Stage 3
Florenz - Bologna
119.4 Kilometer; 6:50:15 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Ich wollte den Eintrag gerade damit beginnen, dass Frank wohl offensichtlich von uns gegangen ist, genau in dem Moment erklomm er aber Gipfel Nummer zwei von vier Gipfeln am heutigen Tag auf dem Weg nach Bologna mit immerhin rund 37 Minuten Rückstand. Zumindest auf den Berg bezogen. Auf flacher Strecke mag ich zwar absolut chancenlos sein, ab 5% Steigung läuft es aber ganz gut. Andererseits habe ich ehrlich gesagt (oder geschrieben) keine Ahnung mehr, wie wir Bologna, rund siebzig Kilometer und viele Höhenmeter entfernt, heute noch sinnvoll erreichen sollen. Bei bisher rund 15 km/h im Schnitt macht das allein rund fünf Stunden Fahrt plus Pausen und der Tatsache, dass ich mich nicht nach zwei weiteren Bergen fühle.

Momentan sind wir übrigens auf 888 Metern, haben gleich eine 11 Kilometer lange Abfahrt auf 450 Höhenmeter, dürfen dann noch auf 8- und später auf 900 Meter und dann war es das „auch“ schon, so zumindest Navigator Frank. Er meinte auch, dass er entweder etwas kräftig falsch oder ich etwas kräftig richtig mache. Frank erwähnte auch gerade schon das eigentlich tabuisierte Bus-Wort, da solche Vehikel sich auch mit uns durchs Gebirge schieben, aber sind wir verrückte Idioten oder nicht? (es hätte auch eine wesentlich weniger gebirgige, dafür aber stärker befahrene Straße gegeben, aber von der Natur, der Autokonzentration und so weiter her ist es hier wirklich traumhaft. So, ich mampfe noch etwas von meinen drei Baguettes plus 15 Scheiben Käse, 10 Scheiben Salami, meinen drei Baguettes und dazu einer lecker Cola Light beziehungsweise von dem, was von diesen Frühstückseinkäufen noch über ist. Die Aufzählung der Einkaufsliste musste nur sein, da ich für den Scheiß heute morgen unglaublicher 16 Euro abdrücken musste. Der zweite, im Moment erklommene Gipfel, war übrigens über 9.8 Kilometer von 292 auf diese 882 Meter zu erreichen, was einer durchschnittlichen Steigung von rund 6% entspricht. Am ersten Berg ging es über 9 Kilometer von 100 Metern in Florenz auf 476 Meter, also nur moderate 4,1% Steigung. Der dritte Berg der heutigen Etappe wird uns nach dieser Abfahrt von 422 auf 839 Meter bringen (auf 7.3 Kilometer, 5.7% Steigung im Schnitt) und danach wird es noch einmal von 200 auf 960 Meter gehen. Noch Fragen? Ach, weil es so schön ist hier noch die tabellarische Übersicht:

 

1. Florenz – erster Berg

100 auf 476 Meter, 376 Höhenmeter

9,0 km / 4,1%

2. Scargeria – Giogo di Scargeria

292 auf 882 Meter, 590 Höhenmeter

9.8 km / 6.0%

3. Firenzuola – Passo di Raticosa

422 auf 839 Meter, 417 Höhenmeter

7.3 km / 5.7%

4. Vierter Berg

200 auf 960 Meter, 760 Höhenmeter

Sehr steil, sehr weit…

 

Insgesamt ca. 2200 Höhenmeter

 

 

Späterer Eintrag:

Frank: „Du hast das Duschgel noch in der Dusche stehen.“

Bernt: „Ich weiß, werde es wohl vergessen.“

Frank: „Willst du es nicht mal wegpacken?“

Bernt: „Ne, gerade deshalb lasse ich es ja drauf ankommen. Mal sehen, ob ich dran denke.“

Normale Konversationen kurz vor Licht aus; 23:30 ist es und gerade kehrten wir wieder von einer ziemlich guten Pizzeria im ansonsten ziemlich abgestorbenen Bologna zurück. Nach Florenz ist das Ganze ungefähr so, als würde man nach einem Abend in Düsseldorf oder Köln nach Bochum fahren, nur dass Florenz natürlich schöner als Köln oder Düsseldorf ist und Bochum wesentlich hässlicher als Bologna. Insgesamt war die Etappe heute zweifelsohne die bislang sportlich herausfordernste unserer Radtourkarrieren. Höhenmeter wie oder eigentlich sogar ordentlich mehr als beim Mont Ventoux, Kilometer wie auf Monsteretappen und strahlend blaues Wetter, dass uns selbst beim Einrollen nach Bologna um 21:11 noch 27 Grad bescherte. Die weiteren Bergwertungen sahen heute übrigens ein Unentschieden zwischen Frank und mir am Gipfel Nummer drei und einen 15-Minuten-Sieg von Frank am Gifpel vier, wobei wir dort noch einmal mindestens 2-300 Extrahöhenmeter gegenüber unserer Planung zu bewältigen hatten, nachdem die von uns geplante Route durch einen Erdrutsch begraben wurde und wir über einen eilig gelegten Ex-Feldweg durch ein kleines Tal umgeleitet wurden. Passagenweise waren dort mehr als 10% Gefälle beziehungsweise Anstieg anzutreffen, was mir irgendwann sogar fast zum Schieben zu anstrengend wurde. Und geschoben habe ich am Ende mehr als nur genug. Animiert durch freundlich winkende und hupende Autofahrer ging es am Ende aber doch, und alle Strapazen des Tages führten zu traumhaften 45 Kilometer nach Bologna hinein, auf denen sanft verteilt 950 Höhenmeter verbraten wurden. Und mit einem wirklich tollen Panorama, dem Sonnenuntergang zur Linken und dem Mondaufgang zur Rechten sowie Geschwindigkeiten von 60 und mehr Kilometer pro Stunde bei wenig bis gar keinem Krafteinsatz war doch einfach einmal wieder alles perfekt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich im früheren Verlauf des Tages schon manchmal fragte, an welchem Punkt der Erschöpfung man einfach mal umfällt. Und rund 6 Liter Wasser konsumiert man ja auch nicht gerade auf jeder Etappe, heute war aber jedes noch so kleine Tröpfchen lebenswichtig. Der Rest der Tour sollte von nun an lockerer Natur sein, da das sportliche Highlight wohl hinter uns liegen dürfte.

Und Recht hatten sie letzten Endes alle, der Hotelvertreter am Bahnhof von Florenz der unserer Routenambitionen nach Bologna mit „Ooooh, mountains, mountains“ kommentierte und ein Opa, den ich heute kurz nach dem Weg fragte. „Bologna?“ Opa guckt mich an, guckt auf mein Rad, guckt mich wieder an. “Bologna? Hahaha”.