Stage 4
Reefton - Punakaiki
  124,99 Kilometer;  4:59:21 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Wie schon häufig auf dieser Tour änderte ich auch heute meine Pläne unterwegs: nichts mit einer kurzen Etappe nach Greymouth und dann easy-going im Küstenstädtchen, sondern nach einer kurzen Pause sofort 

Reefton, erste Stadt der südlichen Hemisphäre mit Straßenbeleuchtung. Respekt. Aber nun?

weiter die Küstenstraße hoch, die recht vollmundig vom Reiseführer mit dem Big Sur in Kaliforniern verglichen wird. Nichts das es hässlich gewesen wäre – auf gar keinen Fall – aber der Vergleich mit dem Big Sur wäre ungefähr so, als würde man den Heidepark Soltau auf eine Stufe mit Disneyland Florida hieven – allerdings kann man auch im Heidepark Spaß haben...

Spaß hatte ich auch bis nach Greymouth: 2 Hügel, 190 Meter Höhenverlust und kaum Wind. Resultat? Ankunft nach 2:57 Stunden Fahrtzeit und etwa dreieinhalb Stunden Reisezeit. Durchschnittsgeschwindigkeit dabei knapp über 26 km/h auf jenen 78 Kilometern. Allerdings: sollte ich echt schon um zwölf Uhr den Tag abhaken und morgen 107 Kilometer nach Westport bei prognostiziertem Regenwetter fahren? Dumm?

Eben nicht, weshalb ich mich nach einer etwas ausgiebigen Subway+Fotobatterin-im-Fotogeschäft-aufladen-Pause auf den Weg nach Punakaiki machte, wo das nächste BBH Backpacker Hostel auf meine Wenigkeit warten würde.

So fit ich mich auch nach 80 Kilometern fühlte, so kaputt war ich am Ende, als es die letzten Kilometer zu verdrücken und den 25er Schnitt ins zunehmend hügelige Zielgebiet zu retten galt. Am Ende glückte die Herausforderung, die man durchaus als vom falschen Ehrgeiz getrieben betrachten kann, ich fand ein nettes Hostel direkt am Strand und machte mich sogar noch auf den Weg zu den berühmten Pancake-Steinformationen, die dem Dorf so etwas wie eine touristische Existenzberechtigung geben. Außer einer touristischen Existenzberechtigung gibt es

Ein Vorgarten, ein etwas anderer Vorgarten...

übrigens gar keine.

Jetzt warte ich eigentlich nur noch entspannt auf meine Tiefkühlpizza (alle Pubs servieren für 11,50 Dollar Tiefkühlpizzen, was zwar nicht gerade gut ist (vom Prinzip sowie vom Geschmack), dafür aber die Hälfte von dem kostet, was man für ein mäßiges Essen berappen muss) und möchte mich dann nur noch in die Horizontale begeben.

Zum Glück wurde es heute auch endlich wieder etwas spektakulärer, zumindest ab dem Zeitpunkt, als ich Möchtegern-Big-Sur erreichte. Das langweilige Harzstyleradeln war endlich vorbei, es gab wieder komische Bäume (da spricht das Fachwissen!), Palmen, Millionen zirpender Grillen, steile Berge, die fast senkrecht vom schmalen Küstenstreifen emporschossen und für das regnerische Wetter an der Westküste sorgen und natürlich die wild gegen die Steinküste tobende See. Radfahren macht wieder richtig Spaß (auch, weil es trocken war...), die Kamera war im Dauereinsatz und ich hätte wohl auch noch 150 oder 170 Kilometer weggetreten, auch wenn mich jetzt langsam die Erschöpfung eines Tages, der um 6:45 mit dem Klingeln des Weckers begann, einholt.

Letzte Nacht vergessen: zwei frisch gewaschene Unterhosen hängen im Schrank meines Hostels in Reefton. Jeden Tag irgendetwas, super! Vielleicht werde ich auch bloß deshalb so flott, weil mein Rad immer leichter wird...

...zwischen den beiden Autos durch und dann bist Du da." "Welche zwei Autos?" "Wirst Du schon sehen... ...auch Wolken sind nicht immer Frühaufsteher...
Rad macht Pause... ...Küste ludt auch dazu ein.
A Blowhole, gell? Peinlicherweise habe ich von Flora und Fauna wenig Ahnung und kann deswegen auch nicht schreiben, wie diese komischen Bäume heißen. Nennen wir sie einfach "komische Bäume"...
Links oben: strange trees. Rechts daneben: die "what do you see-Tafel" zum Bild links. Ehrliche Antwort? Wenig davon...
Die Pancake Rocks von Punakaiki...