Stage 7
Camp de Mar - Esporles - Can Pastilla
112,66 Kilometer; 05:20:45 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Frank schaut gerade in der Sportschau, wie der FC Köln mit 1:3 baden ging und die laufende Saison vielleicht doch noch ein spannenderes Ende findet, als es den Anhängern der Geißböcke lieb ist. Übel baden gegangen wären wir auch, wenn wir letzte Nacht oder auch nur dreißig Minuten nach unserer Ankunft hätten radeln „dürfen“. So allerdings kamen wir sauber und trocken durch den Tag, hatten einmal mehr jede Menge Sonnenschein und wie bereits bekannt traumhaft schöne Strecken, wenngleich wir auch auf angedachte Stippvisiten in das Reich der Tramuntanas verzichteten. Bibbernd verzichteten, denn die Wolken hingen einmal wieder boshaft in den Berggipfeln fest und hielten uns vehement davon ab, heute noch den Col den Hono ins Visier zu nehmen.

Aber ganz egal. Wir haben, unabhängig von allem, was am morgigen Bonustag vielleicht passiert, das meiste von Mallorcas Zipfeln, Winkeln und Gipfeln gesehen, rund siebenhundert Kilometern und 10.000 Höhenmeter abgespult, miese Tiefkühlpizzen gemampft und eine tolle Woche im Sattel verbracht.

Wirklich passiert ist heute ausgesprochen wenig, einmal abgesehen davon, dass ich auch den zweiten Ritt auf den Puig de Randa „gewann“, da wir, wie schon am ersten Tag, den kleinen Tafelberg nahe Palma erklommen. Den ganzen Tag im Sattel sitzend sind kleine „Rennsequenzen“ immer noch eine willkommene Abwechslung und nachdem Frank vor einer Woche mehr als fünf Minuten am Anstieg verlor, wollte er heute auf jeden Fall an mir dranbleiben, schlabberte vor Beginn der Steigung sein verbliebenes Kraftgel und zuckelte forsch in den Stieg hinein.

Er schlug sich dabei durchaus respektabel und bot mir vor allem im unteren Drittel mehr als nur Paroli. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich hier vor eine Woche mit 18 km/h hochgewetzt bin“, monierte ich noch üble Grimassen ziehend, als wir gemeinsam mit 12-13 km/h zu klettern begannen und Frank meine relative „Schwäche“ nutzte, um mehrmals in „Führung“ zu gehen und das Tempo zu bestimmen. Das ewige Hin&her wurde mir jedoch spätestens zu doof als wir uns langsam aber sicher auf rund 15 km/h hochgeschaukelt hatten. Gespielt locker, aber verdammt hart kämpfend, zog ich vorbei, kletterte im Tempo der Vorwoche weiter und brach erst auf den letzten dreißig Höhenmetern richtig ein. Rund zwei Minuten vor Frank erreichte ich dieses Mal das Ziel und muss feststellen, dass die Woche ihn schneller und mich langsamer gemacht hat. Frank resümierte beim Buffet gestern Abend auch, dass er mich auf einer 3-Wochen-Tour wohl locker versägen könnte, eine Annahme, der ich nicht grundsätzlich widersprechen kann. Vielleicht liegt es an meinen „Frauentellern“ vom Buffet (Zitat Frank), aber ich bin nach einer Woche auf dem Rad auch ganz einfach etwas im Eimer.

Untergekommen sind wir heute etwas überraschend ein Haus weiter als noch vor einer Woche, als wir nebenan im Hotel Rhodes für nette 35€ nächtigten. Auch wenn die trotz des Osterwochenendes relativ leeren Promenaden keine plausible Erklärung dafür bieten, dass angeblich alle Zimmer belegt sind, war dem augenscheinlich so, so dass wir eben halt ein Haus weiter zogen und die Anzahl der Sterne von zwei auf vier verdoppelten. Leider verdoppelte sich auf diese Art und Weise auch der Übernachtungspreis, da das Zimmer nun 77€ kostet. Mit dem sicherlich noch akzeptabeln Abendbuffet in Aussicht bin ich jedoch mit dem Preis ausnahmsweise einverstanden. „Würden wir jeden Abend in solchen Hotels pennen, würde ich auf so einer Tour kein Gramm abnehmen“, meinte Frank gestern über seinem nicht gerade ersten Nachttisch sitzend, aber da es ja auch nette Anarcho-Schuppen inklusive Verpflegung aus dem nahen Erotski-Supermarkt auf dieser Tour zu erleben gab, dürfte die Waage daheim doch auch damit aufwarten, dass wir beide ein wenig Gewicht auf Mallorca zurücklassen durften. Heutiges Abendbuffet hin oder her.

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass Mallorca für Radfahrer einfach nur ein Traum ist – und vor allem ein einfach zu realisierender Traum, den man ohne allzu große Unkosten oder elendig lange Flugzeiten realisieren kann. Dazu kommt eine gerade in der Nebensaison perfekte Infrastruktur: Tausende freie Betten, Hunderte freie Straßenkilometer und meistens gutes Wetter, auch wenn es den ganzen Urlaub über zu Hause in Leer oder Köln nur Sonnenschein und tagtäglich höhere Temperaturen gab. Jedoch sollte die Anomalie des Jahres 2009 kaum darüber hinwegtäuschen, dass es sich im April in Deutschland meistens recht nasskalt radelt – und eben nicht an Mallorcas Nordküste, so wie in diesem Jahr.

Dem Urlaub mochte zwar ein wenig der nicht von der Hand zu weisende Abenteuercharakter einer Radtour nach Barcelona oder Istanbul fehlen, aber mir hat es einfach einmal wieder Spaß gemacht, nach einer nun doch schon relativ langen Pause mit Frank ein Stückchen der Erde mit dem Rad zu erkunden. Morgen steht nun nur noch ein lockeres Ausrollen in den Süden auf dem Programm. Oder, falls es regnet, halt gar nichts. Oder, falls es regnet und wir fahren, ein nasses Ausrollen im Süden. Geflogen wird erst am späten Abend und wohl einer weiteren, verdammt teuren Taxifahrt, aber irgendeine Tagesbeschäftigung wird sich schon finden…

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