Stage 5
Gommern - Schönewalde
115,4 Kilometer; 05:04:51 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Ja wie war denn das Wetter am morgen? Regen..., was denn sonst...

Anfangs verzögerte sich unsere Abfahrt aus Gommern allerdings noch um einige Zeit (zumindest für mich), da wir nach der gestrigen Kurzetappe vereinbart hatten, heute schon um 9:30 aufzubrechen. Das dieses Vorhaben auch Konsequenzen für das eigene Verhalten haben muss schien nicht dem gesamten Teilnehmerfeld bewusst zu sein (vielleicht eher Taschen packen, vielleicht auf SMS verzichten und so weiter). Genüsslich Terry Pratchetts "Pyramids" lesend wartete ich also darauf, dass Jens zu guter letzt noch seinen Gepäckträger reparierte, der schon am Vortag ständig gequietscht hatte (Schraube war ausgerissen). Weshalb dieses Problem dann natürlich erst a) nach 9:30 und b) nicht schon am Vorabend in Augenschein genommen wurde wirft einige Fragen auf. Außerdem beißt es sich ein wenig mit der Angewohnheit des betreffenden Fahrers sich immer über zu lange oder zu häufige Pausen zu beschweren. Aber eigentlich ist es ja auch egal, schließlich ist Cottbus auch nur noch 214 Kilometer (und maximal zwei Tage) entfernt, da muss man ja bisherige Fahrtleistungen (Kilometer pro Tag) kaum steigern, oder?

Zumindest fuhr es sich anschließend relativ einfach, da wir neben einem leichten Regen auch noch mit ordentlich viel Rückenwind ausgestattet regelrecht über die Lande flitzen. Mit dem Regen war es nach einer Pause in Wittenfeld (nach ca. 40 Kilometern) auch vorbei, wenn man einmal von kurzen Nieselsequenzen absieht. Schneller als je zuvor kamen wir voran mit Stundenleistungen von 23.6, 22.1, 22.9 und 24.1 Kilometern, bevor wir gegen Ende des Tages etwas langsamer wurden. Da wir uns zu allem Überfluss sogar nicht einmal verfuhren, kaum Karten konsultieren mussten, keine großen Städte durchfuhren und bei Björns Rad nur einmal die Kette absprang waren wir auch schon ziemlich früh (ca. 18:30) im Zielort Schönewalde, wo wir zuerst etwas Probleme hatten ein Nachtquartier zu finden. In einem Gasthaus (optisch wenig vorteilhafte Mami hinter der Theke, Dorfalkis in der holzdominierten Kneipe) war angeblich das letzte Zimmer gerade vergeben worden, in einem anderen Gasthaus (optisch wenig vorteilhafte Mami hinter der Theke, noch mehr Dorfalkis in der spartanisch holzdominierten Kneipe) war ebenfalls nichts frei. Zumindest riet man uns noch bei einer Pension um die Ecke zu fragen, wo wir dann, vorsichtig gesagt, einen absoluten Volltreffer landeten.

Zuerst sagte man uns zwar, dass alle Wohnungen schon vermietet seien, schlug dann aber vor, uns vielleicht ein ausgebautes Dachzimmer mit zwei Betten und einer Schlafcouch zu vermieten. Natürlich wäre das Zimmer nicht gerade supertoll, es wäre auch verständlich wenn wir es nicht wollten, über den Preis könnten wir später reden (erst mal angucken) und so weiter. Größtes Unheil erwartend stapften wir die Treppen hinauf und fanden uns sogleich in einem nett ausgebauten Dachgeschoss wieder. "Das nehmen wir sofort", dachten wir uns und wollten wissen, an wie viel Kohle man denn denken würde. "Wir machen einen Freundschaftspreis; was würdet ihr denn zahlen?", fragte man uns. Jens hatte "50" im Kopf, ich wollte "40" vorschlagen (mit schlechtem Gewissen, aber einen Versuch wäre es ja wert) und Björn brachte unsere Gastgeberin dazu, zuerst einen Preis zu nennen. "Ist 10 pro Bett in Ordnung?", fragte sie uns.

Geschwind zogen wir ein, schoben die Fahrräder in die Garage und bekamen prompt die nächste Überraschung serviert. "Habt ihr noch etwas zu essen?", wurden wir gefragt. "Nicht wirklich viel", war die ehrliche Antwort, die prompt mit einem "wir haben heute noch ein paar Steaks gekauft, wenn ihr wollt, könnt ihr euch die im Garten auf den Grill schmeißen" beantwortet wurde. 10 Euro, Steaks, Garten, grillen? "Morgen früh können wir euch leider kein Frühstück machen, da wir schon früh mit unserer Tochter nach Berlin müssen. Um die Ecke ist aber ein Bäcker", sagte man uns auch noch, aber noch nach einem Frühstück zu fragen schien wirklich zu vermessen. Vor allem da es zu den Steaks auch noch Bier für Björn und Brot für uns alle dazu gab.

Irgendwie konnten wir nur noch grinsen oder ungläubig den Kopf schütteln als wir nahe brutzelnder Steaks im Garten saßen und uns von den 115 Kilometern des Tages entspannten. Björn und Jens hämmerten SMS über die grandiose Übernachtung in die ganze Welt und  ich döste vor mich hin. Nur noch 100 Kilometer bis Cottbus, superbillige Übernachtung, lecker Futter, cooles Zimmer. Konnte es noch besser kommen?