| Stage 6 |
| Schönewalde - Cottbus |
| 91,15 Kilometer; 04:01:06 Stunden |

Tagebuch während der
Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke
( bernty@gmx.com
)
Selbstverständlich spiegelt das Tagebuch lediglich die Meinung des Autors
wieder, so wie es meistens der Fall ist, wenn ein Tour-"Tagebuch"
veröffentlicht wird.
Konnte es (noch besser kommen).
Als ich am morgen auf dem Weg zum Bad die Treppe hinunterstapfte, stand plötzlich ein nett hergerichtetes Frühstückstablett (mitsamt 8 frischer Brötchen und einer Schüssel lecker Quark mit schmackhaften Früchten) vor mir. Konnte das alles noch war sein? Unsere Gastgeber waren bei unserer Abfahrt auch selber noch nicht nach Berlin aufgebrochen, ermahnten uns, bloß nicht mehr als 10 Euro pro Nase zu bezahlen, und wünschten uns dann noch eine gute Fahrt, die wir auch wirklich hatten.
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| Das Überraschungsfrühstück. |
Entgegen allen Erwartungen war Cottbus nur noch etwas mehr als 90 Kilometer entfernt. Der Wind war wie schon am Vortag eine riesige Hilfe und erneut flutschten die Kilometer, dieses Mal bis auf einen ganz kurzen
Schauer komplett trocken und ganz selten
sogar etwas sonnig, erneut nur so dahin und viel früher als erwartet (17:00)
hatten wir Cottbus erreicht.
Nach etwas Spaß am Ortsschild und einer kleinen Triumphfahrt durch die Stadt (ein paar Kinder zu uns (mit Trikots) an der Ampel: "ihr seid doch nicht echt...?") fanden wir auch gleich die recht akzeptable Jugendherberge von Cottbus, machten uns noch einen netten Abend in der auch am Samstag beinahe ausgestorbenen Innenstadt von Cottbus (wahrscheinlich liegt es an der im Osten kaum von der Hand zu weisenden Lokalrezession, aber wenn man in der Fußgängerzone einer größeren Stadt bei Burger King am Samstagabend 60% der Kundschaft ausmacht, ist etwas nicht in Ordnung) und freuten uns ziemlich auf das Spiel am Sonntag.
Leider wurde eben
dieses Spiel am Sonntag (Fotos ganz am Ende dieser Seite)
dann der insgesamt wirklich sehr spaßigen und
kurzweiligen Tour nicht einmal ansatzweise gerecht. Nachdem wir unsere
Fahrräder im Anschluss an einige Diskussionen (der eigentliche VFL-Fanbus war
voll, der Fahrer wusste nichts von Radfahrern) in einen von den VFL Ultras
privat gecharterten Bus verfrachtet hatten, machten wir uns auf den Weg in das
"Stadion der Freundschaft", die Heimat der noch im Vorjahr in der
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| Freude nach der Ankunft in Cottbus. |
Bundesliga kickenden Akteure vom FC Energie Cottbus. Mit uns hatten noch rund
200 weitere VFL-Fans den Weg nach Cottbus gefunden (wenngleich auch
größtenteils auf weniger anstrengende Art und Weise) und wurden von der
Mannschaft dafür wenig belohnt. Relativ schnell erinnerte ich Björn an seinen
Vorsatz, Guido Spork seinen Lenker in den...., falls der VFL verlieren würde.
Dank eines schnellen und nicht unbedingt notwendigen Elfmeters für Energie
stand Osnabrück gleich mit dem Rücken zur Wand, entwickelte überhaupt kein
Spiel nach vorne, fing sich durch einen Glücksschuss das 0:2 und vergab durch
Marcel Schied kurz vor der Pause die einzige gute Torchance des ganzen Spiels.
Hätte es zur Pause 1:2 gestanden, wäre,
wenn... Die zweite Halbzeit bot den
leidenden Fans dann mehr vom Gleichen. Energie trägt das Spiel und erarbeitet
sich fast gar keine Chancen, der VFL spielt mit, macht aber selber noch weniger.
Irgendwann fiel dann das überflüssige 3:0 nach einer Ecke, aber eigentlich war
es auch egal. Gegen den VFL in der Cottbusser Verfassung musste nicht viel getan
werden, um dafür am Ende mit drei wichtigen Punkten belohnt zu werden. Wieso
auch immer, aber beim VFL funktionierte gar nichts und der blanke Abstiegskampf,
eigentlich kein Thema bis zur zweiten Saisonhälfte, scheint nun schon nach
wenigen Spieltagen zu beginnen. Ängstlich erinnert man sich an vergangene
Zweitligazeiten, als 10 Punkte in der Hinrunde am Ende nicht mehr zu
kompensieren waren und es nach einem Jahr schon wieder in die dritte Liga ging.
Zwar sieht es im Moment noch minimal besser aus (so 15 Punkte könnten es schon
werden), aber wenn nicht bald Chancen verwertet werden (meistens ein Problem,
heute nicht; es gab keine Chancen) oder auch mal etwas Glück ins Spiel kommt,
darf man sich schon sehr bald wieder auf die dritte Liga einstellen. Eine Woche
nach der Niederlage in Cottbus stand für den VFL anschließend das wichtige
Spiel gegen den Mitaufsteiger Erzgebirge Aue auf dem Programm, welches
mittlerweile auch stattgefunden hat. Auch hier verlor der VFL wieder 0:1, hat
seit drei Spielen kein Tor geschossen, ist Vorletzter der Tabelle, hat die
wenigsten Treffer der ganzen Liga und immer noch 10.700 Zuschauer beim
Heimspiel. Vielleicht reißt die Mannschaft das Ruder noch einmal herum, wie
Frank Pagelsdorf im Anschluss an die gestrige Niederlage beinahe verkündete,
vielleicht ist dies aber auch bald nicht mehr sein Problem.
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Der traurige Part....
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Etwas spektakulär war im Anschluss an das grausame Spiel noch die Busrückreise mit den Ultras nach Osnabrück, die zumindest zum Teil ein besorgniserregendes Verhalten an den Tag legten. Zwischen unseren leicht reizbaren Busfahrern (die jedoch zum Problem beitrugen und munter Bier verkauften) und den teilweise arg angetrunkenen Fans kam es zu diversen Wortgefechten, deren Höhepunkt es dann war, dass ein offensichtlich geistig auf der Primatenstufe stehengebliebener Fan des VFL den Busfahrer lautstark als "Wichser" anbrüllte (genauer genommen "halt das Maul, du Wichser") nachdem der Busfahrer die Fans einmal wieder aufforderte, zumindest minimale Benehmensregeln einzuhalten, die Beleidigung aber selber niveauvoll über das Mikrofon mit einem "Komm mal nach vorne, dann zeige ich dir, wer ein Wichser ist" konterte). Am nächsten Parkplatz hatten wir endlich vollkommen zu Recht die Polizei am Bus. Recht und Ordnung konnte nicht schaden. Ein ebenfalls bestenfalls mit einem hoch unterdurchschnittlichen IQ beseelter VFL-Fan hatte zuvor auch schon mich und Björn angesabbert sowie meinem Bruder Schläge angedroht. Ich hätte ihn gerne aus dem Bus gesehen. Natürlich meinte einer der kameradschaftlichen Ultras zu mir, dass ich ruhig sein sollte, als die Polizei mit zwei Streifenwagen am Bus war.
Auch gab es Stress, da die Busfahrer uns ohne Absprache mit den Ultras mitgenommen hatten, was ich auch verstehen konnte. 1080 Euro hatten die Ultras für den Bus bezahlt, wir hatten den Busfahrern jeweils 14 Euro gegeben. Für uns war das Ganze natürlich gut, die Ultras fühlten sich hingegen zum Teil leicht verschaukelt. Natürlich könnte man von richtigen Hardcore-Fans ein wenig Loyalität gegenüber mühsam radelnden Fans erwarten, aber davon muss ja nicht ausgegangen werden. Am Ende teilten sich die Fahrer und die Ultras unser Fahrtgeld, was für alle ein akzeptabler Deal sein dürfte.
Zwischenzeitlich schien es allerdings auch so, als würden einige der Ultras darauf bestehen, dass wir den Bus verlassen sollten, was der Busfahrer aber dadurch verhinderte, dass er sagte, dass in diesem Fall auch vier Ultras den Bus sofort zu verlassen hätten ("an der nächsten Autobahnhaltestelle steigen die vier dann auch aus!"). Die vier (oder fünf) hatten nämlich zuvor in Cottbus den Bus eigenmächtig weit vor dem Stadion durch die hintere Bustür verlassen (die der Busfahrer nicht geöffnet hatte, ein wenig Gewalt schadet in Ultrakreisen wohl nie). Anzumerken ist hierbei, dass die Bande (wohl zu Recht) mit einem Stadionverbot versehen war und der Staatsgewalt am Stadion irgendwie entkommen wollte. Wenn man solche Geschichten hört, muss man sich wirklich fragen, mit was für einem Pack man es bei einem Teil der Fußballfans wirklich zu tun hat. Auch die wenig überzeugende Argumentation einiger Ultras, dass sie den Bus schließlich gemietet hätten und selber bestimmen dürften, wo und wann sie aussteigen, schien wenig von Intelligenz beseelt. Schließlich, auch hier mal wieder ein Zitat, "Sollen die (scheiß) Busfahrer ja nur fahren und ansonsten die Schnauze halten, denn wir haben den Bus bezahlt und können ja wohl selber bestimmen". Ich versuche mir gerade vorzustellen, dass der VFL eines Tages in der Champions League spielt, die Ultras ein Charterflugzeug nach Madrid nehmen und ebenfalls auf diesem Recht bestehen...
Sicherlich gibt es auch in den Reihen der Ultras viele friedliche Fußballfans, die zufrieden oder unzufrieden (je nach Spielausgang) ihr Bier trinken und keiner Fliege etwas zu Leide tun, aber leider gibt es halt auch überproportional viele Idioten, für die man einfach beim besten Willen kein Verständnis mehr zeigen kann. Pöbeleien, vorsätzliche Sachbeschädigung, Belästigung und noch mehr haben sie auf dem Kasten, dafür aber wohl wenig in der Birne. Ich weiß auch gar nicht, ob es diesen Spacken wirklich um Fußball geht.
Sicherlich sind sie es, die zum Teil im Stadion die richtige Stimmung machen, wenn dies aber mit dem Preis unzähliger frei ausgelebter Verhaltensstörungen einhergehen muss, wähne ich mich lieber auf der "Scheiß Tribüne" oder sonstwo. Oben schon erwähnte Sabbernase fing im weiteren Verlauf der Busfahrt auch noch an wie bekloppt an seinem Stuhl zu reißen bzw. diesen zu treten, nachdem er per Handy erfahren hatte, dass er morgen arbeiten müsste. Auch für den Chef gab es dabei wenig gute Worte. Wenig gute Worte kombiniert mit einiger Aggression und einer wohl auch schon im nüchternen Zustand wenig guten Sprache. Manchmal war die Busfahrt geradezu lustig. Einen Kommentar erspare ich mir besser.
Ich weiß auch gar nicht, wie die Spieler auf diesen Haufen Idioten reagieren, gab es doch nach dem Spiel auch wieder Pöbeleien zwischen einigen Ultras und den Spielern des VFLs. Zwar versuchten wiederum andere Ultras die Streithähne zu trennen (also die bekloppten VFL-Fans vom Zaun wegzuzerren), aber wenn man dann als Spieler auf dem Feld steht, muss man wirklich schon sehr professionell sein, um sich nicht beinahe noch "über die besten Fans der Liga" tot zu lachen. Oder sich zu fragen, von wem man sich eigentlich feiern lässt, wenn es mal besser als in Cottbus läuft.
Ich kann jetzt auch insgesamt nicht sagen, ob der typische Fankurvenfußballfan unterdurchschnittlich weit denken kann oder ob ich nur weitestgehend in meinem nicht-VFL-Leben mit nicht repräsentativen Menschen zusammen bin, also will ich die Fans hier nicht zu sehr an den Pranger stellen.
Auch in vielen Prolldiskos oder Schlagerkneipen gibt es genug Muskelshirtasis, deren Verhalten sicherlich auch von beschränkten Gedankengängen und animalischen Verhaltensweisen geprägt ist, die große Probleme haben, einen Satz mit mehr als sieben Wörtern fließend zu artikulieren und ihre Sätze geschickt mit "ey" und ähnlichen Füllwörtern aufpolieren (das deutschen Nachtmittagsfernsehprogramm könnte wieder den Schluss zulassen, dass genau dieses Verhalten insgesamt wieder normal ist). Ab wo es also wirklich objektiv betrachtet schwachsinnig wird, vermag ich nicht zu sagen. Für den Fall, dass dies normal ist, wäre ich aber wiederum elitär, was einigermaßen selbstkritisch betrachtet auch kaum in Frage kommt.
Vor einiger Zeit hatte ich einmal eine ziemlich interessante Kolumne auf den Internetseiten des amerikanischen Sportsenders ESPN gelesen, in der die These aufgestellt wurde, dass richtigen Sportfans irgendetwas im Leben fehlt. Als Ideal wurde hier natürlich die funktionierende Familie, normale und nicht fanatisch dominant ausgeübte Hobbies und ein erfüllender Job (bzw. Studium/Leben) angelegt, ein Ideal, das sicherlich nicht dem eigentlichen Ideal aller Menschen entsprechen muss (würde sonst ja auch ein langweiliger gesellschaftlicher Einheitsbrei). Der Kolumnist kam dann zu dem Schluss, dass in vielen Fällen das Leben eines fanatischen Sportfans um so weiter von diesem Ideal entfernt ist, desto fanatischer er seine kaum rationale Vereinsliebe auslebt. Ziemlich überzeugend wurde dargelegt, dass zwar im Leben eines jeden Menschen genug Zeit für das Unterhaltungsprodukt "Profisport" vorhanden ist und es auch auf keinen Fall verwerflich ist, einen Samstagabend mit einem Spiel der New York Rangers gegen die Philadelphia Flyers zu verbringen (an dem ESPN auch die Rechte hält), ein nur noch von "meinem Verein" geprägtes Freizeitleben jedoch zunehmend mit Defiziten in anderen Bereichen einhergeht.
Wer nur noch an seinen Verein denkt, mit seiner Mannschaft reist, mit den Resultaten leidet und die Spieler als "seine" Spieler betrachtet befindet sich, mit etwas Distanz betrachtet, in der verqueren Lage, seinen generellen Gemütszustand an das Wohl einer Mannschaft zu heften, für die er in den allermeisten Fällen vollkommen egal ist und die in ihrem Wesen (als kommerziell geführter Profiverein auch zunehmend diesseits des Atlantiks) vollkommen unpersönlich und ortsungebunden ist.
Ohne es allzu böse zu meinen, aber wenn man zum Beispiel Fan vom BVB ist und schwarzgelbes Blut in den Adern hat, könnte man auch genauso gut Fan von Lidl sein (dies würde zumindest einem aus dem Weltraum fallenden Außerirdischen als einigermaßen gleich logisch erscheinen). Mit einer ziemlich spannenden Expansionspolitik versucht Lidl nämlich, Aldi von der Marktführerschaft zu verdrängen, feiert einen Erfolg nach dem anderen und verfolgt hierbei, ähnlich wie der BVB, lediglich das Ziel der Gewinnmaximierung für die Aktionäre. Vielleicht würde sich die Aktie Lidls besser entwickeln als die vom BVB, aber ich kann sie mir schon vorstellen, die Lidl-Ultras. Gemeinsam gehen sie einkaufen, singen lustige und zumeist auch beleidigende Lieder, bezeichnen Regaleinräumer von Aldi als "Arschloch, Wichser, Hurensohn", prügeln sich vielleicht manchmal noch in bester Kameradenmanier mit Aldi-Ultras, feiern jeden in den Ruin getriebenen Konkurrenzladen und unterscheiden sich nur herzlich wenig von Fußball-Ultras.
Seine Emotionen, seine Freizeit und sein Geld für das Schicksal einer AG herzugeben erscheint einfach wenig rational, und mehr sind viele Profivereine einfach nicht mehr. Sicherlich ist ein Verein wie der VFL lange in Osnabrück verwurzelt und Teil der Stadtgeschichte, Teil der eine Gemeinschaft prägenden Kultur und kollektiven Erinnerung, stets bestens funktionierendes Gesprächsthema und gute Unterhaltung, aber wer in dem wie ein Unternehmen geführten Verein wesentlich mehr sieht, gar einen dominierenden Lebensinhalt, verschließt die Augen vor der Realität.
Natürlich hat der eigene oder lokale Fußballverein (oder die Fußball-AG) auch soziale Funktionen, die aber meistens nicht von diesem ausgehen sondern beim Konsum ausgelebt werden. Kein großer Unterschied zum Kino. Man trifft sich mit seinen Freunden, hat gemeinsam einen netten, spannenden Tag oder Abend und freut, sich wenn das lokale Fußballunterhaltungsprogramm, bedingt durch Aufstiege oder erfolgreiche Pokalergebnisse, attraktiver wird. Hier aber sollte man vielleicht auch den Schlussstrich der Zuneigung legen. Und genau hier versagen meiner Meinung nach viele Ultras oder andere richtige Fans einer Mannschaft, eines Vereins. Man kann vollkommen problemlos Fußball-, Basketball- oder Eishockeyfan sein, aber kann man denn wirklich Fan einer Mannschaft sein, die alle paar Jahre vollkommen ihr Gesicht wechselt (und von da an so manchen eigenen damals geliebten Exspieler als Arsch titulieren; siehe Ansgar Brinkmann) und eindeutig nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten "betrieben" wird?
Sicherlich kann man mir jetzt vorwerfen, systematisch-rational das liebste Hobby von 50% aller Deutschen auseinander zu nehmen. Das will ich aber gar nicht. Wenn man die Welt vollkommen desillusioniert sieht, bleiben nur noch wenige Gründe, am nächsten Tag aus den Federn zu kriechen. Ich möchte aber nur, geprägt durch die Eindrücke einer etwa neunstündigen Busfahrt in einem Bus voller Ultras und dem Besuch unzähliger Sportveranstaltungen im Laufe vieler Jahre, zu etwas Vernunft aufrufen. Ich möchte auch, dass eindeutig nicht tolerierbares Verhalten wie jenes einiger VFL-Fans nach dem Spiel (und dies kommt bestimmt bei jedem Verein nach jedem Spiel in irgendeiner Art vor) nicht nur deshalb toleriert wird, weil ja schließlich ein Spiel war, die Jungens ein wenig getrunken hatten und ja eigentlich nichts passiert ist. Ich will nicht angesabbert werden, will nicht mit Steinen beschmissen werden (schöne Grüße an die Fußballfans aus Essen), will mich nicht vor dem Stadion abtasten lassen als würde ich versuchen in die USA einzureisen. Im Kino, in der Disko oder im Theater geht es doch auch wesentlich kultivierter, wobei, huch, habe ich da gerade einen kleinen Beweis für das nicht repräsentative Wesen der Fußballfans geliefert?
Die sportlichen Darbietungen der Unterhaltungsdienstleistungsunternehmen Fußball sollten, sofern sich der Fußballfan nicht selbst als tendenziell anormal bezeichnen will, genauso besuchbar oder meinetwegen auch "konsumierbar" sein wie andere Zusammenkünfte menschlicher Massen. Auch dem Fußball zuliebe. Ich weiß auch, dass dies in anderen Ländern nicht zwangsweise besser ist und vielleicht ein generelles Problem darstellt (gerade heute habe ich wieder von einer Schlacht in einem italienischen Stadion gelesen, die für einen Hooligan im Kampf gegen die Polizei tödlich ausging), aber vielleicht kann ja jeder ein bisschen probieren, die Osnabrücker Ränge ein kleines bisschen kultivierter werden zu lassen, als es anderorts der Fall ist.
Wie viele Fußballfans müssen sich denn auch in ihrem Privatleben des Häufigeren einmal für ihre Liebe zum Fußball vor meist weiblichen Lebenspartnern rechtfertigen, die dem Ganzen (da sie für die Illusion nicht so empfänglich sind) wesentlich weniger abgewinnen können und Fußballfans sowieso schon einmal als ein bisschen idiotisch abstempeln? Ich stelle mir auch gerade einmal vor, dass meine Freundin bei besagter Busfahrt dabei gewesen wäre. Wären Fußballfans, auch die Ultras, weitestgehend das, was man als normal betrachtet, wäre hier kein sonderliches Problem. Ist es aber doch. Ohne hier wieder alle Ultras aus besagtem Bus anzusprechen, muss ich doch berichten, dass ein Teil der Busladung das Aufkreuzen einer jeden Frau mit lauten "Busen Busen" Sprechchören begrölten (zumeist an Autobahnraststätten) und auch ein Fußballfan, der meines Wissens nach nicht im Ultrabus sondern im "normalen" Bus saß, stolz viele zumeist lila-weiße Schals trug, von denen einer eine blonde und am überdimensionierten Oberkörper unbekleidete Frau zeigte. Bedruckt war das künstlerische Meisterwerk dann mit dem Spruch "Deutsche Frauen". Sicherlich wurde auch dieser Schal nicht in Einzelanfertigung hergestellt.
Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben über Erlebnisse, die mich an meiner Fußballliebe zweifeln lassen. Das Problem der Hooligans oder leicht radikalen Fans (die es in der Ostkurve Osnabrücks auch gibt, so wie in vielen anderen Stadien ebenfalls) lasse ich einmal außen vor, möchte aber auch hier wieder darauf hinweisen, dass auch nicht akzeptables Verhalten (Ausschwitz-Gesänge) im Stadion wesentlich eher "akzeptiert" wird oder ungestraft bleibt, als in der "normalen" Welt. Gerade hier war es auch wieder bezeichnend, dass ich (in der letzten Zweitligasaison, damals häufiger in der Ostkurve) von einer kleinen Gruppe mit relativ einheitlichen Kurzhaarfrisuren erstmals Ausschwitz-Gesänge vernahm, als ich zum ersten mal einen türkischen Freund mit ins Stadion nahm, der zuvor noch nie beim VFL war. Der Ersteindruck war natürlich perfekt. Etwas Ähnliches gab es auch wieder bei der nun schon sehr oft erwähnten Busfahrt von Cottbus nach Osnabrück zurück, als ein leicht angetrunkener Vaterlandsheld im Rahmen einer kleinen Diskussion meinte, dass Deutschland noch stolz auf Typen wie ihn wäre, wenn die Türken irgendwann einmal einfallen. Sicherlich mag der konsumierte Alkohol die geografischen Kenntnisse des schon über das pubertäre Alter hinausgewachsenen Helden beeinflusst haben, aber kann so etwas denn wahr sein?
Trotz allem bin und bleibe ich VFL-Fan, nur eben halt auf eine etwas andere Weise, als viele andere im Stadion oder in den lautstarken Fankurven der Nation. Viel Spaß beim nächsten Spiel!
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Oben:
Spielereinlauf im Stadion der Freundschaft; noch durfte man auf eine
attraktive Partie hoffen...
...die es dann aber nur für die Herren und Damen im linken Foto gab. Energie Cottbus gewann mit 3:0... |
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Zweites Frühstück im Stadion für Jens und mich. |
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...und nur kurz nach dem Anpfiff schon das 1:0 durch Elfmeter. |
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6,50 Euro, nett... |
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Einige der VFL-Spieler am Zaun nach der Partie und kurz vor Beginn übeler Pöbeleien. |