Stage 10
L´Aquila - Sulanova
74.86 Kilometer; 3:33.49 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Frank beschwerte sich über den Wind. Er nahm zu. Frank moserte über den Nieselregen. Es begann zu gießen. Ich zog meine Regenjacke an. Kurz darauf schien die Sonne. Ich beineide keinen Meteorologen, der für Bergregionen wie diese hier verlässliche Prognosen abgeben soll. Die ersten 25 Kilometer lief alles einigermaßen normal. Die Sonne schien, etwas links von uns zuckten Blitze durch den schwarzen Himmel und zu unserer rechten war es bewölkt. In L´Aquila war unterwegs noch ein Riesenstau gewesen. Links und rechts schoben wir uns an genervten Autofahrern vorbei. Eine Gruppe Demonstranten hatte die Hauptstraße unverschämterweise blockiert und den Verkehr total zum Erliegen gebracht. Die meisten auf der Demo waren weiblich. Die meisten weiblichen Demonstrantinnen sahen verdammt gut aus. Vielleicht sollte ich häufiger auf Demos gehen. Auf unlesbaren Plakaten stand auch etwas mit "inhumana". Wahrscheinlich demonstrierte man gegen die Radfahrbedingungen in den Bergen. Die Demo schien einem guten Zweck zu dienen. Ich sollte definitiv mehr demonstrieren gehen.

Irgendwann zuckte es unterwegs aber auch über uns und wir schoben ein paar Bissen im Schutz eines Baumes in uns hinein. Böse dunkle Wolken entluden sich über uns und kurz bevor wir anhielten schwebte über einen Kurve hoch über uns ein riesiger Vogel im für uns enormen Gegenwind auf der Stelle. Irgendwie ein phantastisches Bild. Auch ein phantastisches Bild gab wieder die Natur ab. Nicht mehr ganz so spektakulär wie noch gestern aber erneut faszinierend türmten sich die Berge auf, falls man sie durch die von Blitzen durchzuckten Wolken sehen konnte. Oder sich einen aussuchte, der gerade links, rechts, vorne oder hinten im Sonnenschein da lag. Komisches Wetter...

32 Kilometer kamen wir dann weiter durch tolle, bewölkte und sonnige Täler. Mit den Tälern war es aber dann erst einmal vorbei. Mit dem regenlosen Wetter dafür aber auch. Vor der letzten Abfahrt ins Zieltal bot sich der faszinierende Blick auf auf ein Tal, dass zum Teil in der Sonne lag und in dessen Rest es übles Gewitter wütete. Es war ein großartiger Anblick. Entlang der Route komplettierten wir auch noch den 1000 Kilometer der Tour. Frank sagte zwei Mal "Juhu" in die Kamera, ich veranstaltete eine kleine "Sektdusche" mit magnesiumreichen Leitungswasser und wir fuhren weiter. Dieses Mal keine heroischen Fotos wie noch im Vorjahr. 1000 Kilometer? Kinderkacke.

Nach der schnellen Abfahrt in das Tal fielen wir in eine Bar ein wo die übergewichtige Thekenmami viel "no no" brüllte, als ich mein Rad durch die Tür in ihren Laden schob. Ich kaufte ein Eis. Frank kam mit seinem Rad nach. Das "no no"-Geplärre begann von Neuem. Ich verstehe kein italienisch. Auch Frank kaufte sich ein Eis, ich mir eine Tüte billiger Chips die noch wesentlich billiger schmeckten, als sie waren. Das "no no" Geplärre hörte endlich auf, dafür wurde aber ein im Rollstuhl sitzender Jugendlicher angekarrt, der seit zwei Jahren deutsch lernt und sein Können an uns testen sollte. Die Vokabeln für "packt eure verdammten Räder hier heraus!" konnte der zuvor mit Freunden im Hinterzimmer ein Gesellschaftsspiel spielende Typ aber noch nicht. Zum Glück. Ich fand ihn nett. Hoffentlich musste er nicht bei Lidl einkaufen. Alle mittlerweile in der Bar versammelten Dorfältesten starrten uns durchweg an. Einige quatschten uns an. Ich kann kein italienisch. Immer 

Regen links, Sonne rechts...

noch nicht. Einer konnte etwas Englisch und meinte, dass unsere geplante Route unmöglich wäre. Wegen der Berge. Ich sagte ihm, dass wir schon ´drüber kommen werden. Er grinste. Sind wir etwa mit dem Flugzeug oder durch einen Tunnel bis in dieses Tal (über diverse Berge) gekommen oder was? Egal.

Irgendwann fuhren wir wieder los. Mami war froh. Nieselregen hin oder her. Zum Glück wurde es nach ein paar Kilometern wieder trocken, Franks Knie zog aber und er litt leicht unter Motivationsproblemen, so dass wir uns einigten, den Aufstieg nach Sacco und darüber hinaus -- rund 1200 Höhenmeter -- auf morgen zu verlagern. Rollstuhli aus der Bar hatte auch gesagt, dass es bis Sacco auf dem Weg keine Hotels gäbe. In Englisch. Zwei Jahre Deutsch sind eben nicht die Welt.

In Sulanova ging es dann in ein eher übles Motel, mit 45 Euro aber dafür schön billig. Bei so wenig Einnahmen reichte die Kohle natürlich nicht für eine gute Wachtöle. Das Hundevieh vor der Garage hat sich als ich mein Rad hineinrollte kaum bewegt, als ich es herausrollte ein wenig Stretching betrieben, mich angestarrt und verzweifelt versucht, sich selbst in den Schwanz zu beißen, als ich wiederkam. Ich liebe es immer, wenn Hundebesitzer stolz erzählen, wie schlau ihre Wau Waus sind.

Am Abend bin ich noch eben in eine Minimall um die Ecke während Frank MTV guckte und mir erzählend, dass irgendeine Shakira gut aussieht. Geht die auch auf Demos?

Zumindest gab es in der Mall eine ordentliche 50cm-Diameter Familienpizza für 7.72 Euro. Bestehen Familien nicht normalerweise aus mehr als einer Person? Beim Bestellen an der Theke konnte leider niemand Englisch. Ich kein italienisch. Ich zählte irgendeinen Mist auf der mir so vom Italiener um die Ecke einfiel ("Funghi", "Salami"), ab und zu schüttelte die Kassiererin den Kopf und berechnete mir einfach eine "Maxi Fantasia". Klang gut. War aber voller Oliven. Ich hasse Oliven. Vielleicht sollte ich italienisch lernen. Mit etwas Arbeitseinsatz ließen sich aber die Oliven von der ansonsten recht guten Pizza entfernen. Vielleicht hätte ich sie für die Wachtöle einpacken sollen.

Schachbilanz: 2:5:1 (3 von 7 nicht verloren, geht doch!)