Stage 3
Wanganui - Hawera
 91,02 Kilometer;  4:40:02 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Wie das Wetter, so dass Hotel: Tag drei der Tour kombinierte auf äußerst gelungene Art und Weise den typischen Neuseelandsommer 04/05 mit einer ganz üblen Absteige im Zentrum Haweras, einem Kaff mit 9000 Einwohnern und zumindest einem Pizza Hut, so dass das Abendmahl gesichert scheint.

Zwar hätte es auch ein nett klingendes Backpacker Hostel auf einer Farm gegeben, dafür hätte ich aber auch

Damals, früher, nie: Ein Bett, fünf Decken: man möchte gar nicht wissen, wann der ganze Kram das letzte Mal eine Waschmaschine von innen gesehen hat...

noch einmal sechs nasse Kilometer in die falsche Richtung radeln müssen, hätte kein Pizza Hut und wohl auch kein nach schalem Bier stinkendes Dreckszimmer im ansprechenden Knastzellenformat am Ende eines langen, dunklen Flures über der lokalen Saufstädte, wo schon um 15:30 höchst suspekte Alkis an der Theke hängen. Mit dreißig Dollar ist das Vergnügen auch noch 50% teurer als die bislang stets genialen Hostels, aber wie das Hotel, so das...

...Wetter: sanfter Nieselregen zur Abfahrt, zumeist Gegenwinde und fieser Powerniesel auf den letzten dreißig Kilometern. Gar nicht gut gefiel mir auch, dass die Temperatur nicht wie bei Regen üblich abfiel, abgesehen vom Rückgang um zwei Grad von 23 auf 21 Grad. Gut dichte Regenklamotten, Hügel, Hügel und noch mehr Hügel und Regen von oben: wo nichts reingeht, kommt auch nichts raus und man schwitzte wie eine Sau. Alternativ ohne Regenklamotten zu fahren wäre aber auch kaum besser gewesen.

Theoretisch wäre die heutige Etappe sicherlich recht ansprechend gewesen, auch wenn es an Abwechslung im überwiegend für die Bauerei und Schaferei genutzten Küstenbereich etwas mangelte. Wie faszinierend die Landschaft sein könnte, ließ sich nur dort erahnen, wo es für die Bauern zu steil war. Beeindruckende

...ein wahrer Cowboy? Kühe mit dem Fourwheeler über das Feld zu treiben, erscheint irgendwie uncool...

Mischwälder die eine Mischung aller Baumarten der Welt darzustellen schienen (vom heimisch germanischen Gehölz bis zu Palmen), Flüsse, ganz einfach mehr fürs Auge als dort, wo alles für die Landwirtschaft platt gemacht wurde. Vom Meer gab es auch heute wieder gar nichts zu sehen. Wie schon gestern hielt die Hauptstraße ständig einen nervtötenden Respektabstand zur Küste ein, auf die man bestenfalls vom gelegentlichen Hügel einen fernen Blick schweifen lassen konnte. Graublaues Wasser unter grauen Wolkenmassen kann man sich allerdings auch ganz sparen...

Wirklich angetan war ich von meiner heutigen Form. Es ist schon erstaunlich, was für Wunder zehn Stunden Schlaf vollbringen können. Gestern noch total fertig, heute bei immer noch unangenehmen Winden und mehr Höhenmetern zu keinem Zeitpunkt echt kaputt. Natürlich bin ich gestern auch 33 Kilometer weiter gefahren und war beim Chinesen, was auch berücksichtigt sein will, aber auch das Wetter hat seinen Beitrag zur besseren Form geleistet: 0 Minuten Sonnenschein rauben weniger Kraft als 30 Grad in der Sonne. Physische Kraft, psychologisch nervt das Nieselwetter unheimlich...

Spannend wird auch das Wetter morgen. Der 2500 Meter hohe Mt. Taranaki, den ich zu drei Vierteln bis nach New Plymouth umrunden  möchte, dürfte gerne sichtbar sein. Die Strecke selbst wird erneut nur durch Farmlandschaften führen und mit Respektabstand zur Küste verlaufen, was mit tiefen Wolken weniger spannend als der heutige Tag auf dem Rad werden dürfte. Kann man allerdings den thronenden Berg bestaunen und hat klasse Wetter, könnte es eine richtig schöne Etappe werden. Laut Wetterbericht sieht es jedoch eher durchwachsen aus: mieser Tagesauftakt mit Regengefahr, dann zunehmend aufklärendes Wetter. Lasse ich mich mal überraschen...

Jetzt, Pizza verspeist und Einkäufe erledigt, weiß ich gar nicht, was ich noch machen soll. Es ist spätestens 18 Uhr und auf mein Muffelzimmer habe ich keinen rechten Bock. Nette Gemeinschaftsräume wie in den bisherihen Hostels werde ich wohl kaum finden können, höchstens eine Gammeltheke mit den lokalen Trunkbolden...

...noch eine Pizza? Nein, besser nicht, aber mit "New Zealand`s Woman`s weekly" und Ähnlichem hier bei Pizza Hut kann man auch etwas Zeit töten, so circa eine Sekunde pro Seite des Blattes...

 

Zweiter Eintrag:

Wunderschön, beeindruckend: am Abend bin ich noch einmal zum Supermarkt der Stadt gelatscht, um meine Trinkwasservorräte aufzufüllen (ich verzichte doch lieber auf Leitungswasser aus den sicherlich total verrosteten Rohren meiner Bruchbude) und konnte plötzlich am etwas aufgerissenen Horizont den Mt. Taranaki erspähen. Schon vorhin im Knastzimmer hatte ich mich entschlossen, die morgige Etappe noch einmal zu verlängern (es wären sowieso 115 Kilometer gewesen, ohne Fehlerquotienten), um näher an den verfluchten Berg heranzukommen, der dann hoffentlich auch sichtbar ist. Mein Reiseführer vergleicht den Gesteinsbrocken auch mit dem Mt. Fuji in Japan, den ich leider noch nicht selbst gesehen habe. Ich bin gespannt auf morgen! Und auf das Wetter...