Stage 1
Mit dem Bus nach Napier 
  eine Menge Kilometer;  ein paar Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

Hoffentlich kippt David – unserer Fahrer – nicht gleich tot um. Er quasselt gerade schnaufend über das Bordmikrofon, unterbricht jeden Satz für drei prustende Atempausen und meint locker „sit back, relax, enjoy the ride. The law has changed, so be advised that you are not allowed to drink or enjoy unsubscribed drugs”. Man kann nur hoffen, dass er seine richtigen prescribtion drugs dabei hat. I sit back, I relax, I enjoy the ride...endlich Ostern!

Ostersamstag, abends in Napier: Einmal werde ich noch wach, dann ist wieder Radeltag: hier ist sie also, die Expedition ins “asolziale Land” (so ein ziemlich asozialer Deutscher, den ich in Murchison auf der Südinsel traf, http://www.hockeyarenas.com/cycling/neuseeland2suedinsel/stage5.htm) oder auch den Teil Neuseelands, der einem Radler aus Großbritannien, den ich heute früh am Busterminal in Wellington traf, vom ganzen Land am allerbesten gefiel. 5 Wochen Südinsel eingeschlossen. Ich freue mich schon diebisch darauf und bin auch froh, ein wenig Abstand von meiner neuen Uni, der Victoria University of Wellington, zu bekommen. Einen Master innerhalb eines Kalenderjahres bekommt man nicht geschenkt (womit nicht die Studiengebühren gemeint sind; hierbei profitieren Deutsche und Franzosen jedoch von einem Partnerschaftsabkommen zwischen

Rad verladen, Bus abfahrbereit: Auf geht's!

 Neuseeland und eben diesen beiden Ländern, da „wir“ nur „domestic fees“ im für Postgraduiertenstudien bezahlen), soviel lernte ich in den ersten fünf bis sechs Wochen des Studiums.

Ab morgen soll aber nicht mehr der leidende Kopf qualmen, sondern der Reifen. Unvorteilhaft dafür wäre eine ständige Befeuchtung eben jenes Reifens – aber gleich für die erste Etappe ist ein regnerischer Tag mit Gewittergefahr prognostiziert. Am Besten sollte man komplett auf die Wetterberichte pfeifen. Morgen wird nach Waiora gefahren, ganz egal was (von oben) kommt. Wen ich am Vortag schon weiß, dass es tendenziell mies wird, was ist dann gewonnen? Gute Stimmung am Vorabend bestimmt nicht. Die optimale Einstellung wäre demnach eine grundsätzlich pessimistische Grundannahme ohne jegliche Verifikationsoption am Vortag. Wird es dann nass, dann sind die Erwartungen erfüllt worden, ist es trocken, ist man froh. Und scheint die Sonne, ist man im Himmel...

Napier, angeblich neben Miami (ob man in Miami davon weiß?) die schönste Art-Deco-Stadt der Welt (muss schon beim Abtippen des Tagebuchs wieder grinsen), ist meiner Meinung nach nichts Besonderes. In Miami hingegen war ich noch nicht. Viele Häuser im Zentrum sind halt ein bisschen verziert worden, als man nach einem verheerenden Erdbeben die ganze Stadt wieder neu aufbauen musste, aber wirklich begeistern kann wenig davon. Der Ruf zieht aber gut: es ist zwar gerade (ein Ostersonntag ohne traditionelle Ostereier-Suche! Mist!), aber alle Hostels und Motels sind zum Bersten gefüllt. Mein frühzeitiges Reservieren war Gold wert. Draußen zu schlafen könnte etwas riskant sein, erst Recht ohne Zelt.

Zwei große Unterschiede gibt es dieses Mal zu meinen ersten beiden Touren in Neuseeland: a) absolut keine Chance, Karl zu treffen (dessen Urlaub auf der Südinsel in diesen Tagen zu Ende gehen müsste; bleibt die spannende Frage, ob er seinem Versprechen nachkommt und sich daheim mal mit dem fremden Wesen des E-Mailens auseinandersetzt) und b) ein absolutes Novum: kein Ziel. Ich werde einfach die Küste hochfahren und etwas dem Motto „der Weg ist das Ziel“ nach maximal zwei Wochen in die Pedale treten. Vielleicht komme ich bis nach Auckland, vielleicht fahre ich auch nach dem East Cape nach Taupo weiter. Wer wei0. Momentan ist es mir auch vollkommen gleich. Kein Wellington mehr, keine Essays für die Uni mehr, tagelang keine Ampeln mehr, Natur, keine großen Städte. Auf Los geht’s los! 

Aber bevor es losgeht noch etwas zur höchst stimmungsvollen Ankunft in Napier nach meiner kurzweiligen, fünfstündigen Busfahrt, die David ohne spürbare Herzinfarkte überstand: 26 Grad, Sonnenschein, Wetter, wie ich es in Wellington seit eineinhalb Wochen nicht mehr gesehen habe, kombiniert mit Temperaturen, die man im stets windigen Wellington erst gar nicht fühlen kann. Aber ich bin nicht nach Fiji gefahren oder geflogen, kenne den morgigen Wetterbericht und sollte besser auf dem Boden bleiben. Am Nachmittag zog der Himmel auch  gut zu, aber der Ankunftseffekt war trotzdem stimmungsvoll.

Erstes Buchreview: zum ersten Mal seit Jahren habe ich heute an einem Tag ein Buch verschlungen, Busfahrt und Gammelnachmittag am Strand sei Dank. Aber: Buch ist nicht gleich Buch. Während Stephen Kings 1200-Seiten „The last stand“ Lesematerial vom Abflug in Deutschland bis kurz vor meiner Abfahrt nach Napier bedeutete, ist „The curious incident of the dog in the night-time“ von Mark Haddon doch ein anderes Kaluber. Unheimlich witzig ist es aber auf jeden Fall, vor allem, da der ermordete Köter, dessen Mord vom geistig behinderten Protagonisten Christopher aufgeklärt wird, Wellington heißt...

Nur ein Zitat von Christopher zur Welt, Thema Evolution und ob es einen Gott gibt:

„And, for example, some people say how can an eye happen by accident? Because an eye has to evolve from something else very like an eye and it doesn’t just happen because of a genetic mistake, and what is the use of half an eye? But half an eye is very useful because half an eye means that 

Noch etwas Entspannung vor der ersten Etappe: mit dem Buch des Tages am Strand von Napier...

an animal can see half of an animal that wants to eat it and get out of the way, and it will eat the animal that only has a third of an eye or 49% of an eye instead because it hasn’t got out of the way quick enough, and the animal that is eaten won’t have babies because it is dead. And people who believe in God think God has put human beings on earth because they think human beings are the best animal, but human beings are just an animal and they will evolve into another animal, and that animal will be cleverer and it will put human beings into a zoo, like we put chimpanzees and gorillas into a zoo. Or human beings will all catch a disease and die out or they will make too much pollution and kill themselves, and then there will only be insects in the world and they will be the best animal.”