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Stage 12 | ![]() |
| Taihape - Palmerston North | ||
| 108,48 Kilometer; 5:30:51 Stunden | ||

Tagebuch während der
Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com
)
...Morgenstund hat Gold
im Mund: Scheißspruch aber heute wahr; man schafft viel, wenn
man um kurz nach sieben in die Pedale tritt...
Aus drei macht zwei...
Palmerston North
brachte heute das endgültige Ende unseres Dreiergespanns - jedoch anders als
von mir an diversen Stellen des Tagebuchs zuvor prognostiziert. Karl und Sabine
schieden in Frieden - wohl dank zweier
durchaus herausfordernden Etappen binnen
der vergangenen 48 Stunden, durch die wir auch den "Bahnhof" von
Palmerston North noch rechtzeitig erreichten um in den vollen Genuss einer etwa
halbstündigen Verspätung zu kommen. Zuerst zumindest - die neuseeländische
Eisenbahn, vor Jahrzehnten erfolglos privatisiert und seitdem steil im
Qualitätssturzflug - wurde ihrem exzellenten Ruf mehr als gerecht und bescherte
erst 25 und dann 45 Minuten Verspätung. Wer es schnell haben möchte, sollte in
Neuseeland eh mit dem Bus oder gleich mit dem Auto fahren - die 6-700 Kilometer
von Auckland bis nach Wellington schafft die Bimmelbahn mit kaum mehr als 50
km/h im Durchschnitt - immer noch 45 km/h mehr als ich so mancher Brücke als
sichere Passiergeschwindigkeit zutrauen würde.
Peinlicherweise gibt es in ganz Neuseeland auch nur noch drei funktionierende bzw. betriebene Bahnlinien - als Sabine vor Jahren hier war, ging es auf der Südinsel auch mit der Bahn nach Christchurch noch weiter in den Süden - damit ist im Jahr 2005 aber auch endgültig Schluss und nach dem ersten Drittel der Südinsel hat
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| ...ein etwas anderes Café: eine aufgebockte DC3 wartete mit recht mäßiger Futterversorgung auf uns..., links noch ein Foto von mir im Cocpit... |
die
Bahn fertig. Die Vorfreude auf den Börsengang unserer noch recht akzeptablen
Bundesbahn steigert die absolut erfolgreiche Privatisierung der Bahn hier
natürlich ins Unermessliche - Onkel Mehdorn würde bestimmt am
liebsten auch
nur noch irgendwann einwandfrei funktionierende ICEs zwischen den Metropolen
sausen lassen, in Ostdeutschland und Ostfriesland jeden Bahnhof schließen und
stolz verkünden, dass die Bahn profitabel geworden ist. Ein Hoch auf das
Shareholder-Value-Konzept! Und wenn 1-2 Jahrzehnte die Dividende stimmt, ist es
ja auch egal, wenn die Brücken irgendwann einstürzen!
Die Bahn kommt (verspätet) - die Sabine geht: Karl und ich werden morgen einen wohlverdienten Ruhetag einschieben, den vierten Regentag pausierend verbringen (auch am dritten Regentag heute schien bis Mittag tierisch die Sonne, danach war es nur bewölkt und trocken) und dann gemeinsam nach Wellington aufbrechen - alles andere als auf dem direkten Weg und noch einmal mir richtig-abstrampeln inklusive, bevor ich dann "nach Hause" komme (es erscheint mir immer noch irreal, so Your Humble Narrator, Wellington als "zu Hause" zu bezeichnen).
Unsere heutige Etappe verlief ganz nebenbei (irgendwie kam das radfahrerische Element im Tagebuch seit Tagen zu kurz) äußerst rund - Wecken um 5:45, 7:10 auf dem Rad und wenig Pausen bescherten uns ein on-time arrival in Palmerston North, wo wir auf dem Weg in die Stadt am quasi gar nicht ausgeschilderten
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Menschen dumm, Schafe schlau: wir radeln durch die Sonne, die Schafe wissen, wo es besser ist... |
Bahnhof ordentlich vorbeisausten und anschließend aus dem Zentrum heraus die 3-4 Kilometer bis zum Witzbahnhof wieder zurückfahren mussten. Sowieso wäre der Zustand des Bahnhofs, analog zum Schienennetz, selbst der mongolischen Staatseisenbahn peinlich. Man kombiniert den Charme einfacher Betonbauten mit unregelmäßigen Putzschichten, verstreue ein paar Hochglanzpropagandabroschüren, die in ihrer überschwänglichen Art selbst so manchem Propagandaminister der deutschen Vergangenheit als überzogen vorgekommen wären durch die Wartehalle und installiere Lautsprecher, die zwar laut sind, den Sprechakt selbst jedoch gut verschleiern und zum dumpfen Krach verkommen lassen. Tataa: Bahnhof in Neuseeland! Zumindest funktionierte der Colaautomat...
Endlich ging es
heute auch einmal mehr runter als rauf - 1300 Meter runter, 900 Höhenmeter rauf
- der Wind war uns zumindest teilweise gnädig gestimmt und außer einem
wirklich fiesen Anstieg auf dem State Highway 54, den wir dem wesentlich
stärker befahrenen (und flacheren) Highway 1 vorzogen, mit 230 Höhenmetern auf
drei Kilometern, verlief die Etappe sportlich unspektakulär. Der Etappensieg
ging heute jedoch eindeutig an Karl, der sich radfahrmäßig laut eigenen
Aussagen in der Form seines Lebens befindet. Noch - bin ich das mittlerweile
penetrant störende Zwicken an der linken Achillissehne nach dem Ruhetag wie
erhofft los, werde ich die Tour mit einem sportlichen Ausrufezeichen abklingen
lassen.
Wirklichen Respekt sollte man auch Sabines Leistung zollen - quasi das halbe Körpergewicht auf einem absolut vollgeproppten Mountainbike mit nicht gerade wenig Rollfläche auf dem Asphalt von A nach B zu hieven ist nicht ohne. Einer dieser Transportmongos aus Nepal, die bei 27.3 Kilo Körpergewicht 110 Kilo überflüssige Scheiße für die Touristen den Annapurna-Treck hochschleppen, würde die Leistung zwar nur müde lächeln lassen, normal wäre eine solche Perspektive jedoch nicht.
Richtiggehend witzig ist, dass ein Gast unseres Hostels auch schon in Stratford zu Gast war, wo wir vor einigen Tagen bei der Besteigung des Mt. Taranaki übernachtet hatten. Sie war schon damals auf dem Selbstfindungstrip, angeblich seit Jahren (nach ihrer Scheidung) am umhertingeln und stets auf der Suche nach dem Sinn / einem neuen Sinn im Leben - und scheint nun endlich fündig geworden zu sein. Vor wenigen Tagen konnte sie es sich noch vorstellen, länger in Stratford zu bleiben und Kindergärtnerin zu werden. Nun, ein paar Tage und die Ankunft einer angeblich lärmenden Gruppe Armee-Fuzzies in Stratford später, hat sie angeblich heute den erhellenden Moment gehabt, auf den sie seit Jahren wartet. Sie hätte sich vorher nie vorstellen können, lebensunterstützend mit geistig behinderten Menschen
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| ...dann kann der Ruhetag ja kommen; Karl am Abend... |
arbeiten zukönnen, aber heute, im seit Jahren herbeigesehnten Moment der mentalen Klarheit, wäre ihr alles klar geworden. Blablabla dachte ich mir, grinste nett drauflos und zog kopfschüttelnd von dannen. Ich glaube, sie kifft oder trinkt nicht einmal, was dieses stumpfsinnige Geschwafel nur noch abstruser erscheinen lässt...
Ich mag es übrigens falsch wissen, aber bei einer unserer letzten Pausen zu dritt drehte sich das heutige Geschnacke um die Objekte "Pepperoni" und "Paprika". Was ich nun gerne genau wissen würde: versteht man in der Schweiz unter Paprika das, was man in Deutschland gemeinhin als Pepperoni bezeichnet und die Pepperoni als Paprika oder verarscht der Betreiber des Tante-Emma-Ladens in Karls idyllischen und lustvollen Heimatdorf die armen Schweizer Seelen und vertauscht immer die Namensschilder an der Auslage? Also: spinnen die Schweizer oder spinnt der Schweizer? Was ist in der Schweiz Pepperoni, was Paprika? Man kläre mich auf, bitte...
OVER AND OUT