| Stage 5 |
| Ruvigo - Venedig |
| 92.72 Kilometer; 4:20:52 Stunden |

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
20:47 Uhr, Venedig,
Stadt angeblich superschöner Sonnenuntergänge; prasselnder Regen und
sporadischer Donner…
Angeblich regnet es in Italien im Sommer zwar nicht allzu viel, dem Getöse am Himmel nach besteht aber durchaus Anlass zur Sorge, dass wir morgen mit der Gondel von unserem Zimmer im dritten Stock zum Sightseeing abfahren können. Hotelmäßig haben wir es auch „super“ erwischt: der Laden ist zwar ganz nett, dafür aber mit zwei Sternen schon mal pauschal einen Stern zu teuer. Das Hotel war allerdings das Billigste aller Reisekataloge und aus irgendwelchen Gründen
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Schöne Einfahrt nach Venedig! |
hatten wir Angst, kein freies Bett mehr in Venedig zu bekommen. Allerdings kommt mir die Touristendichte im Moment lediglich moderat vor.
Zu allem Übel liegt das
Hotel auch noch mitten in Venedig und keine einhundert Meter vom weltbekannten
Canal Grande entfernt. Der Haken an dieser augenscheinlich exquisiten
Lage ist nur das Venedig nicht für Radtouristen geplant wurde und mein rechter
Arm jetzt lang genug ist um mich an den Zehen
zu kratzen, da das Rad mitsamt Gepäck
über unzählige Treppen in den Winkeln Venedigs zu tragen war. Auch die
Einfahrt nach Venedig erwies sich als komplizierter und umständlicher und
weiter als geplant, da wir zuerst mit einer Fähre vom Land aus nach Venedig übersetzten
wollten. Diese besagte Fähre nahm dann aber dummerweise keine Fahrräder mit,
was uns dazu zwang über einen italienischen Ludwigshafen-Verschnitt namens
Mestre anzureisen, was wunderbare 18 Extrakilometer gegenüber der Planung
bedeutete. Und eine Einfahrt nach Venedig über eine stark von Lastwagen und
Bussen frequentierte Schnellstraße mit einem schnuffig-stinkigen
Industriepanorama inklusive. Immerhin haben wir mit der entgangen Überfahrt ein
paar Euros gespart, schaden kann das im Moment wirklich nicht. Richtig klasse
ist auch eine hier vor mir liegende Venedigkarte mitsamt Vorschlägen für
Spaziergänge – bei allen vier Rundgängen ist Mittagessen bei McDonalds
fester Bestandteil. Komischerweise heißt die Karte „Mappe“, oder was
bedeutet dann das aufgedruckte „wenn du mit der Mappe kommst und ein McMenü
bestellst, schenken wir dir ein Eis gratis“. Abgesehen vom doppelt gemoppelten
„schenken“ und „gratis“ ganz nett, aber wieso fällt mir das erst jetzt
auf, nachdem wir vorhin noch eben bei eben diesem McDonalds waren? McDoof hat übrigens
ordentliche Venedig-Preisaufschläge (Menüs 6 Euro statt 4.50), Burger King
hingegen zu Burger King Oldenburg gar nicht. Restaurantpreise sind hingegen
wieder eine ganz ganz andere Geschichte…
Die Etappe selbst war
heute einmal wieder ein wenig südlich gelegenes Oldenburger Land mit
phasenweise starkem Verkehr, vielen Feldern links und rechts und wenigen echten
Highlights. Davon gibt es aber in ein paar Tagen wieder mehr als genug, da Frank
vorhin entdeckt hat, dass wir auf dem Weg nach Rom noch über einen fast 1300
Meter hohen Pass müssen, der aber zumindest nicht so steil sein soll wie das
fantastische Gebirge vom zweiten Tag der Tour. Nun ja, schade, dass dieser Abend
ausgerechnet in Venedig zum Ruheabend wird, aber andererseits haben wir noch den
ganzen morgigen Tag und irgendwie glaube ich, dass ein Ruheabend genauso gut tut
wie der relative Ruhetag morgen, da die ersten vier Tage schon nicht leicht
waren und mir meine Knie (was ist eigentlich die verf___te Mehrzahl von Knie?)
anraten, ihnen mal ein wenig Entlastung zu gönnen, bevor es dann…
Großer Einschub: plötzlich
ist es 00:51. Gerade als ich beim letzten Eintrag ein bisschen am Grübeln war,
was ich noch
schreiben könnte, kam ein amerikanisches Pärchen das Treppenhaus
herunter und erspähte schon von oben unsere beiden Fahrräder, die unten im
Eingangsbereich des Hotels stehen. Ich hatte mich zum Schreiben in den
Speisesaal im ersten Stock gesetzt, und schnell ergab sich ein kleines Gespräch
it Jamie und Ed. Die beiden wollten auch noch etwas mampfen
gehen, und falls wir
Lust hätten…
…hatten wir, und bei einer leckeren Pizza Diavola schnackte es sich sehr locker. Ed, aus Miami, und sie, aus New York City (Long Island) hatten sich beim Studium in Cornwell kennen gelernt und jetzt noch ihre Graduation mit einer Interrailtour durch Europa gefeiert. Nach München, London, Berlin und Prag war Venedig jetzt Zwischenstopp auf dem Weg nach Rom, genauso wie das Restaurant für uns noch Zwischenstopp zwischen Internetcafé (wo Frank für etwas kürzer als Ed 4,80 Euro zahlte während Ed 3.50 Euro berappen musste) und dem Piazza san Marco, wo bei zwei Straßencafés kleine Ensembles abwechselnd ihr Können zum Besten gaben und die wenigen (nach dem Wolkenbruch) noch verbliebenen Touris der Stadt belustigten. Als Erheiterung des Tages kam dann noch die Aussage von Ed und Jamie, dass sie pro Nacht und Nase 20 Euro in unserem Hotel zahlen (wir 44 Euro). Sie haben dafür zwar nur ein Etagenbad, aber trotzdem…, super!
Tag in Venedig
Kurze Sightseeingpause im Hotel nach einigen Stunden des Herumirrens in den verwinkelten Gassen Venedigs, die irgendwie jeden Touristen zumindest temporär zur Verzweifelung bringen. Wenn man zusammen mit einer „this town is just incredible“ murmelnden Engländerin plötzlich in einem Innenhof steht und nicht wie gedacht weiterkommt, da es kein Weiterkommen gibt, in einem Laden kurz mit der Frage zur Post warten muss, da der Kunde vor einem einfach nur vom genervten Ladenbesitzer wissen will, wo er auf seinem Stadtplan überhaupt ist, wenn man zum Hotel zurücklatscht und einem Ed und Jamie entgegenkommen (angeblich selber auf dem Rückweg zum Hotel), tja, wenn all dieses und noch viel
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| Probates Mittel gegen das ständige Verlaufen... |
mehr ähnliches nicht explizit erwähnenswertes
zutrifft, dann ist man wohl in Venedig. Würde man die Kanäle zukippen käme
das Ganze der Altstadt Jerusalems relativ nahe, nur dass man nicht ständig
damit rechnen muss, in die Luft gesprengt zu werden. Wie gefährlich allerdings
ein kleiner Fall ins erbärmlich verschmutzte Wasser wäre, mag ich mir gar
nicht erst vorstellen. Ab morgen streikt ganz nebenbei auch die italienische
Eisenbahn. Für unsere Interrail-Amis ein Problem? Wohl kaum, denn sie nehmen
einfach einen non-strike-train. Sinnvoller Streik. Andere Länder, andere
Sitten, komische Streiks…
Auch nicht ganz unwitzig
war unsere Rückkehr in das Hotel, mit einer Flasche Wein wurde an der Rezeption
nämlich die Installation einer Klimaanlage gefeiert, eine in der Tat lohnende
und die Arbeitsbedingungen rapide verbessernde Investition. Als Wahlheimat käme
Venedig zudem für mich auch nicht in Frage, da schon ein paar Minuten auf einem
Bootbus heute reichten, um mich davon zu überzeugen, dass ich mir eines Tages
als Multimillionär
(das mit der Börse wird schon wieder…) keine protzige
Yacht kaufen sollte, da ich mir das Ding nur in den Garten stellen könnte oder
wild reihernd die Meere der Welt unsicher machen würde. Lustig hingegen wäre
schon die Idee der beiden Amis, sich ein Paddelboot zu kaufen und nachts durch
Venedig zu paddeln. Die Bullen würden dem Spaß zwar sicherlich über kurz oder
lang ein Ende bereiten, so richtig schlecht ist die Idee aber trotzdem nicht….
Allzu viele Kirchen
haben wir allerdings in Venedig nicht von innen gesehen, da die göttlichen
Vertreter auf Erden nicht nur eingeschränkte Vorstellungen über
passende
Kleidungen haben sondern zudem auch noch gut Schotter für das Besichtigen ihrer
Gotteshäuser kassieren. Natürlich schienen Kleiderordnungen bei steigenden
Preisen mehr und mehr in den Hintergrund zu treten, schließlich wissen wohl
auch die bibelfesten Kapitalisten in Mönchskette, dass die Obrigkeit im Ende
gerne alle Sünden vergibt. Amen.
Zweiter Eintrag
Später, am Abend, wieder ein wenig Regen, leichte Genervtheit meinerseits im Anschluss an eine grausam schlechte Pizza in einem noch grausamer teuren Laden, der hier auch mal die Totally-Fucked-Up-Fuckers-Rip-Off-Auszeichnung der
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| Kassenbon
Da Celio, Gewinner der:
Totally-Fucked-Up-Fuckers-Rip- |
Tour bekommen soll. Frank
meint schon etwas von zwei Mal Burger King plus ein Mal Hard Rock Café in Rom.
Mal sehen. Die oben erwähnte leichte Genervtheit bezieht sich allerdings nur
auf meine dramatisch schwindenden
Barreserven, da der Urlaub bislang übelst
teuer war und ein bisschen Expense Management – vor allem meinerseits – von
nun an nicht schaden könnte. Auch werden wir von nun an morgens vielleicht
etwas eher losfahren und dann auch mehr Zeit in die Hotelsuche investieren können.
Wenn diese größten Kostenverursacher neben den Rip-Off-Restaurants ein wenig
kontrolliert werden, sieht die Welt auch schon anders aus. Ansonsten droht meine
Insolvenz…
Ach ja: Szene auf der Straße heute. Vor einem Laden, Frau steht vor einem Schaufenster.
Frau: „Ist das ein Aschenbecher oder so?“
Mann: „Ist doch egal. Kauf einfach und nerv nicht!“
Schachbilanz übrigens 2:2, jeder ist .500.
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Bushaltestelle. |
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Spektakuläre Kameraperspektiven... |
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Links: Stadtbus |