Stage 10
Whakatane - Rotorua
 89,51 Kilometer;   3:57:05 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Es gibt Verhaltensmuster, für die man sich selber hasst. Andererseits sind es allerdings auch Verhaltensmuster, die einem von der sich globalisierenden Welt geradezu aufgezwungen werden. Rotorua ist genauso wie Gisborne, Napier oder ein kleineres Wellington, weshalb ich auch schon wieder bei Pizza Hut sitze und mich 

Mt. Edgecumbe nahe Whakatane am Dampfen...

am Buffet ergötze. Nach Pizza Hut gestern Abend ist das zwar schon beinahe bedenklich oft, schmeckt aber immer noch. 13 Stücke wie in Gisborne werden es aber wohl nicht werden. Selbst kochen kann ich auch noch an jedem der verbleibenden Resttage, wenn ich endlich wieder aus den größeren Städten hinaus bin. Rotorua mit 52.000 Einwohnern kommt mir schon wieder wie eine richtige Metropole vor. In der Stadt war tierisch viel Verkehr, es gab einen (niedlichen) Flughafen, auf dem Rollfeld Flieger von Quantas und Air New Zealand, aus den Lautsprechern Pizza Huts dröhnt verdummende Popmusik und das Personal verrichtet total gelangweilt seinen Dienst. Vor ein paar Jahren hätte ich auch noch gesagt, dass es in einer Stadt (fast) immer besser als im Nichts ist, aber mit der betörenden Ruhe des East Capes kann Rotorua nicht einmal ansatzweise mithalten. Da verzichte auch gerne auf Pizza Hut und die Vielfalt im Supermarkt (bzw. sogar die Vielfalt an Supermärkten). Sowieso, ist „mehr“ immer „mehr“ oder bilden wir uns dies als Mitglieder einer materialistisch-kapitalistischen Gesellschaft nur nicht ein? Ich glaube, ich werde älter...

...und weiser?

Richtiggehend abschreckend war auch, dass ich heute zum ersten Mal auf meiner Tour eine Meute asiatischer Touristen sah, die sich am Lake Rotorua gegenseitig fotografierten, so als wäre der See das absolute Highlight aller Naturerfahrungen. Ich weiß nicht, was diese bemitleidenswerten Menschen auf ihrer Reise von Neuseeland wirklich mitbekommen, aber wahrscheinlich gehört auch ein traditionelles Maori Hagi (Abendessen) im anbei liegenden Maori Entertainment Center für 75 Dollar dazu. Mit Tanz, Gesang, Herumgekaspere. Schrecklich kaputtkommerzialisierter Touristenscheiß. Hoffentlich ist wenigstens das Essen gut...

Wesentlich authentischer (wenn das kein Hasswort ist!) war da schon mein Maoriabend in Lloyds Lodge gestern Abend. Das Hostel, von einem Maoripaar betrieben, wartet jeden Sonntag mit traditionellem Maorifutter für 30 Dollar auf, was mir allerdings zu teuer war. Wenn alle Mägen voll sind, geht es nebenan im gemütlichen Wohnzimmer weiter – für alle, nicht nur für die, die gemampft haben. Supergemütlich kann man sich auf Matratzen fletzen, die als quasi-Sofas entlang der Wände liegen und den Abend genießen. Zuerst trällert der Gastgeber mit seiner Gitarre ein paar Maorisongs, erzählt dann ein paar Volkssagen (was auf eine gewisse Art natürlich genauso touristisch wie der Maori Entertainment Center ist) und fordert dann jeden in der Runde auf, etwas von zu Hause zu erzählen und ein typisches Lied vorzusingen. Keine Ahnung, aber wahrscheinlich ist das dann nicht Teil des kommerzialisierten Programms im Entertainment Center...

Da erzählte nun zuerst ein Schreiner aus der Schweiz (nein, nicht Karl, aber ähnlich alt), wie sehr er den selbstgebackenen Zopf von seiner Mutter vermisst (prompt hatte er jedoch für alle im Hostel selber ein paar Zöpfe gebacken), ein anderer Schweizer erzählt vom Jodeln, ich erzähle von Osnabrück und dem Phänomen des VFL (gerade beim Abtippen des Tagebuchs läuft auch der Liveticker vom Auswärtsspiel bei den Amateuren vom VFL Wolfsburg im Hintergrund, noch 0:0), ein Amerikaner aus Maine berichtet von kalten Wintern und ein Touristin aus Liverpool singt zusammen mit dem Maori und allen anderen, die den Text kennen, „Hey Jude“ von den Beattles. Wir Deutschen, drei an der Zahl, beschränkten uns auf „Alle meine Entchen“. Anschließend unterhielt ich mich auch noch relativ lange zwischen Tür und Angel mit einer Deutschen iranischer Herkunft über das heikle Thema Deutschland uns Stolz. Sie hatte vor ihrer Reise Job und Wohnung (Krankenschwester, Köln) gekündigt und war jetzt seit 6 Monaten unterwegs. Viel Asien, jetzt Neuseeland und dann ein Jahr Australien, so ihr Plan. Witzig war auch, dass sie momentan mit dem Ami aus Maine reiste; eine recht enge Verzahnung der Achse des Bösen mit dem wirklich Bösen sozusagen.

Entertainment war auch die Radfahrt heute: nur 90 Kilometer, den angenehmen Ruhetag in den Beinen und schwups war ich mittags am Ziel. Wirklich wunderschön war die Strecke abgesehen von einigen tropisch bewaldeten Segmenten auch nicht – ebenfalls auch nicht furchtbar anstrengend. Am Ende hatte ich sowieso keinen Bock auf Pausen, da am Rad der Ständer abgebrochen war. Das Wetter verfolgte auch dem typischen Verlauf von Aktienindizis: der voranschreitenden Überhitzung / spätsommerlichen Übertreibung der letzten Tage folgte eine kleine Korrektur: der Himmel war zumindest zeitweise stark bewölkt und der stetige Gegenwind blies mir kühle Luft ins Gesicht. Kalt war es aber trotzdem nicht; wieder 20 Grad und mehr und somit angenehm mehr als im abscheulichen Wellington. Aber dazu ein Foto.

(1:0 für den VFL in Wolfsburg, juhu!)

Der Papst ist tot.

Niedlicher Schuppen in Rotorua... ...und "anderer" Grabschmuck auf einem Friedhof kurz vor der Stadt, "hohoho"...
...Verschnaufpause am Lake Rotorua... ...auch wenn der Radeltag recht kurz war. Was vermisse ich doch das Wetter in Wellington...