

Tagebuch während der
Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com
)
„Falls
Du es noch für Dein Tagebuch brauchst: „Il Faro“ hieß der Schuppen;
bei einem Boykottaufruf bin ich dabei!“
Frank nach unserem abendlichen Besuch des Italieners
Es
ist zwar nicht nett, anderen Menschen Misserfolge herbeizuwünschen, aber
Franks Ambitionen, unseren (gottverdammten)
Fernseher
zum Laufen zu bekommen, würde ich nach einer 1937-prozentigen-Steigerung
meines durchschnittlichen Pro7-Jahreskonsums an den letzten beiden Abenden
und Vormittagen gerne scheitern sehen.
„Germany’s Next Supermodel“ oder all
der andere Unfug, mit dem man dort systematisch zugemüllt wird, will ich
wirklich nicht tagtäglich wahrnehmen müssen, ich, der Obama-lesende,
neunmalklug daherschnackende Pädagoge, der, so Frank zu seiner Freundin
(scheiße, Fernsehtöne dringen zu mir auf den Balkon…; Glückwunsch!)
auch „ein ganz komischer, aber liebenswerter Typ“ ist. Ich könnte an
dieser Stelle und im Kontext der TV-Diskussion zig meiner vielleicht im
einzelnen begründbaren Prinzipien aufzählen, die aber alle in ihrer
Summe wieder dermaßen widersprüchlich wären, dass man mich gleich
einsperren würde, verzichte aber darauf und erinnere lediglich daran,
dass der Konsum von Pro7 eben nicht zu meinen tagtäglichen Ritualen gehört,
gehören wird oder gar gehören sollte.
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Idyll
am Wegesrand: Spanien kocht sich seine Paella im Freien. Im
Europavergleich sind Spanier die Elftfettesten - Deutschland nimmt
peinlicherweise Rang 1 ein, knapp vor Großbritannien. |
Eines jeder Prinzipien, wo ich gerade dann
doch schon einmal dabei bin, involviert stets auch gerade noch akzeptable
Übernachtungspreise auf Radtouren bzw. im Urlaub allgemein. Das Thema ist
alt. Ein Thema, dass schon unzählige Male zum verdeckten und einige Male
zum offenen Disput zwischen Frank und mir führte – und bestimmt bis ans
Ende unserer Tage auch wird. In Ermangelung wirklicher Auswahlmöglichkeiten
im beschaulichen Artà bahnte sich das Thema heute erneut an, denn am Ende
eines elenden Herumgegurkes durch die engen Gassen der Stadt standen wir
vor einer noblen 4-Sterne-Herberge nahe der Pfarrkirche San Salvador.
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Mal
so, mal so: Der heutige Tag führte uns nicht nur über traumhaft
befahrbare Straßen, sondern auch durch alles andere als optimales
Gelände... |
Und standen. Und diskutierten das
strategische Vorgehen. 70€ als erste Verhandlungsoption und zehn Euro
mehr als absolute Schmerzgrenze waren flugs verabschiedet, allerdings
wurde mir schon beim Passieren des kleinen Pools im Innenhof schnell klar,
dass wir damit nicht weit kommen würden.
Und so war es denn auch, denn regulär, so
wurden wir informiert, würde die Nacht 72 Euro kosten. Pro Nase,
wohlgemerkt. Ein Deal mit offene Karten? „Wir wollten 70 bieten, haben
aber bei 80 die absolute Schmerzgrenze“. Das prompte Gegenangebot:
„Unter 100 geht leider nichts.“. „Man muss sich auch einmal etwas gönnen“,
kam es flugs als dekadenter Seitenhieb von einem anderen Gast des Hauses,
dem vom Anschein her auch die 95€-Green-Fees auf dem nahen Golfplatz
nicht allzu sehr stören. Bloß – was waren unsere Alternativen?
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Emita de Sant Salvador |
Zurück in die 15.000-Betten-Burg Cala Rajada
an der Küste, wohl wissend, dass auch dort erst einmal ein passables Bett
gefunden werden müsste und die Idee vom netten Abendspaziergang inmitten
diverser Hotelbunker jeglichen Reiz verlieren würde?
Wir
debattierten und bezogen unsere alteingesessenen Positionen. Frank schien
der Preis von
100€ trotz vorher anders vereinbarten Schmerzgrenzen akzeptabel, ich
beharrte weiterhin darauf, das Geld nicht zum Fenster hinauszuwerfen,
hatte aber unterm Strich überhaupt keinen Bock, noch einen Meter weiter
zu radeln. Franks Ermahnung, dass man sich nicht so anstellen sollte, da
wir beide bereits Jahre in vergleichbar teuren Herbergen an der Börse
verzockt hatten, durften auch nicht fehlen. 90€ bot ich an der Rezeption
schließlich als Kompromiss an – eben die Mitte der beiderseitigen
Schmerzgrenzen.
Unser Zimmer – natürlich wurde der Deal im
nicht wirklich ausgebuchten Landhotel angenommen – ist dafür auch
allererste Sahne, dürfte allerdings auch gerne keinen funktionsfähigen
Fernseher haben. Ein riesiges Bad mit Whirlpool, eine private
Dachterrasse, der leider unbeheizte Pool in dem ich es zumindest länger
als Frank aushielt: Nett, nett und nochmals nett. Natürlich wurden wir
noch darauf hingewiesen, dass man im Normalfall nie handeln würde, aber
wer es glaubt, wird selig.
Weniger nett wurde dafür der Abend – womit
wir dann wieder beim leidigen Thema der
mallorquinischen Abzocke wären. „Jetzt waren wir drei Mal abends essen
und bei Burger King war es am Besten“, resümierte Frank als wir am
Abend einmal mehr bei einem Italiener einkehrten und übelst über den
Tisch gezogen wurden. Es schmerzte in der „Feinschmecker“, nein,
besser gesagt „Leckeresserseele“, Frank bedingungslos zustimmen zu müssen,
auch wenn ich es auch bei Burger King scheiße fand. Zwar war meine Pizza
heute günstiger (-1,50€), größer (ca. einen Zentimeter mehr im
Durchmaß, der sich langsam gängigen Kindergrößen annäherte) und echt
(keine TK), aber erneut ausgesprochen schlecht, trocken und mit einsamen Käseatomen
auf einem millimeterdünnen Teig gesegnet. Unterm Strich glaube ich, dass
die Materialkosten einer günstigen Tiefkühlpizza höher liegen, denn was
kann ein bisschen Mehl, etwas Spinat, ein bisschen Tomatenpansche und eine
Scherzdreingabe Käse schon kosten?
Trotz allem war meine Pizza um Welten besser
als Franks Nudelportion, die ihn dermaßen auf die Palme brachte, dass er
sich prompt bei der Mama des Hauses beschwerte und auf den
durchschnittlichen Kalorienbedarf eines Nichtäthiopiers verweisend um
einen mindestens gleichwertigen Nachschlag bat. Kurz nachdem ich ihm dann
zur mehr als verdienten und vehement geäußerten Kritik beglückwünschte,
kam Mama wieder, murmelte pflichtbewusst, dass die Portion den
Restaurantspezifikationen entsprechend 130g maß und man daher auch
absolut gar nichts machen könnte, da andere Gäste ja auch davon satt würden.
Franks Verweise auf augenscheinlich größere Kinderteller am Nachbartisch
nützten nichts, wobei eventuell ein Zusammenhang zu den teuren Gerichten
der Eltern bestehen könnte: Mehr gab es nicht und die Portion wäre –
Originalzitat – „angemessen“.
Frank
gab, ganz entgegen seiner Prinzipien, worüber es auch bereits eine
angeregte Diskussion gab, keinen einzigen Cent Trinkgeld.
Ach
ja, geradelt wurde heute auch noch…
Es ist nicht immer eine gute Idee, potenziell
verkehrsarme Straßen
bekanntermaßen gut asphaltieren Hauptstraßen vorzuziehen, so wie wir
lange vor den kulinarischen Highlights des Abends am heutigen Wandertag
erfahren durften.
Franks löbliche und von unserem
Kartenmaterial zweifelsfrei als problemlos markierte Idee, ab Calonge bis
zum Ermita de Sant Salvador eine kleine Parallelstraße zur Ma0412 zu
fahren, entpuppte sich nach irreführend schönen Kilometern als mächtiger
Fehltritt, da aus unserer total verlassenen Traumstraße ein absolutes Trümmer-
und Schlaglochfeld wurde, durch das Frank irgendwie radelte, ich jedoch
sehr zum Dank meiner teuren Speichen und Felgen gemächlich schob. Ohne
die Zeit im Nacken war das Ganze allerdings nicht wirklich problematisch,
jedoch auch nicht ganz wie bestellt. Erinnerungen an den Walters Peak und
traumhaftes Offroad-radeln in Neuseeland wurden zwar kurzzeitig wach (Link),
ohne ein geeignetes Rad fehlte jedoch das letzte Stück zum Glück. Und
auch mit dem hatte ich mich ja in Neuseeland gleich zwei Mal auf die Nase
genagelt. Darum: Wer sein Rad liebt, der schiebt…
Am heutigen „Lustanstieg“ des Tages zum
Ermita de Sant Salvador wollte ich es dann nach den gestrigen Erfahrungen
– ein flinker Anstieg und ein fieser Absturz am Tagesende – wesentlich
ruhiger angehen lassen und auf jegliche Selbstbeweihräucherung
verzichten. Interessanterweise war ich in der letzten Nacht auch von einem
schmerzhaften Krampf im in der rechten Wade geweckt worden. Zeichen genug,
dass die Form nicht ist, was sie sein sollte, wenn man mit 18 km/h
irgendwelche Erdhügel hinaufknüppeln möchte.
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Artà
am Abend. |
Dummerweise überholte mich allerdings 250 Höhenmeter
vor dem Gipfel ein halber Mensch, mit dem ich mir dann doch wider besseren
Wissens ein erbittertes Rennen bis zum Schluss gab. Leider gewann er nach
meiner zwischenzeitlichen Führung von mindestens 50 Metern im Endspurt
ausgesprochen deutlich, flog er doch mit mindestens 25 km/h an mir vorbei,
guckte sich alle
zwei
Sekunden um und stellte sicherlich zufrieden fest, von mir keinen
Schlussspurt befürchten zu müssen. Latent frustrierend war bloß, dass
ich ihn noch einmal sehen sollte – nämlich während unserer Pause am
Gipfel, die der magersüchtige Hempfling dazu nutze, noch einmal den Berg
hinabzurollen und ein weiteres Mal hinaufzukeulen.
Abgesehen
vom kleinen Rennen am Berg, einer insgesamt gemächlicheren Etappe und
jeder Menge Sonneschein gab es heute nicht viel zu berichten, sieht man
einmal von den eingangs beschriebenen Problemen der Herbergssuche in Artà
ab. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein dem Preis angemessenes Frühstück,
denn wirklich satt verabschiedet sich heute Abend niemand in die Kojen…