Stage 14
Velletri - Rom
43.48 Kilometer; 2:05:07 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Zwar nicht ganz über den Dächern von Rom aber zumindest auf Höhe der Dächer von Rom kritzele ich die letzten Zeilen vor der zweitägigen Rompause, da wir heute Mittag die italienische Hauptstadt noch einer dank viel Rückenwind supereinfachen Etappe erreicht hatten. Unser Hotel ist wie schon in Florenz eine "Privatresidenz"; eine Familie hat ein Stockwerk der Wohnung in Gästezimmer umfunktioniert und vermietet diese jetzt. Sehr nett auch die gerade von mir genutzte Dachterrasse auf dem sechsten Stock. Man kann sich nicht beschweren.

Die Hotelsuche verlief leider nicht ganz so optimal wie in Barcelona vor einem Jahr, wo wir einfach zur Touriinfo fuhren und uns billig vermitteln ließen. Eine Touriinfo gab es hier natürlich am Bahnhof auch. Das man allerdings an der Vermittlung von Zimmern gut Geld verdienen kann, scheint den Spaghettifressern nicht bekannt zu sein. Ich und einige unter schweren Rucksäcken stöhnende Touristen bekamen Ausdrucke mit Hotellisten in die Hand gedrückt. Sonst nichts. Preise? Keine Infos außer Schätzwerten. Verfügbarkeiten? Wohl keine Ahnung. Einen Plan der Stadt auf dem die Läden vielleicht eingetragen sind? So der Einfachheit halber? Hat man doch sicher selber (den Plan), und suchen darf man dann auch. Wir konzentrierten uns nach einiger Kartenfriemelei auf Straßen in Citynähe und mit mehr als einer Herberge. Gleich im ersten Laden gab es dann einen kleinen Schock als der Araber hinter der Rezeption mir etwas von 120 Euro die Nacht für ein Doppelzimmer sagte. Mit Frühstück. Ich fragte, was die Preise ohne Frühstück wären. 90 Euro. Das Frühstück wäre sicherlich interessant gewesen. Lachs? Hummer? Kaviar? Ich sagte ihm, dass 90 Euro zu viel ist. Er sagte 80, ich sagte 70, er sagte nein. Ich sagte, dass wir Budget-Touristen sind. Er sagte ja, dann aber nur cash und ohne Quittung oder ähnliches, damit er keine Steuern zahlen müsste. Ich rannte die zwei Stockwerke zur Straße herunter. Wir sagten letzten Endes beide nein. Im zweiten Laden wollte man dann nicht dealen. 90 Euro, "take it or leave it". Ich leavte it, man gab mir aber noch einen Tipp, wo ich es vielleicht versuchen könnte. "Hotel Michigan", fünf Minuten zu Fuß. danke. Tschüss. Dreißig Hausnummern weiter die nächste Residenz.
"I would like to know if you have a free room for tonight?"
"Sure"
"What are your prices?"
"We are very expensive, but for you to stay we will be very cheap."
"So what are your prices?"
"How much are you willing to spend? We have air-conditioning and CNN!"
"We already turned down 70 Euro and don´t want to freeze in front of TV all day while we are in Rome."
"Well", kurzes italienisches Getuschel mit seiner Frau, "60?"
"We don´t want to spend more than 25 a person."
"Even the youth hostel is 27!" (totaler Quatsch, ist 15 Euro)
"50!"
Italienisches Getuschel.
"For you we make it 55 to make you happy, normal rates are more than double!"
"We take it. Do you have space for our bikes?"
"With bikes it is 60. No, just kidding!"
5 Minuten später hatten wir auch all unseren Ramsch auf den fünften Stock gehievt. Frank glotzt im Moment Liverpool gegen keine-Ahnung auf DSF, ich sitze noch ein wenig vor dem deutschen Fernsehkram geflüchtet auf dem Dach und heute Abend steht das obligatorische Siegermahl im Hard Rock Café an. Ab morgen dann 48 Stunden Powertourismus ohne Gnade. Auch noch witzig waren zwei Norwegerinnen, die vorhin an der Rezeption standen.
"I will show you a room. The nicest one!", sagte der Typ hinter dem Tresen zu ihnen. Ich beschwerte mich sofort darüber, dass wir nicht das beste Zimmer bekommen hatten. Antwort:
"Germans are our friends but Norwegians are our best friends!"
Nachher sagte er mir, dass sie es nicht genommen hätten. "They didn´t want to spend any money. They left!". Mein Gefühl sagt mir, dass 55 noch längst nicht das mögliche Minimum ist, aber vielleicht hat es das Volk aus dem Norden ja beim Dealen ein wenig dreist übertrieben. Übel nehmen kann ich es ihnen nicht. Und Spaß macht es schließlich auch. Bislang schienen mir aber eigentlich alle von uns besuchten Läden so leer, dass selbst dreiste Offerten seitens der Kunden oft toleriert werden müssten. Gemessen an unseren bisherigen Schlafstädten erscheint mir diese Bude mitten in Rom und mit der netten Dachterrasse für 27.50 pro Person durchaus akzeptabel.

Siegesmahl im Hard Rock Café

erster Gang: Nachos

zweiter Gang: Burger

 

Rom

Zwei Tage Rom, zwei Tage kein Fahrrad, zwei Mal beim Papst, unterm Strich zwei sehr gelungene Ruhetage. Gleich am ersten Abend stolperten wir in unserem Hotel über sieben allesamt 21-jährige Norwegerinnen, mit denen wir dann noch ein bisschen durch das nächtliche Rom schlurften, bis sich die Wege nach einer Weile an der spanischen Treppe trennten. Die Bande aus dem Norden watschte hinter ein paar mäßig talentierten Musikern her, die um ein Uhr der Treppe verwiesen wurden und den Norwegerinnen irgendwo ein Privatkonzert anbieten wollten. Und vielleicht noch mehr. Wir watschelten allerdings zurück in das Hotel. Was die Norwegerinnen für die Übernachtung zahlten, durften sie uns nicht sagen. Und waren auch so naiv dumm, dies nicht zu tun. Als hätte ich den Hotelier erdrosselt, wenn ich herausgefunden hätte, dass die kühlen Norwegerinnen eiskalt verhandelt hätten und nun 10 Euro pro Nase zahlen würden. Eine eiskalte Cola Light Flasche von mir ist auch aus dem Kühlschrank im Flur des Hotels verschwunden, aber das nur vollkommen zusammenhangslos so nebenbei. Auch ist es wieder psychisch vernichtend, dass wir zusammen mit den Sieben aus den Norden andauernd von Autofahrern angehupt wurden, uns dies alleine aber nie passiert. Und dabei waren wir noch auf dem Fußweg und nicht etwa mitten auf der Straße sind. Irgendwie war es aber noch ganz lustig, dass einige der Norwegerinnen ziemlich lange glaubten, dass wir bei irgendeinem Rennen mitfuhren. Sicherlich lag es schon am bei ihnen reichlich geflossenen Alkohol, dass es schwer war, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Am ersten Tag hatten wir uns vorgenommen, den Petersdom sowie das Olympiastadion zu besichtigen. Toller Plan. Bei 30+ Mördergrädern durften wir aber zuerst nicht in den Dom rein ("no shorts") und kamen dann nicht ins Olympiastadion ("closed to the public"). Die ansonsten bislang sehr geldgierige Kirche (z.B. überall Eintritt in Venedig) ist wohl nicht nicht auf die Idee gekommen, Hosen zu vermieten, so wie es die Anhänger Allahs am Tempelberg machten, bevor sie anfingen, das Steineschmeißen und

Das Pantheon

 Sich-selbst-in-die-Luft-sprengen zum alleinigen Lebensinhalt zu machen. Eine nachträglich analysiert ziemlich gute Schachpartie zwischen mir und Frank vor dem abendlichen Pantheon ging auch an ihn, was mich tierisch auf die Palme trieb. Frank verzog sich zum eigenen Schutz nach seinem Triumph zurück in das Hotel und ich zog noch zwei Stunden durch die rappelvolle Altstadt Roms. Ich kam bis ein Uhr noch an unzähligen netten Gassen voller Pubs und Restaurants vorbei, an Plätzen mit auf junge Norwegerinnen wartenden Musikern und an bunt angestrahlten Relikten der Vergangenheit, so dass der etwas verunglückte Touriauftakt mit dem verunglückten Papstbesuch und dem verweigerten Eintritt am Olympiastadion in den Hintergrund trat.

Tag zwei stand dann ganz im Sinne der Kultur. Zuerst wundert es mich, weshalb im Preis halbierte Tickets am Colosseum nur für EU-Jugendliche bis einschließlich 24 erhätlich sind, dann wie die bei Gladiator gezeigten Kampfszenen überhaupt ins Colosseum gepasst haben sollen. Solcherlei Übertreibungen Hollywoods gingen auch unserer englischen Führerin auf den Geist, zwei interessiert lauschende Touris in ihrer Gruppe ohne "guided-Tour"-Anstecker, die man nach Bezahlung der Führung am Eingang erhielt, allerdings nicht. Anschließend ging es über das Forum Romanum zum Forum Maximum, dass auch nicht mehr sonderlich geeignet für Pferderennen zu sein schien und eher einer kaum gegossenen öffentlichen Grünfläche ähnelte. Irgendwann standen wir auch stark schwitzend in langen Hosen vor dem Petersdom (natürlich die Hosen nur im Rucksack mitgenommen, nicht etwa den ganzen Tag angehabt). Die Fügung unter den göttlichen Terror wurde aber mit einer tollen Aussicht von der Kuppel und einer halben Milliarde Stufen bis dorthin belohnt. Was göttliche Belohnungen angeht müsste eben dieser Gott jedoch ziemlich peinlich erröten, wenn man so das Innere des Petersdoms betrachtet. Gut zu wissen, dass Kirchengelder sinnvoll verwendet werden, auch wenn der Bau natürlich beeindruckend aussah. Gegen Abend des zweiten Tages ging es dann auch noch kurz ins Internetcafé und zu einem weiteren Teller Nachos ins Hard Rock Café, da wir auf coperto&co. in italienischen Restaurants keinen Bock mehr hatten. Es folgte noch eine Schachniederlage an der spanische Treppe, bevor es dann am nächsten Tag nach Vitabo weiterging.

Schachbilanz nach Rom: 3-8-1

 

 

 

 

Zu Besuch beim Papst... Blick vom Haus vom Papst...
Rom von oben... und Frank auf dem Weg nach "Rom von oben".