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Stage 1 | ![]() |
| Wellington - Otaki | ||
| 94,07 Kilometer; 4:43:48 Stunden | ||

Tagebuch während der
Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com
)
Atemberaubend und atemberaubend, anders kann man die erste Etappe meiner ersten Neuseelandtour nicht beschreiben! Die Strecke, eigentlich in keinem Reiseführer explizit hervorgehoben, bot alles, was man auf der Mammuttour nach Istanbul im vergangenen Sommer schmerzlich vermisste (abgesehen von den Tagen rings
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| Startklar am morgen...auch die Sonne schien! |
um Malko Tarnavo mitten im bulgarischen Nichts): optimal zu radelnde Straßen, traumhafte Landschaften und, sehr neuseelanduntypisch, bestes Wetter.
Zwar haben die Kiwis nicht wie die Germans überall exzellente Radwege neben ihre Landstraßen oder auch Highways gepflastert, im Gegensatz zu den Bulgaren oder Rumänen jedoch manchmal schon. Und wenn nicht, dann gibt es fast immer einen superbreiten Randstreifen, so dass die Radeltauglichkeit zumindest nach der ersten Etappe mit sehr gut bewertet werden kann. Zu Hause hört man zwar oft, dass die Neuseeländer Radfahrern gegenüber auf ihren geliebten Straßen nicht gerade kooperativ sind, hier vor Ort heisst es dann aber, dass es hier schon ganz gut wäre, man aber auf keinem Fall in Australien Rad fahren sollte, da es dort ganz ganz anders wäre. Typische Liebe unter Nachbarn, die Ostfriesen hassen die Emsländer und umgekehrt, in Osnabrück hat man als Bielefeld-Fan wenig Spaß im Leben und Kölner sowie Düsseldorfer halten sich gegenseitig für den Abschaum der Welt. Warum sollte es hier anders sein?
Sehr gut war auch die Strecke; selbst der Großstadtbereich um Wellington herum war meistens schön, da man
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Ausfahrt aus Wellington; typische Vorortszene am heutigen Tag. |
unzugängliche Hügellandschaften einfach nicht mit hässlichen Bauten zupflastern kann. Wellington ist eh eine der schöneren Großstädte, die ich bislang gesehen habe. Kaum wirkliche Hochhäuser, abseits vom übersichtlichen Stadtkern fast nur noch Einfamilienhäuser, die sanft über die Hügel verstreut liegen und überall wirkt alles sauber und abgeschleckt! Etwas bedenklich schien nur Cannons Creek bei Porirura, etwa zwanzig Kilometer nördlich von Wellington: hässliche Bruchbuden, Mobile Homes, überall der Schriftzug "Teros" hingesprüht (lokale Gang???) und fiese Gestalten, die mich von einem Basketballcour t aus mäßig intelligent angafften. Einer der Asis hat mir wahrscheinlich auch den Nagel unter den Vorderreifen geschmissen, den ich wenig später kaum erfreut entdeckte. Irgendwie hatte er sich durch den Mantel und neben den zum Glück nicht bestens aufgepumpten Schlauch gebohrt, offensichtlich jedoch ohne diesen umgehend zu zerstören. Mit dem Rad in der Gegend liegen zu bleiben, hätte ein frühes Ende meines Neuseelandaufenthalts bedeuten können...
Verwundert
und höchst vorsichtig zog ich den Nagel aus dem Reifen, prüfte den Druck und
erfreute mich des Wunders, wunderte mich dann aber doch nicht wirklich, als eine
halbe Stunde später spürbar weniger Druck auf dem Reifen war.
Glücklicherweise hatte ich das Ghetto bis dahin verlassen und schaffte es vom
Zeitpunkt der Nagelziehung noch fünfzehn Kilometer weit bis zu einer Tankstelle
bei Mana, wo ich dann in typisch ungeschickter Art und Weise den Schlauch
flickte (jawohl: habe zwar berechtigterweise den Ruf als notorischer Austauscher
und Wegwerfer zu agieren, andererseits wäre es auch einfach so gekommen, wenn
mein einziger Ersatzschlauch nicht ein Fahrradventil gehabt hätte und meine
Luftpumpe kaputt gewesen wäre). Wer sich noch an Fotos von der Barcelonaradtour
erinnert wird wissen, dass ich zwei megalinke Hände habe und Frank mit meinen
Problemchen beim Schlauchwechsel irgendwo in Frankreich tierisch auf die Palme
brachte. Ob ich dieses Mal schneller war, weiß ich nicht, aber als
Fahrradmechaniker dürfte ich nur 1-2 Räder pro Tag annehmen. Arbeitszeit für
das Flicken des Schlauches: eine Stunde. Nebenkosten: blutiger Finger, total
verdreckte Klamotten..., manchmal ist es gut, alleine eine Tour zu machen...

Natur: muss man wirklich nicht viel zu sagen - oder schreiben - denn die Bilder sagen mehr als tausend Worte (jaja, Floskeln kloppen...). Vor allem die vor der Küste schlummernde, unbewohnte Kapiti Island mit tropischen Pflanzen im Vordergrund ließ starke Erinnerungen an Far Cry wach werden, das sonnige Wetter trug natürlich seinen Teil dazu bei...
Hoffentlich wird
es auch in den nächsten Tagen schöne Fotos geben, dem Wetterbericht nach ist
nicht unbedingt davon auszugehen, denn die nächsten zwei bis drei Tage sollen
kühler, regnerischer und
folglicherweise auch bewölkter sein. Alles andere wäre auch unnormal, wenn man
den Aussagen der Einheimischen über den bisherigen Sommerverlauf Glauben
schenkt. Vom Wetterbericht hingegen halten die Kiwis auch nicht viel; "they
only do the weather report because they have to, not because they know".
Neben dem anfangs
rings um Wellington recht anspruchsvollen Streckendesign war es heute auch der
Wind, der die Etappe extrem herausfordernd machte. Ständiger Gegenwind
reduzierte die in windfreien Momenten angenehme Reisegeschwindigkeit von 22-24
km/h
oftmals
auf 15-17 km/h, was vom Schwierigkeitsgrad einer vierprozentigen Steigung wenig
nachstand. Gegen Nachmittag flachte der Wind jedoch endlich ab und wenn das
Wetter schlechter wird, dürfte im Allgemeinen auch der Wind angenehmer werden.
Das klingt zwar nicht logisch, aber Jesse vom Hostel in Wellington meinte, dass
es diesen Sommer entweder immer zu kalt war, um an den Strand zu gehen, oder an
den seltenen sonnigen Tagen dermaßen pustete, dass man auch kaum vor die Tür
ging. Jesse heißt übrigens auch der Bund der Besitzerin meines Hostels in
Otaki, aber das ist nur nebensächlich.
Etwas seltsam fand ich noch die Verpackung des Fertigsalates, den ich mir heute Abend zu einer Tiefkühlpizza reinpfiff (und trotzdem noch Hunger habe, Pizza 500g, Salat 400g, wir radeln wieder!): Slogans
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...done for the day... |
wie "tripple washed (einmal vernünftig würde mir auch reichen)" und "eat to LIVE" (weshalb sonst?) waren die Resultate des offensichtlich extrem auf "Hip" gedrillten Marketingkonzeptes. Ob man allerdings den Genuss eines Fertigsalates schon beinahe auf die Eventebene heben muss, sei an dieser Stelle angezweifelt...
Angetan bin ich prinzipiell auch von meiner bisherigen Form. Natürlich hat meine Radkondition nichts mit er 24.x km/h im Schnitt bei 130 Kilometern und mehr als 1000 Höhenmetern am ersten Tag nach Istanbul gemeinsam, damals hatte ich aber auch 1800 Kilometer Vorbereitung in den Beinen - rund 1800 Kilometer mehr als dieses Mal. Eigentlich bin ich nur gelegentlich 30-60 Minuten im Fitnessstudio gestrampelt und somit richtig unvorbereitet, wofür fast 20 auf fast 100 Kilometern bei dreiviertel Tausend Höhenmetern und einer Menge Pust-Pust von vorne schon eine ansprechende Ruheform ist...
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Weitere Impressionen der Etappe: links oben die Küste bei Mana, etwa 35 Kilometer von Wellington entfernt, rechts oben "Urlaub für alle" und links einer der typischen Bahnhöfe entlang der einzigen noch betriebenen Linie auf der Nordinsel. |