Stage 4
Schöningen - Gommern
76,97 Kilometer; 04:04:17 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Und es regnete und es stürmte. Und es stürmte und es regnete. Und irgendwann ward es morgen geworden. Und regnete. Regnete. Regnete. "Ich würde mich in den Zug setzten", meinte der Jugendherbergsvater/betreiber/rezeptionist zu uns, bekam ein Grinsen von uns als Antwort und los ging es durch den strömenden Regen. Vor der Jugendherberge angebrachte Blumenkästen waren randvoll mit Wasser gefüllt, auf vielen Straßen lagen vom Wind abgebrochene Äste oder tonnenweise heruntergewehte Äpfel herum und so mancher vorbeifahrender Lastwagen saute uns noch einmal ordentlich mehr ein, als es der graugraue Himmel sowieso schon tat. Björns (lange) Jeanshose war sofort total durchnässt, rattenkalt und tonnenschwer, ein kaltharter Wind blies uns abwechselnd aus allen Richtungen an und 15 Grad waren es auch nicht. Besonders bezeichnend war eine kurze Abfahrt, bei der man trotz guter Tretleistung nicht mehr als 15 km/h gegen den Wind fahren konnte; alles in allem war es eigentlich total bescheuert, heute Rad zu fahren. Hat aber Spaß gemacht...

Anfangs passierten wir auch relativ problemlos den Todesstreifen, sieht man einmal davon ab, dass mein Rad sofort vom Wind umgemäht wurde als ich abstieg um ein Foto zu machen. Zum Glück wurde das Wetter im Laufe des Tages jedoch noch einmal besser und bei unserer Pause in Magdeburg, wo man ganz nebenbei jedes zweite Haus kaufen oder mieten kann, konnte man schon fast von stabil trockenem Wetter sprechen. Ich habe von Magdeburg aus auch noch eine Postkarte geschickt auf der Allerlei schöne Motive aufgedruckt waren. Wo genau dieses Propagandamaterial entstanden ist kann ich leider nicht sagen, denn alles was ich von der Stadt gesehen habe kann einfach nur als absolut trostlos beschrieben werden. Eine ausgestorbene Fußgängerzone praktisch ohne Fußgänger, viele Geschäfte, die offensichtlich Bretter oder leere Papierflächen verkaufen, da die Schaufenster damit voll sind und marode Plattenbauten soweit das Auge reicht. Björn meinte noch irgendeinem verquerem Gedankengang nach das er unter Umständen immer noch lieber hier als in Oldenburg wohnen würde, wo ich im Moment wohne, aber als alteingesessener Magdeburger würde ich es meinen Freunden gleich machen und abhauen.

Bis nach Dessau schafften wir es am Ende nicht mehr ganz, auch wenn wir es vorher eigentlich geplant hatten. Das katastrophale Wetter war zum großen Teil Schuld daran, dass wir insgesamt kaum vorankamen. Björn moserte über seine den ganzen Tag über nasskalte Jeanshose (die Regenhose für 10 Euro gleich in Lüstringen am ersten Tag wäre wohl kaum so schlecht gewesen), wirkte ziemlich fertig mit Gott und der Welt und schaffte es dann doch noch bis nach Gommern (kurz hinter Magdeburg), wo wir dann in einer Jugendherberge ganz ohne schreiende Kinder eincheckten. Geschlaucht waren wir am Ende aber doch alle, denn obwohl die ganze Radlerei unter den oben beschriebenen Umständen trotzdem noch Spaß gemacht hat waren alle irgendwie physisch sowie auch psychisch platt. Passend dazu fällt mir noch ein Zitat von unterwegs ein:

Jens (nach einer Pause): "vor allem am Anfang ist es schwer"

Wie jedes Jahr (oder bei jeder Tour) erwies sich am Ende nasser Tage einmal wieder der Fön als bester Freund des Radlers.


Björn: "Eigentlich nicht. Die ersten drei Meter sind voll einfach, danach könnte man wieder Pause machen."

Als gute Nachricht des Tages gibt es noch zu vermelden, dass Björns Vater mit dem VFL Osnabrück telefoniert hat. Bislang war unsere Rückreise von Cottbus noch ein kleines Problem, da am Sonntag kein Zug mehr zurück nach Osnabrück fährt. Im Notfall wollten wir dann nach dem Spiel nach Berlin fahren, vielleicht im Hard Rock Cafe Nachos mampfen und am Montag per Bahn nach 

Hause zurückkehren. Björns Vater hat es allerdings geschafft, dass man uns mit einem Fanbus zurücknehmen wird. Ich hatte auch schon zuvor beim zuständigen Busunternehmen angerufen, war dabei aber nur auf Ablehnung für Fahrräder gestoßen. Vielleicht hätte ich mich mit dem Problem so wie Björns Vater gleich stumpf an Lothar Gans (Manager des VFL) wenden sollen und nicht direkt an das Busunternehmen, aber Hauptsache wir kommen am Sonntag (nach dem Sieg!) noch nach Hause.