Stage 11
Rotorua - Tauranga
 81,87 Kilometer;  3:40:13 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

War Rotorua schon groß, scheint Tauranga gleich eine Megametropole zu sein: Kilometer nach Kilometer radelte man durch Siedlungen und 08/15 Einkaufszentren, Lastwagen drängten sich vom Haufen aus durch die Stadt gen Auckland und die Vorfreude auf die relative Isolation auf der Coromandel Peninsula – an das East Cape wird es wohl kaum heranlangen – steigt zwangsweise überproportional an.

Theoretisch hätte ich auch an einem Tag von Whakatane entlang der Küstenstraße nach Tauranga fahren können – konnte aber vorher kaum wissen, dass der Abstecher nach Rotorua weniger als von mir antizipiert zu bieten hatte. Zumindest vom Sattel aus betrachtet.

Drum war es aber um so schöner, heute wieder die Küste zu erreichen. Selbstverständlich schien dort auch nach einer vollkommen wolkenverhangenen Etappe wieder richtig die Sonne, ich machte es mir zum Mittagessen am Strand bei Mt. Maunganui gemütlich, briet etwas in der Sonne und teilte einige Brotkrümel mit dem hungrigen Vogelvolk. Einfach herrlich...

Seltsamerweise war ich auch platt – an der kurzen Etappe sollte es kaum gelegen haben – aber die Akkus

Ein Scenic Reserve unterwegs, aber insgesamt eine Strecke mit wenigen Highlights...

 schienen einfach über Nacht nicht richtig aufgeladen worden zu sein. Zu viel Stadt? Wer weiß...

In selbiger Stadt (Rotorua) war ich nämlich gestern Abend noch mit einem Holländer unterwegs, den ich auch schon im Hostel von Whakatane getroffen hatte. Da wir beide etwas Tennisfans sind – er etwas extremer als ich bzw. so, wie ich es zur grandiosen Zeit von Jim Courier, Andre, Pete, Chang, Boris und Michael war –

 bekamen wir uns darüber in die Haare, gegen wen Goran sein Wimbledonfinale gewonnen hatte – ein Sieg, der mir heute noch kalte Schauer über den Rücken hinunterlaufen lässt. Gorans Triumph war der ultimative Beweis, dass es im Sport so etwas wie Gerechtigkeit gibt. Am Ende seiner Karriere, lange verletzt, in der Weltrangliste soweit abgerutscht, dass er in Wimbledon auf eine Wildcard angewiesen war, war es am Ende Goran, der endlich sein erstes und einziges Grand Slam Turnier gewann. Das Finale war auch der absolute Hit. Ausgetragen am Montag, da der traditionelle Finalsonntag total verregnet war, waren alle Eintrittkarten vom Sonntag verfallen. Montag war das Stadion dann fast ausnahmslos mit frenetisch anfeuernden Jugendlichen besetzt, die das Stadion in eine Art Fußballstadion verwandelten. Goran gewann das Turnier, ich jubelte vor dem Fernseher mit und prägte mir fälschlicherweise ein, dass Goran im Finale gegen Andre gewonnen hatte (das war das Halbfinale gewesen, wie ich  jetzt weiß). „Nein, Rafter“, meinte der Holländer. Wetten? Wetten! Und los zogen wir in ein Internetcafé, teilten den einen Dollar für unser kurzes Research Projekt und fanden heraus, dass ich so eben 10 Dollar verloren hatte. Gnädigerweise wurde mir zwar etwas von meiner Schuld erlassen, aber ein Bier (6,30 Dollar) spendierte ich dem siegreichen Holländer trotzdem. Zusammen mit meinem White Russian (unverschämte 9 Dollar) kamen somit ungeplante Sonderausgaben von 15 Dollar zu Stande – dabei war ich mir so sicher gewesen, dass Goran gegen Andre den Pott geholt hatte!

Der Holländer, dessen Namen ich niemals wusste und deswegen auch gar nicht erst vergessen konnte, hatte vor seiner Reise seinen Job gekündigt (das hört man mittlerweile häufiger; er war Fondsmanager bei einem Pensionsfond) und war nun seit Januar unterwegs – erst 14 Tage Tennis in Melbourne (nur 600 Euro für alle Day- und Night-Sessions der Australien Open, Karten in der vierten Reihe am Central Court) und dann Neuseeland. Als nächstes kommt Fidschi, dann Kaliforniern und British Columbia, ein vierwöchiger Sprachkurs in Guatemala, dann mehrere Monate Südamerika. So lässt es sich leben...

Das einzig schöne der letzten beiden Etappen – zumindest vom Sattel aus betrachtet – waren die kleinen, feinen Scenic Reserves, die ab und zu die Farmlandschaft unterbrachen (meistens fort, wo es für sinnvolles

Früh am Nachmittag, endlich wieder am Meer.

 Landwirtschaften zu hügelig war und das monetär-rationale Abwägen ein bisschen Natur retten konnte). Fast urwaldartige Waldlandschaften, von Palmen durchzogen, faszinierend! Insgesamt aber zu wenig davon um die endlosen Kilometer der eher langweiligen Segmente auszugleichen – vor allem von der Strecke Whakatane – Rotorua entlang der Vulkanseen hatte ich wesentlich mehr erwartet. Nur weil es auf einer Karte gut ausschaut, muss es noch längst nicht schön sein, soll mir die Lehre sein. Nun ja, mal schauen, was die Coromandel Peninsula mit sich bringt. Ich freue mich drauf und bin auch schon froh, wieder an der Küste angelangt zu sein.

Habe Pizza Hut heute übrigens widerstanden und einen Tütensalat, einen Schokomuffin, 2 Schokoyoghurts und ein paar Scheiben Marmeladentoast dagegen eingetauscht. Vielleicht lag meine Trägheit ja auch an zwei Tagen fetter Pizza in Serie. Vielleicht aber auch an der Scheißluft im Dorm von Rotorua, wo eine am Fenster pennende (fette) Deutsche etwas angepisst reagierte, als alle anderen vorschlugen, dass man das Fenster ja zumindest ein bisschen öffnen konnte. Kurz geschah dies dann auch, dann stank es wieder...