Stage 9

Deutschlandtour 2014

Gemünden - Würzburg

 
47,4 Kilometer; 02:50:41 Stunden

        

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke (berntpv@gmx.de

„Sogar die Kinder riechen schon, dass es hier stinkt.“
„Haben Sie das gesagt?“
„Ja, im Vorbeigehen“

…heuer waren es 30 muckelig warme Grad, wir haben ein eher kleines Zimmer in der Jugendherberge (!) Würzburgs, es ist kurz vor acht am Abend, Tür und Fenster sind auf und der Gestank der Radklamotten macht wohl auch vor der Türschwekle nicht halt…ein Traumurlaub! Laut Navigationsgerät immer noch 28.5 Grad im Zimmer

„Wie heißt diese Stadt noch mal?“
Imke nach der Zielankunft, als wir gerade die Jugendherberge suchten – zu viel Sport ist auch nicht gut für den Kopf

Nach einem etwas bedrückend schweigsamen Frühstück im irgendwie nur großen, aber keinesfalls heimeligen Speisesaal des Hotel Imhofs zu Gemünden, in dem nur wenige Tische besetzt waren und niemand lauter als mit 25db sprach,  begannen wir zum ersten Mal seit Damme, wenn Imke Recht hat, einen Tag bei Sonnenschein.

So traumhaft das Wetter bislang auch war, auf das Schema „Wolken am Morgen“, „quasi nie Regen“ „Sommer am Nachmittag“ & „laueSommerabende“ war bislang mehr oder weniger immer Verlass, aber nach der schon eher ekligen Schwitzerei der letzten Nacht begann heute ein strahlender Sonnentag, an dem auch ein letzter Anruf bei der Jugendherberge von Würzburg ein Strahlen auf mein Gesicht zauberte – wie aus dem Nichts war wieder ein Doppelzimmer verfügbar und Halbpension auch kein Problem. Vorbei die Sorgen, wie bei Expedia oder HRS gesehen eine bestenfalls mittelmäßige Behausung für 100 Euro nehmen zu müssen – ein Doppelzimmer mit Etagenbad und Buffet am Abend und auch morgen Früh – das für 70€ und in absoluter Toplage am Fuße der Marienfestung in Würzburg – fein!

Auf dem Rad war der Tag selbst dann mehr oder weniger ein Kinderspiel. Imke kam zwar erneut etwas schwer in den Tritt, überraschte dann aber damit, dass sie in meinem Windschatten ständig die Rolle der treibenden Kraft einnahm und mich – sehr wohlwollend – immer wieder dazu drängte, uns die letzten 15 Kilometer nach Würzburg mit 22-25 km/h den Main entlang zu ziehen. Der Wind war uns zwar nur wenig zugeneigt, was den Windschatten für Imke nur noch freundlicher werden ließ, aber die nur knapp 50 Kilometer flutschten troz der späten Abfahrtzeit von zehn Uhr nur so dahin.

Die Sonne schien, der Radweg war zu 95% fein asphaltiert und der Fahrradverkehr nahm wahnsinnig zu, so wie man es seit dem Weserradweg nicht mehr gesehen hatte. Konsequenterweise grüßten sich die Radfahrer, uns eingeschlossen, nicht mehr, da man alternativ nach weniger Kilometern heiser wäre. Wir trafen allerdings erneut zwei Radler, die wir auf der Etappe nach Gemünden etwa 20 Kilometer vor dem Ziel zum ersten Mal sahen, als bei „seinem“ Rad, einem schicken Cube Tourenrad, der Vorderreifen platt war. Gestern Abend in Gemünden trafen wir sie auch noch wieder beim Abendbummel und heute dann 10 Kilometer vor Würzburg in einem Café, wo wir pausierten und sie sich spontan zu uns gesellten.

...Beifall bei der Zieleinfahrt der Bayernrundfahrt - aber für uns interessierte sich keine Sau...

Es wurde dann eine ganz nette Unterhaltung, in der die beiden davon berichteten, den hessischen Bahnradweg abgespult zu haben – die erste längere Fahrradtour seit vielen Jahren. Nun, die eigenen Kinder sind mittlerweile 12 und 15 Jahre alt und brav in Ferienlager abgeschoben, ist endlich wieder Zeit für ein Fahrradabenteuer. Aber auch von unserer Tour waren sie ordentlich angetan, warnten uns aber schon vor dem zu erwartenden Massentourismus in Rothenburg ob der Tauber, denn „Neuschwanstein, München und Rothenburg ob der Tauber“ wären die drei Pflichthaltepunkte aller ausländischen Touristen auf Süddeutschlandtour – und dementsprechend sei es auch kaum überraschend, dass die Jugendherberge  in Rothenburg auf Wochen hinaus ausgebucht ist und es auch sonst recht schwer fällt, dort im Hochsommer eine Übernachtung ergattern. Dies ist uns zwar gelungen, da ich am Ende einer elendigen Suchprozedur bei Expedia noch ein Hotelzimmer finden konnte, aber das uns die Nacht in Rothenburg 135€ kosten wird, ist auch nicht optimal.

Auch in Würzburg war die Zimmersuche, wie bereits berichtet, alles andere als einfach gewesen, wobei eine der Hauptursachen zweifelsohne die heutige Ankuft der „Baynertour 2014“ sein dürfte, einer Fahrradtour für Jedermann mit rund 1500 Teilnehmern quer durch Deutschlands Süden. Neben der Zieleinkunft gab es für die Radler auch noch ein Open-Air-Konzert von Chris de Burgh, zu dem 15.000 Tickets verteilt worden waren. Berücksichtigt man dann, dass die Stadt selbst nur 125.000 Einwohner zählt, ist klar, weshalb Betten heute Mangelware waren.

Das Konzert gab es für uns aber nur in Form über den Dächern der Stadt schwingender Schallwellen, da wir am Abend entspannt zur Marienburg hinauftaperten, den Ausblick auf das Lichtermeer der Stadt genossen, kein Windhauch den Sommerabend störte, es auch bis um elf Uhr abends zwanzig Grad warm war und ein ordentlicher Spaziergang auch angeraten schien, da das Abendbuffet mit lecker paniertem „Sesamfisch“ doch einen bleibenden Eindruck hinterließ. Nach Abstieg von der Burg waren wir uns dann zwar noch etwas uneins, ob es noch ein Gläschen Wein oder ein Eis in der Stadt werden sollte – und da es überall rappelvoll war, wurde es am Ende gar nichts…