„Hast
Du die gesehen? So viel Auto kann ich in meinem Leben gar nicht mehr
fahren, wie die schon an CO2-Tier in sich hineingestopft hat!“
Frank
in Anspielung auf unsere heutige Frühstücksdiskussion: Thema
„menschlicher Fleischkonsum“. Ich – heute in der Rolle des
klimaliebenden Tierfreundes den Standpunkt verteidigend, dass zu viel
Fleisch schlecht für den eigenen Körper und unser aller Umwelt ist und
Frank aus der Warte des menschlichen Fleischfressers argumentierend, dass
die Menschheit seit jeher Totes
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Abstecher
am Morgen: Ermite de Betlem. |
konsumiert
hätte und der – wenngleich auch kaum zu verallgemeinernde – Drang zur
fleischarmen / fleischlosen Kost ein Phänomen der modernen, westlichen Überzivilisation
wäre. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Studien zu Folge
zumindest amerikanische Fleischfresser pro Jahr einen im Durchschnitt um
1.5 Tonnen erhöhten CO2-Ausstoß verursachen (verfressen) als ihre
vegetarischen Landsleute –
wenngleich
der Burger- und Tierkonsum unserer transatlantischen Freunde auch um
einiges höher als in der alten Welt sein dürfte. In der Gleichung fehlt
jedoch die Berücksichtigung einer gegebenenfalls geringeren
Lebenserwartung der Fleischfutterer, so dass ich mich hier auch nicht zu
weit aus dem Fenster lehnen möchte…
„Eigentlich handeln wir ja gar nicht“,
musste sich Frank heute früh beim Bezahlen in unserer exquisiten Herberge
übrigens erneut anhören. Nun gut, dachte ich mir einmal mehr, gäbe es
genug Kunden, die euch für 142€ die Nacht Tür und Tor einrennen würden,
wäre dem in der Tat so, aber wo kein Gast weit und breit ist – beim Frühstück
war für insgesamt sechs gedeckt – sind 90€ eben halt 90€ mehr als
nichts. Und das dieser Tagebucheintrag urplötzlich von Tausenden gelesen
wird, die demnächst alle lediglich 90€ für ihre Übernachtung latzen
wollen, erscheint auch unwahrscheinlich. Und wem dem so ist und die Bude
fortan immer ausgebucht ist, gäbe es sicherlich auch Schlimmeres…
Wirklich nett war – wie erhofft – das Frühstück,
welches den vier Sternen des Etablissements alle Ehren machte. Frisch
gekochte Eier oder Rührei, diverse Käsesorten, leckre aus ehemals
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Präperationen
für den Tag und Frühstück in Artà. |
CO2-ausstoßenden
Viechern gewonnene Fleischprodukte, lecker Vollkornbrot für Pseudo-Ökofreaks:
Das „Siegerfrühstück“ unserer heutigen Herberge, so zumindest die
vollmundige Ankündigung auf der hauseigenen Webpräsenz, wird an der
vorgelegten Messlatte lange zu knabbern haben.
Knabbern werden unsere zukünftigen Herbergen
auch am Ambiente unserer heutigen Unterkunft. Allein die Tatsache, dass
unser Raum keinen Fernseher hat, eine Feststellung, die Frank bereits nach
wenigen Augenblicken machte, erfreut. Mir fiel es, bis zum freudigen
Moment seiner Feststellung, gar nicht erst auf, aber wahrscheinlich habe
ich den sofortigen Griff zur Fernbedienung nach Betreten eines fremden
Raumes auch einfach noch nicht internalisiert. Dazu gibt es eine nette
Gastgeberin, Teller und Besteck für das Abendmahl aus dem nahen
Supermarkt gibt es einfach aufs Zimmer (wie oft hörte man schon von
angepieselten Hoteliers Kram à la „no food in the room…“), eine
herrliche Dachterrasse inmitten der verwinkelten Minialtstadt von Port de
Pollenca, freilaufende Köter und Katzen, Tischtennis und ein nettes
Schachbrett: Müsste man für das Zimmer nicht 60 Euro die Nacht zahlen,
man könnte sich beinahe wieder in Neuseeland wähnen. Kurzum: Ein
Traum…
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Am
Cap des Pinar - traumhaft schöne Strecken, traumhaft gutes
Wetter... |
…ein Traum, der mir mindestens genauso lieb
wie das heutige Frühstücksgelaber in Artà ist („Ich hätte gerne
einen Tee“ – „Schwarz, grün oder Früchte?“ – „Schwarzer
Tee.“ – „Lieber einen Earl Grey oder einen kräftigeren…“). Natürlich
war man dort, den vier Sternen entsprechend, ausgesprochen nett und
umsorgte die Wünsche der wenigen Gäste nach Menschenkönnen, aber
genauso wie Frank sich eher als „Currwurst-Pommes-Typ“
charakterisiert, fühle auch ich mich hier zumindest wesentlich
„richtiger“ am Platz, auch wenn man morgen Früh wohl kaum ein
„Guten Morgen Herr Pölling-Vocke“ beim Frühstück erwarten kann, da
in Artà ein jeder Gast beim Namen begrüßt wurde. Natürlich wirkt das
Ganze auch etwas aufgesetzt und setzt dank einer Kopie meines Ausweises in
den Händen der Rezeption auch nicht gerade telepatische Fähigkeiten
voraus – aber unterm
Strich
unterstreicht es halt den persönlichen Charme eines Hotels und gefällt
mir, so viel Ehrlichkeit muss sein, auch. Vielleicht hätte ich im
Umkehrschluss auch nach den Namen des Personals fragen sollen, aber so
verhält er sich halt, der profane Tourist…
Ebenfalls ein absoluter Traum war unsere
heutige Streckenführung. Ich bin – kurz gefasst – hin und weg von der
Schönheit der Insel. Unser frühmorgendlicher Abstecher zum Ermitel de
Betlem, wo wir keinen der dort angeblich in aller Abgeschiedenheit
hausenden fünf Mönche erspähen durften, die Küste, unser Abstecher zum
Cap des Pinar unter strahlend blauem Himmel, die Steilküste bei Cala Sant
Vicenc, wo wir leider kein freies Bett fanden und daher nach Port de
Pollenca zurückkehren mussten: Alles war einfach bloß schön. Alles?
Naja, fast
alles, denn…
…es
gibt gute und schlechte Schmerzen. Gute Schmerzen beinhalten den auf
Touren zwangsläufig wunden Hintern, die folglosen Wadenkrämpfe der
ersten Nacht, die harmlose Nackenstarre vom stundenlangen
Rennradgeplackere – all jene Schmerzen einfach, die weder sonderlich
intensiv noch überraschend daherkommen. Sie gehören, wie das Salz in der
Suppe oder das 131. Nudelgramm beim Abendmahl, einfach zum Erlebnis des
Fahrradurlaubs dazu. Anders jedoch mein linkes Knie, welches heute auf der
Fahrt vom Cap de Pinar nach Alcudia tierisch zu zwicken begann. Die
Selbstdiagnose könnte in Ermangelung besserer Alternativen so etwas wie
„temporäre Verdrehung / Überdehnung / Reizung des lateralen
Bandapparats am Knie“ lauten – ich konnte kaum mehr treten, fuhr den
Tag bis Cala Sant Vicenc nur einbeinig und hoffte, dass der Schmerz ganz
einfach ebenso flugs wie er gekommen war auch wieder abklingen würde. Mit
Belastung zu treten war vollends unmöglich und fühlte sich so an, als würde
ich mir gleich das Band sauber selber durchreißen. Glücklicherweise ließ
der Schmerz auf der Rückfahrt nach Port de Pollenca zumindest etwas nach,
aber was heute Abend zu hoffen bleibt, ist, dass sich morgen alles wieder
wie gewohnt anfühlt und die Mitarbeiterin unserer letzten Herberge
Unrecht behält, unkte sie doch, dass wir den Wetterbericht für morgen
gar nicht erst wissen wollten. Mittlerweile weiß ich zwar, dass zwei Tage
Regen prognostiziert sind und es daheim in Ostfriesland sowohl wesentlich
wärmer als auch trockener zugeht, aber richtig schlechtes Wetter wäre
dem Cap dem Formentor, einem der Highlights unseres Urlaubs, einfach nur
unwürdig.
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Cala
Sant Vicenc - geplantes Übernachtungsziel ohne freie
Übernachtungsmöglichkeit. |