Stage 6
Venedig - Ravenna
119.54 Kilometer; 5:16:30 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

12:30, so ungefähr zwei Inseln von Venedig entfernt und auf eine Fähre nach Gioggia wartend, passiert im Moment erst einmal nicht sonderlich viel Lustigerweise sind gerade 11 weitere deutsche Radfahrer angerollt, wenngleich es auch eher nach Tagestouristen aussieht. Insgesamt sind wir jetzt mit den Studenten auf Exkursion dreizehn, wenn das wirklich eine Unglückszahl ist, kann es tatsächlich sein, dass diese letzte und wohl bislang kleinst aller Fähren keine Räder mitnimmt, zumindest sorgen sich im Moment 13 Leute darum. 13 Uhr ist es auch jetzt, Zufall…

Frank labert gerade die Touris voll, ich höre irgendwas von der Tour de France und einer der Deutschen meint gerade was davon, dass auf einen Anschlag am Bootssteg gar nichts von Fahrrädern steht sondern nur von separaten Gebühren für Gepäck- Aber das wird schon, vorgestern  habe ich beim Frühstück auch ein Messer mitgehen lassen und wenn die Crew des Kahns zu viel moniert, wird einfach gekapert. Piraterie óle!

Die Radgruppe ist übrigens eine Studienreise der Uni Hamburg, allzu viele Studis scheinen mir aber nicht unter den Radlern zu sein. Da das Island-Hopping gegen über unserer ursprünglich geplanten Route über das Festland ein paar Kilometer spart ist neues Tagesziel auch eventuell Ravenna, wo es unseren Ausdrucken nach eine Jugendherberge gibt. Wäre ja schon ein Anfang beim Expense Management, bislang 3.50 Euro pro Fähre sind das allerdings im Gegensatz dazu noch nicht…

Unsere neuen amerikanischen Freunde hatten Venedig übrigens schon in aller Früh verlassen und zum Abschied noch eine Postkarte an mein Rad gepappt. Auch nett. Und mit dem Zug werden sie auch heute Nachmittag schon in Rom sein. Wir hingegen…

…haben (späterer Eintrag) erst mal Ruhe, Sand, Sonne und Strand. Den Sonnenpart schenke ich mir zwar zugunsten meiner Lebenserwartung und der Mittagsmahles um 17 Uhr und nach etwa  75 Kilometern. Der Rest der Strecke müsste aber ganz nett werden. Auffallend ist die totale Abwesenheit der sogenannten „Touristen“, der Strand ist kaum gefüllt, jeder zehnte Liegestuhl besetzt und der erwartete (deutschsprachige) Rezeepient des „vielen Dank für ihren Einkauf“-Spruches auf meiner Spar-Tüte weit und breit nicht zu finden, ebenso wie alle anderen Touristen aus aller Herren Länder. Abgesehen von Tausenden von Amerikanern auf Europatritt natürlich… Ob es am Euro liegt, an Tisch- und Servicegebühren, am gesunkenen Vertrauen in die Wirtschaft und die Arbeitsplatzsicherheit weiß ich nicht, aber wenn ich lese, dass Mallorca 40% weniger Touristen als im Vorjahr hat und hier der Strand tot ist, wird mir zumindest deutlich, dass an all den Horrormeldungen der Reiseveranstalter schon etwas dran sein muss. Für uns bedeutet es allerdings bestenfalls weniger Probleme bei der Suche nach Hotels als im Vorjahr, übelstenfalls muss unser Konto aber vielleicht herhalten, um dem einen oder anderen Hotelier die Bilanz ein wenig zu sanieren-. Hoffentlich ist in der Jugendherberge in Ravenna etwas frei, hoffentlich finden wir das Ding überhaupt einigermaßen schnell, bevor die Hälfte der Reisegruppe wegen der Sucherei genervt ist…

Die Strecke war bislang heute nach dem netten Islandhopping eher mäßig, da nicht nur wir die SS 309 als direkten Weg gen Süden begrüßten sondern auch unzählige Lastwagenfahrer es uns gleich taten. Und zusammen mit einer teilweise elendig geraden und ereignislosen Hauptstraße ergab das keine Topkombination. Nach etwa sechzig Kilometern teilte sich unsere Route jedoch von der stark befahrenen Hauptstraße, da wir uns in Richtung Meer bewegten und wieder auf Straßen verkehrten, wo das auditive System das Zwitschern von Flattervieh und nicht das Donnern von Motoren wahrnahm. Bis Ravenna müssen wir aber noch ein ganzes Stück auf die SS 309 zurück, Schicksal…

Das Wort „hirnverbrannt“ kommt übrigens mit ziemlicher Sicherheit aus südlichen Gefilden, da bestimmt dem Erfinder des Worts einmal aufgefallen ist, dass Personen, die den ganzen Tag in der Sonne arbeiten zu Zeiten Verhaltensweisen an den Tag legen, die den Schluss auf ein verbranntes Hirn zulassen. Oder

Heute? Immer geradeaus, immer geradeaus, immer, genau, geradeaus...

 weshalb sonst würde mir (hier mit Rad in Radlerklamotten am Strand sitzend) ein Strandverkäufer einen großen Strohhut verkaufen wollen oder eine Asi-fake-Sonnenbrille, wenn meine Brille genau neben mir liegt? Genau, hirnverbrannt…

Juhu! Frank hat gerade einen Schachpartner gefunden, einen höchstens 10-12 jährigen Jungen, der im gerade verklickert, dass in seiner Schach-AG an der Schule ein Robin ist, den alle nur Superhirn nennen und den keiner schlagen kann. Ich halte die Szene mal mit der Kamera im Bild fest…

Wir sind im Moment tatsächlich in der Jugendherberge Ravennas, deren 140 Betten bestimmt zu 25% ausgelastet sind. Amis sind wieder einige da, zwei ältere Polen teilen sich ein Zimmer mit uns und zaubern gerade ihr Arbeitsmahl mit ein paar Elektrokochern auf dem Bett zurecht und an der Rezeption sitzt ein Typ am Gitarrespielen. Geradezu angenehm, mit 15.06 Euro pro Nacht und Nase auch ziemlich günstig in Relation zu bisherigen Übernachtungspreisen. Tag 1 des Urlaubs mit Expense Management © scheint erfolgreich zu Ende zu gehen mit Totalausgaben in Höhe von 15+12+3+6 = 35 Euro, mindestens eine Halbierung (wenn nicht sogar noch mehr) bisheriger Kosten pro Tag. Frank beschäftigt der Kostenfaktor weniger, mich

Endlich mal eine günstigere Jugendherberge, aber auch schon die vorletzte der Tour...

 auch nicht total aber ohne festes Einkommen ist ein günstiger Tag trotzdem ein gern gesehenes Geschenk. Wie die Melone und der Becher Rotwein von den Eltern Franks Gegners. Großartig gemacht wird heute Abend nichts mehr. Morgen wird dafür aber vielleicht Ancona ins Visier genommen, was sicherlich mehr als 140 Kilometer würden, aber einen Tag gegenüber unserer ursprünglichen Zeitplanung einsparen würde. An sportlichen Reizen mangelt es wirklich nicht. „Ich liebe diesen Zug, da jetzt mein Turm entfesselt ist und ich jetzt alles im ihn herum plattmache“ (Franks Gegner). Man darf sich fürchten….