Stage 8
Whangamomana - Ohinepake 
  72,81 Kilometer;  4:24:05 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Bekackt...

Bekackt I: ich schreibe nicht in Taumarunui sonder Ohinepake, was es auf der Karte gar nicht erst gibt. 

Schrottentsorgung Neuseeland-Style

 Eigentlich ist es auch nur ein Campingplatz mitten im Nichts... Warum nicht Taumarunui? Hügel, fünfzehn 

Ein stolzer Camper: man kann zwar leider auf dem Foto nicht erkennen, für wie viele Trips er seine Medallien bekommen hat, aber so rannten relativ viele der Alten herum...

anstrengende Kilometer ohne Asphalt, immer noch anhaltende Erschöpfung vom Mount Taranaki, gestern ein ganzer Tag ohne Supermarkt und somit ohne richtige Nahrung: Karl schien noch recht fit, Sabine hatte einiges an Geschwindigkeit eingebüßt und auch ich hatte nicht wirklich einen Tag, an dem viel zu gehen schien. Oder zu rollen.

Bekackt II: Soll man Fotos von sich selbst mit Zeitauslöser machen, wenn die Kamera dabei wenig sicher auf einem Straßenpfosten ruht? Betrachtet man es als die 350-Euro-Frage des Tages, kann man diese klar mit "nein" beantworten. Pfosten wackelt, Kamera fällt, man sieht noch hilflos und entsetzt wie sie sich überschlägt, vom Boden abprallt, auf einen mindestens drei Meter hohen Steinabhang zuhoppelt, es

...Bier ist immer gut, zumindest für die Schweizer unter uns...

 boing-boing-bumm macht und man danach eine neue Kamera kaufen darf. Hoffentlich ist zumindest die Speicherkarte unversehrt geblieben, aber davon sollte eigentlich auszugehen sein.

Bekackt III: kaum finden wir gestern Abend am Ende unsere Odyssee hier auf dem Campingplatz angekommen, kackt ein Vogel auf mich herab, trifft jedoch nur meine Schulter und somit auch mein Radeltrikot, dass ich für die nächsten Etappe aber weder wachen noch sinnvoll wechseln kann. And a good shit it was...

Bekackt IV: nach einer anfangs recht lustigen Diskussion über Sinn, Erklärungen (im Allgemeinen, für alles) und die generellen Zusammenhänge der Dinge schien sich unsere Dreier"zweck"gemeinschaft gegen Nachmittag aufzulösen; mich erinnerte die vorrangig zwischen Sabine und Karl gehaltene Diskussion

Ein Traum wird war: für ein paar Minuten darf Karl wie auf einer Station arbeiten und treibt das Viehzeug wieder auf ihr Feld zurück, wo das schlauste Vieh das Zauntor aufbekommen hatte.

ein wenig an die Verhandlungen zwischen der NHL und der NHLPA im Jahre 2005: zwei Seiten bestehen stumpf und beinahe kompromisslos auf ihre Position, werfen sich immer wieder ähnliche Argumente an den Kopf und beschließen am Ende, gar nicht mehr miteinander zu reden...

Nicht-bekackt I: ...was dann aber doch nicht geschah, da der Kampf am Berg die feinen Haarrisse in der Stimmung relativ schnell wieder kittete. Eigentlich wollte ich ursprünglich genauso wie Sabine die Tour alleine fahren, aber irgendwie ist es zu dritt doch wesentlichschöner und ich hoffe, mit den beiden noch 1-2-3 nette Tage zu haben, bevor uns unsere Routen endgültig trennen werden.

Nicht-bekackt II: ...war dann auch das Campen; für mich ein Novum auf einer Radeltour. Zwar musste ein

Großteil des Tagebuches mangels Tageslicht am Vorabend erst heute, einen Tag später, geschrieben werden, der Abend war allerdings recht schön. Mein Heuschnupfen kam zwar mit der grasnahen Übernachtung

überhaupt nicht vernünftig klar, aber wenn ich gerade nicht niesen oder ausschnupfen musste, durfte ich etwas Holz fürs Lagerfeuer schlagen oder den am Campingplatz entlangfließenden Fluss als Dusche benutzen. Das Wasser hat zwar etwas gestunken, aber ein schneller Schwimmer in stinkendem Wasser ist immer noch besser als eine Nacht in total verschwitzen Radklamotten. Abends gesellte sich auch noch ein Farmangestellter aus der Umgebung zu unserem Lagerfeuer, der mit Freunden ein wenig Nachtfischen war. 70.000 Schafe werden bei ihnen von lediglich 10 Mitarbeitern "betreut", zur Zeit sei eine Scherercrew im

Nicht immer asphaltiert: der Lost World Highway.

Einsatz (Outsourcing) und reich würde man auf so einer Farm auch nicht, auch wenn sie einem stinkreichen Investmentbanker gehört, der ein Schaf kaum von einem Possum unterscheiden könnte. Aber das Geld sei nicht weiter wichtig, schließlich sei es ja auch eine Art Lifestyle auf einer Station zu arbeiten...

Gnädigerweise ließ mich Karl heute Nacht auch in seinem Zelt pennen, was mir dann zumindest noch einige

Pollen ersparte und etwas Schlaf erlaubt, Schlaf, den ich so wie er, mitten auf dem Feld schlafend, bestimmt noch schlechter gefunden hätte als im Zelt und ohne Isomatte. So richtig komfortabel lag man ohne weiche Untermatte jedoch nicht, teilte mir zumindest mein Rücken in regelmäßigen Abständen mit...

Etwas Gnade hätten die meisten Neuseeländer auch gerne vom angenehm warmen Wetter, herrscht doch zur Zeit absolutes Rekordwetter. Für mich als hitzeerfahrenen Norddeutschen waren die etwa 29 Grad im Schatten am gestrigen Tage zwar warm, aber nicht unbedingt heiß. Für die Neuseeländer jedoch, so konnte man am frühen Morgen in einer Tageszeitung im Pub lesen, war es schon verflucht warm. Die 29.x Grad stellten die zweithöchste Temperatur da, die je in New Plymouth gemessen worden war - 1975 war es schon einmal knapp über 30 Grad - worüber man selbst als Regenveteran aus Oldenburg nur grinsen kann. Natürlich war es am Tag auf dem Rad nicht gerade fröstelig kühl, da das Thermometer in der Sonne schon auf die vierzig Grad zuging, aber verglichen mit dem Brutkasten namens Türkei, durch den ich letztes Jahr ein paar Tage geradelt bin, war es bestenfalls angewärmt.

Noch ein paar Tage hin: der Mt. Ruapehu am Horizont.