"Stage" 10
Tongario Crossing
 18 Kilometer;   7-8 Stunden 

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

"Hier ist es doch erst richtig interessant, hier, wo die Erde furzt" 
Karl in Mordor

Mordor: Das Ende unseres Dreiergespanns, zum Ausklang eine faszinierende Wanderung auf "one of the finest one-day-walks in the world (Lonely Planet)"? 

Alles nicht so richtig, aber zumindest war es trocken. Ursprünglich wollte Sabine ab morgen früh gen Palmerston North rauschen, ich wollte in Richtung Lake Taupo aufbrechen und was Karl wollte, weiß keiner so richtig, Karl selbst eingeschlossen. Eine kleine Session Kartenkunde am Abend überzeugt mich jedoch

Beim Aufstieg gerade noch zu erkennen: der vor einigen Tagen erklommene Mt. Taranaki an der Westküste.

 schnell davon, dass man nur schwer zwei Tage einer zweiwöchigen Tour außerplanmäßig wandern kann, ohne jegliche Kilometer auf der Straße zu verlieren. Lake Taupo plus eine Rückfahrt über die Küste bei Napier würden 600 oder sogar mehr Kilometer an 6-7 Tagen bedeuten - wäre Neuseeland flacher und der Wetterbericht weniger apokalyptisch, könnte man dieses Unterfangen sicherlich ernsthaft überdenken. Mit vier prognostizierten Pisstagen in Serie (auch wenn der erste überraschend trocken und sonnig war, ganz anders als Bergweltwetterexperte Karl gestern in Anbetracht einiger föntypischer Wolkenformationen prognostizierte (übrigens läuft hier gerade Rammstein am Radio...)) sollte man sich das besser sparen. Ganz abgesehen davon, dass unsere Radelgemeinschaft mir prima gefällt und ich auch davon ausgehe, dass es den anderen meistens genauso geht, gelegentliche Reibereien hin oder her. Natürlich wollten wir alle einmal alleine radeln und suchten diese "Herausforderung" vielleicht sogar, aber jetzt, wo wir zu dritt herumreisen, hängt wohl doch jeder ein wenig daran.

Auch nicht ohne Grund; sitze gerade am Internet-PC (hier mal netterweise kostenlos), es klopft an die Scheibe, Karl steht grinsend davor, Mordor im abendlichen Sonnenbad dahinter, Karl grinsend mit einer Bierdose in der Hand...

Sollte das katastrophale Wetter so bleiben wie heute, dürften wir alle sehr zufrieden sein. 24 Grad, dichte Wolken eigentlich nur (dann sogar stimmungsfördernd) über den mystisch dampfenden Vulkanlandschaften des Tongario National Parks und ansonsten allerfeinste Wanderbedingungen - alles andere hätte auch jeglichen Spaß aus dem 18 km-Fußmarsch über das weltberühmte Tongario Crossing genommen. Aber ganz ehrlich: nach der Besteigung des Mt. Taranaki lässt einen Tongario beinahe nur noch müde gähnen (Sabine: "da würde ich auch in Sandalen hochlatschen"). Hässlich und uninteressant war der Marsch auf gar keinen Fall, hatte aber dank zig Touribussen und vielen amateurhaft ausgestatteten Wanderern eher Disneyland-Charakter, zumindest für das ansonsten eher ausgestorbene Neuseeland. Okay, wer mosert hier über amateurhaft ausgestattete Wanderer? Ich weiß, wir rennen auch wie die Deppen durch die Gegend, aber während es auf dem Mt. Taranaki noch cool ist, kommt man sich hier gleich "normal" vor. Zwar war es angenehm zu sehen, dass so mancher Wanderer richtig abkotzte oder auch schon mal mit gesenktem Haupt am Wegesrand saß. aber totgemacht hat sich von uns heute wahrlich niemand.

Zur Rettung der Wanderung muss man auch sagen, dass die ersten drei bis vier Stunden durch die zerklüftete Vulkanlandschaft wirklich klasse waren und zum Dauereinsatz meiner Wegwerfkameras führten - wie die Fotos besser als zig Worte bezeugen dürften. Dummerweise endete das Crossing dann jedoch mit noch einmal derselben Zeit auf langweiligen Waldwegen, die sich ewig hinzuziehen schienen und uns 1300 Meter abwärts führten - vom höchsten Punkt der Wanderung auf knapp 2000 Metern bis hinab auf 6-700 Meter). Nichts gegen Wald, Wald ist gut, Bäume sind wichtig für das Klima und immer nur Vulkanlandschaften wären auch eintönig - aber wäre die Wanderung nach den ersten zehn Kilometern vorbei gewesen, wäre es wesentlich schöner gewesen.

Auch etwas verarschend war, dass unsere Rezeptionskraft uns gestern dazu riet, schon den Shuttlebus um sieben Uhr zu nehmen, damit wir vor allen anderen unterwegs wären (Alternative acht Uhr). Wenig überraschend stiegen dann alle Tageswanderer aus unserem Hostel um sieben Uhr in den Bus, der sich dann bei einem weiteren Stop im Whakapapa Village bis auf den letzten Platz füllte. 

Nun, morgen geht es weiter, ich hoffe, der Leser bleibt heiter (und das Wetter!)...

Karl (an Sabine gewand): "Willst Du denn Dein Bierchen noch?"
Sabine: "Nein"
Karl: "Da bin ich aber froh."

Prost!

Mt. Ngauruhoe Die Emerald Lakes vom höchsten Punkt der Wanderung auf rund 1900 Metern aus betrachtet.
Fotograf Karl... ...hatte viel zu tun...
...ich auf dem einzig echten Aufstieg der Tour... ...die direkt nach der Durchwanderung dieses Hochplateaus folgte.