Stage 6
Murchison - St. Arnaud
 60,61 Kilometer; 2:58:56 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

„Ich habe gerade ein Bier gehabt“ – von wem könnte dieses Zitat wohl stammen?
Schon erraten? Genau, Karl is back!

Theoretisch war davon auszugehen, dass bei der relativ geringen Anzahl an Hostels im Nordteil der Südinsel ein Zusammentreffen mit dem langsamer reisenden Karl („ich mache mir eine lazy-time“) gar nicht einmal so unwahrscheinlich war, aber als ich Karl heute postkartenschreibend im Hostel von St. Arnaud entdeckte, war es schon eine große Überraschung. Natürlich hatte er auch wieder eine Dose Bier dabei und zog am Nachmittag noch durch die (zwei) Pubs/Restaurants der „Stadt“, wozu er ebenfalls einen „willigen“ Holländer fand, der mit ihm fröhlich die Gläser stemmte.

Die Radelei war heute allerdings (Karl meint gerade: „today you can write that you met the bloody Swiss bastard again“) einfach nur zum Abreihern: 7:30 wachte ich auf und es nieselte – 9:20 fuhr ich entnervt los und es regnete. Dreieinhalb Stunden später kam ich am Ende der lediglich 60 Kilometer langen Etappe an und, genau, es regnete immer noch, nachdem es zwischendurch auch heftig gegossen hat und mir kurz vor St. Arnaud die Wolken quasi über dem Helmansatz hingen. Und mich bepissten. Bekackt, würde Lebowski

Ein Buch, Retter mieser Tage ("The Stand" von King, als Kind schon mal gelesen ("Das letzte Gefecht"), jetzt auf Englisch in der Uncut-Version nachlesen, ob die 1200 Seiten wirklich so gut sind, wie ich sie mit 12-13 empfand)...

 sagen...

„Wo nichts reingeht, kommt auch nichts raus“ – von außen blieb ich selbst zwar trocken, schwitze mir dafür aber dermaßen einen Wolf, dass ich trotzdem klitschnass war. Jede noch so kurze Pause wurde zur fröstelnden Unterbrechung einer schrecklichen Etappe, radelte ich dann wieder los, fror ich dermaßen im Fahrtwind, dass es wieder Minuten dauerte, bis ich wieder einigermaßen warm wurde. Spaß? Nein, Spaß war heute gar nichts (bis zur Ankunft), da mochte die Etappe noch so kurz sein.

Auch meine Pläne wurden einmal wieder kräftig durcheinander gewirbelt, was aber mittlerweile schon fast

Karl is back!

zum Standardprogramm gehört. Warum plane ich eigentlich noch irgendwas, wenn ich sowieso immer alles anders mache? Karl berichtete mir von einem relativ einfach zu erklimmenden Gipfel auf 1700-1800 Metern, den man in 5-6 Stunden (round-trip) von St. Arnaud aus besteigen könnte. Belohnt würden die Mühen mit einer traumhaften Aussicht, ein Eindruck, den der Holländer nur unterstreichen konnte. Genauso vom Wind geplagt wie ich war auch eine „professionelle Fruit-Pickerin“ aus Frankreich im Hostel eingekehrt, die heute einen dreitägigen Trek beendet hatte und total durchnässt ankam – Schlafsack und sämtliche Klamotten im nicht wasserdichten Rucksack inklusive. Und auch sie meinte, dass der Gipfel die Mühen wert sei. Bei gutem Wetter. Auch in Europa hat sie die letzten zwei Jahre nur als Erntegehilfin gearbeitet, mal hier, mal da, so dass sie hier eine der erfahrensten Fruit-Pickerinnern sein dürfte. Ab Montag geht es in Motueka wieder los – mit bis zu 150 Dolalr Verdienst pro Tag, wenn sie richtig ranklotzt.

Auch überrascht hat mich heute wieder die Vorurteilsmaschinerie; ausnahmsweise nicht an die Asiaten

Noch vom morgen: Murchison um halb zehn.
Da macht das Losfahren Spaß!

 sondern unsere Freunde aus Israel gerichtet, gegen die ich überhaupt nichts habe. Ganz im Gegenteil eigentlich, aber damit scheine ich wohl die Ausnahme zu sein. Reden dann aber zwei Menschen, ein Neuseeländer und ein Engländer, in der Hostelküche offen über ihre Erfahrungen mit Israelis und das Putzverhalten in Hostelküchen, erscheint der Vergleich „like animals“ doch etwas krass und unangebracht. Würde man als Deutscher so etwas von sich geben, wäre man natürlich sofort wieder ein Nazi (vielleicht zu Recht, denn solch pauschale Aussagen haben schon etwas von Rassenkunde), aber das ist wieder ein anderes Thema.

Ach ja, noch etwas zur ursprünglichen Streckenplanung, die am Anfang des Eintrages unerwähnt blieb. Eigentlich wollte ich das Dreiseendreieck Pazifischer Ozean – Tasman Sea  und Tasman Bay morgen in Nelson komplettieren und von dort aus entlang der Küste nach Picton reisen; erst morgen 85, dann 120 Kilometer. Jetzt werde ich mir aber zugunsten des Berges, das Wetter soll morgen wieder richtig gut sein, das Tasman Bay an die Backe schmieren und übermorgen direkt nach Blenheim bzw. Picton radeln. Vom Radfahren her gesehen sicherlich die weniger attraktive Variante, aber dafür habe ich noch einen Tag für einen Berg freigeboxt. Sollte es morgen doch regnen, fahre ich nach Nelson...

Ach ja II: Glückwunsch an die NHL und NHLPA: ich schaue in Neuseeland zwar nicht oft Nachrichten, aber wenn eine Profiliga sich so zum Affen macht wie es die NHL seit heute (Saison abgeblasen) schaffte, berichten darüber sogar die Kiwis. Ich bin mir auch sicher, dass so manche deutsche Zeitung, die sonst nie über die NHL berichtet (außer es gibt riesige Schlägereien oder schwere Verletzungen oder tote Zuschauer durch Pucks), morgen einen Artikel bringen wird. In den Nachrichten meinte ein Kommentator, „he NHL as we know it is dead“ und wird damit wohl Recht behalten. Ich weiß nicht, in was für einer Form die Liga im Herbst (vielleicht) wieder auflaufen wird, aber es wird eine andere Liga sein als jene, die wir bis zum Cupsieg der Lighting im letzten Jahr kannten. Distanzierte Fans, leere Stadien überall und erst Recht in den weniger traditionellen „Märkten“, stille Abschiedsnahmen von Altstars wie Dave Andreychuck und so weiter. Wenn Dickköpfe auf Seiten der Millionäre (Spieler) sich nicht mit Milliardären (Besitzer) einigen können, muss man vom Normalfan, der 5x8 Stunden die Woche arbeitet und im Schnitt viel zu viel Geld für Tickets bezahlt Verständnis erwarten. RIP NHL!

...endlich wieder gutes Wetter am Abend! Der Nelson Lakes National Park bei St. Arnaud.