Stage 2
Pisa - Florenz
100.66 Kilometer; 4:52:57 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

„You need bikes tonight?“ fragte gerade unser Hotelbesitzer in Florenz nachdem wir sie im Erdgeschoss (Hotel in der zweiten Etage des Hauses) des 1-Sterne-Hotels in einer Seitenstraße von Florenz verstaut hatten (natürlich erst, 

Vor der Abfahrt am schiefen Turm von Pisa.

nachdem er im Lagerraum „Platz“ geschaffen hatte, also eine dort lagernde Kloschüssel mit hoch in sein Hotel schleppte. „Nö“, meinte Frank nur, da es wohl nur wenig ratsam wäre, die Räder irgendwo in Florenz zu parken. Zumindest, wenn wir sie morgen  auch noch haben wollen. „Then I take key, mmmh, no, you take key, if you need key, you have key“, sprach es und trottete von dannen.

Das Hotel selbst haben wir bei der Touristeninfo gefunden, nachdem mir dort schon ein privater Hotelvermittler weismachen wollte, dass es in Florenz eh nichts billigeres als sein 100 Euro-Hotel gibt, was aber auch schon billiger als die 160 Euro im Best Western waren, wo wir zuerst fragten, um uns einen Preisüberblick zu verschaffen. Unser Zimmer kostet jetzt 60 Euro und ich hoffe nicht, dass irgendwer so doof ist, sich von dem Abschlepper vor der Touristeninfo in dessen Laden schleppen zu lassen.

Die Etappe heute verlief nach anfänglichen Problemen einigermaßen vernünftig aus Pisa herauszufinden eigentlich wirklich locker, zumindest bis unsere Strecke nach 70 Kilometern zu einer Baustelle 

to-the-fullest mutierte und wir über einen 200 Meter-Hügel ausweichen mussten, wo dann unsere Räder auch erstmals Gassi geführt wurden.

Florenz wurde gleich nach unserer Hotelankuft drei Stunden zu Fuß erkundet, wobei man den ganzen alten Plunder hier und da durchaus als relativ interessant beschreiben kann. Nervigerweise wollten mich rings um den Dom herum fast alle unbeschäftigten Portraitzeichner malen, Frank hingegen komischerweise nicht. Ein wenig geschmälert wurde das hierdurch gewonnene Selbstvertrauen allerdings dadurch, dass ich zu einem der Typen meinte „no thanks, I am way too ugly and it would be a waste of paper“ und er darauf mit „I know, I know, but…“ antwortete.

Frank glotzt gerade auf Eurosport noch die diesjährige Tour de Franc. Gleich geht es mit dem Schachbrett noch mal auf den Piazza della Signoria mitsamt Michelangelos Neptunbrunnen, wo meine bisherige Schachdominanz und einhundertprozentige Siegesquote sicherlich zu bröckeln beginnen wird. Cola-Light-Dosen kosten übrigens rings um den Stadtkern rund 2,10 Euro, nur mal so am Rande. Über was für Ryanair-Preise moserte ich noch vor ein paar Tagen?

Ein wenig später, mittlerweile ein wenig fast Mitternacht, ein wenig nachdem ich meine erst und auch wohl letzte Führung der Schachbilanz abgegeben habe (mittlerweile 1:1) schreibe ich noch ein paar Zeilen während Frank den Tod seines 

Bringt angeblich Glück (Florenz).

Akkuladegeräts für die Videokamera betrauert, die unseren Tourfilm produzieren soll. Es scheint also auch ein Besuch des nächsten Media Markts, oder wie auch immer das italienische Pendant heißt, anzustehen. Nach dem Duell der Bauern, Türme und Damen gesellten wir uns noch fast eine Stünde zu wirklich exzellenten Straßenmusikanten , die die historischen Gebäude rings um den Platz mit klasse Versionen von unzähligen Klassikern beschallten und einen wirklich schönen Ausklang des ersten Tages boten.

Als Radfahrer zieht man zudem stets viele Blicke auf sich, mir gelten solche Blicke allerdings seit heute früh noch ein wenig mehr, da ich auf unerklärliche Art und Weise meinen rechten Fahrradhandschuh verloren habe und deswegen  nur noch mit einem Handschuh durch die Gegend gurke. Nach all meinen anderen (und ebenfalls unerklärlichen) Verlusten in den Vorjahren, zum Beispiel Handschuhe auf dem Weg nach Paris, Regenjacken, Fahrradschlösser, T-Shirts und vieles mehr, scheint es mir mittlerweile geradezu gottgewollt und unausweichlich, dass ich andauernd Sachen verliere. Ich bin mir auch mittlerweile sicher, dass es gar nicht in meiner Macht steht, diese vorbestimmten Verluste zu verhindern. Meine Aufgabe kann es lediglich sein stets zu hoffen, dass ich nicht noch eines Tages das Rad, meine im Zweifelsfall alles rettende Visa oder gleich meinen ganzen Kopf verliere.

Hannibal hatte sich ein nettes Versteck ausgesucht...

Vorfreude auf Stage 3...