicht – was so auch gut war, da ich überwiegend Gegenwind hatte. Ein starker Wind hätte zwar sicherlich das sonnige Wetter, dass man draußen über dem Pazifik erahnen konnte, an Land getrieben, das sanfte Lüftchen nervte jedoch beim Treten auch schon gehörig, schaffte es jedoch selbstverständlich nicht, den grauen Wolkenmassen einen Tritt in den Arsch zu geben. Zumindest durchbrach gegen Nachmittag hin ab und zu etwas Sonne den ansonsten dichten Wolkenteppich, aber insgesamt war der heutige Tag schon der schlechteste der bisherigen Tour. Aber immerhin: rund eine Stunde Regen auf 900+ Kilometern geht gerade noch in Ordnung...

Tairua: city upon a hill und die Coromandel Range, 
eine Hügelkette, die heute stets zu meiner linken lag.

Die Strecke selbst war wieder angenehm schön und angenehm unbefahren – ein Genuss nach den letzten

 Tagen. Zwar gurken auch auf der Coromandel Peninsula mehr Vierrädler herum als noch am East Cape – weniger geht auch kaum – der Verkehr war jedoch sehr erträglich und die Landschaft, wie schon geschrieben, ebenfalls. Vielleicht kommt das alles nicht ganz ans East Cape heran, aber vielleicht liegt der Eindruck auch

Strand von Hahei am Abend, Ziel erreicht.

 nur an der Tatsache, dass die Sonne verdammt wenig schien.

Morgen früh werde ich wieder früh aus dem Bett hüpfen und vom Hostel aus zur Cathedral Cove wandern, einen „must see“, wenn man meinem Autoatlas und diversen Reiseführern glauben darf. Wenn es regnet, wird es aber nichts mit dem „must see“, aber das will I see. Hoffentlich wird es auch nicht wieder ein All Cloudy ™ Tag, den dann sehe ich All Black ™. Lieber All Sunshine ™...