| Stage 1 |
| Osnabrück - Porta Westfalica |
| 74,42 Kilometer; 03:35:47 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Strömender Regen erfreute mich schon früh am morgen des Tages
unserer Abfahrt. Stundenlang strömte es aus allen Wolken und hatte auch kein
Erbarmen als ich um etwa halb zwei am Mittag zum Osnabrücker Hautbahnhof
losradeln musste, wo Björn mit dem Zug aus Düsseldorf ankommen würde.
Kurzfristig hatte ich zwar darüber nachgedacht, erst am Dienstag loszufahren,
Björn lachte
allerdings trotz des prasselnden Regens nur über diesen Vorschlag
und Brötchen mampfend warteten wir erst einmal auf Jens, dem einmal wieder etwa
eine Stunde vor Radtourbeginn eingefallen war, dass der Besitz einer Regenhose
von Vorteil sein könnte. Und
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| Das letzte Foto vor der verregneten Abfahrt. |
natürlich noch (mit dem Auto) irgendwo in Osnabrück herumdüste als wir eigentlich schon vom Bahnhof aus losfahren wollten. Eine Regenhose fand er dabei allerdings auch nicht und kam dann schon ziemlich nass und ziemlich spät zum Hauptbahnhof nach. Björn unterhielt die Massen unterdessen in Anbetracht meiner ganz ordentlichen Regenkleidung mit Regenschutzmaßnahmen à la "old school": Eine Frankfurter Rundschau wurde wenig liebevoll in die kurze Hose gestopft um diese regensicherer zu machen; ein wenig geeignetes Mittel bei Wetter wie an diesem Montag. Auch hier hätte eine Regenhose geholfen, aber wir sind ja alle über 18 und für uns selber verantwortlich.
Nach etwas mehr als zehn Kilometern waren Björn und Jens nicht
nur ordentlich nass sondern sogar noch wesentlich nasser als sie sowieso
befürchtet hatten. Björns Regenjacke war viel, nur nicht wasserdicht. In den
Schuhen der beiden schwappte das Wasser (was sich mit ein paar Mülltüten um
die Füße geschickt verhindern ließ oder hätte verhindern lassen) und die
Laune war, vollkommen überraschend, immer noch eigentlich bestens. Björn
monierte zwar ein bisschen, dass seine wasserdichten Schuhe im Moment ziemlich
kontraproduktiv wären, da das Wasser nun von oben in sie hineinlaufen könnte,
dann aber keinen Weg mehr aus
den wasserdichten Schuhen hinaus hätte und Jens
stellte triumphierend fest, dass seine neue 10-Euro-Regenhose ihren Job genauso
gut tat wie mein wesentlich teureres Exemplar.
Nach etwas mehr als dreißig Kilometern gab es dann leider die erste richtige Zwangspause. Björn hatte einen Platten an seinem geliehenen Rennrad und fluchte sowieso schon ein wenig über das überraschend hügelige Terrain. Im leichten Regen flickten wir
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| Tüten ersetzten im Laufe der Etappe auch schon mal die Socken... |
den Reifen, wurden von einer pflicht- und ordnungsbewussten Oma bei beinahe gar keinem Verkehr und gar keinen Fußgängern darüber informiert, dass Fahrräder nicht auf den Radweg gehören (wohl auch nicht einmal während des Flickens und auf den Kopf gestellt) und radelten irgendwann endlich weiter. Sonderlich weit kamen wir allerdings nicht, da Björn andauernd mit abfallendem Druck auf beiden Reifen zu kämpfen hatte und nach 65 Kilometern einmal wieder ein Reifen platt war. Unser anvisiertes Rinteln war allerdings noch nicht direkt um die Ecke...
Da verzweifelte Flickversuche nicht halfen und eine auf der
anderen Straßenseite liegende
Pension angeblich voll war (vielleicht hätte ich
die Mülltüten von den Schuhen nehmen sollen als ich in die Gaststädte
marschierte um zu fragen) fuhr ich schließlich gegen etwa halb zehn alleine mit
dem Fahrrad in Richtung Porta Westfalica vor um noch irgendein Nachtlager klar
zu machen. Jens und Björn verbrachten die Zeit damit Björns Rad über die
dunkle Landstraße hinter mir her spazierenzuschieben. Nicht ganz ohne Grund
fragte man sich zu diesem Augenblick ob wir mit dem Rad überhaupt noch einmal
in Cottbus ankommen würden...
Am Ende landeten wir für echt saftige 24 Euro in einem Art Bed&Breakfast. Der Betreiber des Ladens bot Jens und mir noch an uns zu einem Imbiss im Dorf zu fahren, der jedoch leider schon geschlossen hatte. In bester Schottlanderfahrung fragte ich ihn dann ob wir vielleicht bei einer noch geöffneten Tankstelle ein paar Pizzas kaufen könnten um sie bei ihm im Ofen fertig zu machen. Unser nicht mehr ganz so junger Gastgeber wollte dies jedoch leider nicht, schien aber auch nicht allzu viel Erfahrung im Umgang mit Tiefkühlpizzas zu haben. Die Angestellte an der Tankstelle fragte er noch kurz wie lange so eine Tiefkühlpizza denn dauern würde. "So eine Pizza, wie lange dauert die denn? Zwei-drei Stunden oder wie lange?"
Chips genügten am Ende auch zum Abendmahle, gute Nacht!