Stage 8
Louhans - Lyon
121.4 Kilometer; 5:49:46 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Es gibt Situationen für die auch jegliche Vorbereitung einen nur eher mäßig vorbereitet. Als ich heute um 10:00 von Frank geweckt wurde fühlten ich mich irgendwie wie nach 2 Stunden gutem Inlinehockey, nicht aber wie nach knapp 10 Stunden Schlaaf. Und auch auf dem Rad wurde jeder Tritt auf den ersten 1.6 Kilometern zum Supermarkt und8dopgin.jpg (16677 Byte) somit zum Frühstück zur Qual. Auch das Wissen im Hinterkopf, dass es trotz der gestrigen Monsteretappe noch 120 Kilometer nach Lyon sind, half nicht wirklich.

Frank meinte zwar auch das er ziemlich fertig wäre, zu sehen war davon aber nichts, vielleicht auch weil ich Frank nach jeweils etwa 30 Sekunden Fahrt auch gar nicht mehr sehen konnte.

Als es dann zur optimalen Uhrzeit von 12:00 am bislang deutlichst wärmsten Tag der Tour losging - gestern waren es 27 Grad und heute weiß ich es zwar nicht, tippe aber 8bumpyroad.jpg (34956 Byte)auf mindestens 5 Grad mehr - setzten auch noch leichte Kopfschmerzen ein. Aspirin-gedopt ging es dann weiter, ganz nebenbei erfuhr man noch das Frank schon gestern wegen leichter Knieprobleme zum Aspirin gegriffen hatte. Urlaub halt...

Irgendwie wurde das Radfahren plötzlich zur reinen Arbeit, neben der Hitze kam auch noch das übele Streckenprofil hinzu und die eigentlich als flach erwartete Strecke bestand aus mindestens 50 kleinen Minihügeln auf den bislang absolvierten 50 Kilometern bis hier nach Bourg en Bresse. Flach war es eigentlich nie und die Durchschnittsgeschwindigkeit lag auch in der ersten Stunden heute nur bei 17.7. Frank war deutlich schneller unterwegs und fuhr fast 22 im Schnitt, von der am morgen noch erwähnten Müdigkeit war irgendwie gar nichts zu sehen.

Nach 2 Stunden Fahrtzeit lag aber auch mein Durchschnitt schon wieder bei 18.8, nach zweieinhalb Stunden bei 19.5 und wenn die restlichen 60 Kilometer nach Lyon recht flach werden gibt es vielleicht auch an diesem Tag an dem ich schon sieben Tode auf dem Rad hinter mir habe etwas mit einem 20.x-Durchschnitt. Erst einmal haben wir aber noch 30 Minuten herrliche Zwangspause da Franks Fahrrad einen Fahrradarzt gefunden hat der das Hinterrad einmal wieder richtig reparieren soll, so dass nicht jeden Tag eine Speiche bricht. Den vierten Speichenbruch heute hatte Frank sogar nicht einmal mehr mitbekommen, 4:0 für sein Rad...

 

2. Eintrag des Tages:

Kurz nach 23 Uhr sitze ich gerade in irgendeinem der unzähligen Eiscafes der Altstadt Lyons. Was die Restaurant- und Cafedichte angeht kann ich mich an keine Altstadt der Welt erinnern, die es mit Lyon aufnehmen könnte.  Frank hat es vor 40 Minuten ins Hotel verschlagen, nachdem wir für etwa eineinhalb Stunden zusammen die Stadt ein wenig erkundet   und in einem Dönerladen eher der Stadt unangemessen gespeist hatten.

Frank war es dann aber außerhalb eines 500-Meter-Umkreises des Hotes ein wenig zu weit gewesen, "hinter der8lyonstadplatz.jpg (15050 Byte) nächsten Ecke gäbe es ja auch nichts Neues und ich wollte mich ja nur vor einer Schachniederlage im Hotel drücken". Egal, ich denke besser wieder drüber nach wie ich mich hier vor der Rechnung von meinem Eis drücke, gar nicht mal so billig hier...

Lyon ist für mich neben Straßbourg auf jeden Fall das zweite echte Highlight (von den Städten her) der Tour. Es ist einfach ziemlich schön durch die enge Altstadt zu latschen, vom Stimmengewirr der größtenteils extrem stilvoll eingerichteten Restaurants eingelullt zu werden und einfach die Atmosphäre eines Samstagabends in Lyon zu genießen.

Mit bestem Wetter wurden wir heute Abend zum Glück auch belohnt, windstille 25 Grad sorgen wohl auch dafür, dass Alles  mit zwei Beinen im Moment unterwegs ist. Und ganz nebenbei ist die Stadt auch ziemlich touristenfrei und eine andere Sprache als französisch nimmt man fast nirgendswo war.

Fragt sich ja eigentlich nur noch, was heute alles vor unserer Ankunft um 21:00 los war, und auch da gibt es einmal wieder mehr als genug zu berichten, ebensoviel wie von dieser Stadt, die "genauso ist wie Köln wenn es den zweiten Weltkrieg nicht gegeben hätte" (der Satz stammt nicht von mir...). Egal...

Ebenso egal wie die Tatsache, dass auch die heutige Etappe, die ja (wie dem ersten Eintrag zu entnehmen) extrem hart begonnen hatte, auch im Laufe der erneuten 120+ Kilometer kaum besser wurde. Zwar lässt die Durchschnittsgeschwindigkeit von 20.8 am Ende noch auf ein starkes Finish schließen, trotzdem waren wir erneut während des Sonnenuntergangs noch auf dem Rad und rollten erst um 20:30 in unserem Hotel ein.

Mittlerweile ist auch das Eis gekommen, sieht zumindest nicht ganz schlecht aus, alles andere wäre bei 39 F aber auch eine Zumutung. Zwischen den Happen aber noch ein paar Zeilen, man soll das Eis ja auch nicht zu unkreativ wegfressen. Wo war ich stehengeblieben, genau, Stundenwerte, in Stunde 5 auf dem Rad waren es heute sogar 23.9 Kilometer die an mir vorbeizogen, ganz nebenbei aber immer noch 1-2 weniger als beim immer noch rasenden Frank.

Der Arbeitscharakter blieb der Etappe aber durchweg erhalten, der spaßigste Moment im Sattel war die Ankunft in 8ontheroad.jpg (15282 Byte)Lyon wobei wir am Ende noch eine nette und mehrere Kilometer andauernde Abfahrt in die Stadt hinein genießen durften. Wenn jetzt auch die Stadt noch das Wort "Qualitätsmanagement" ins Vokabular des Städtebauamtes aufnehmen würde müsste man sich vor lauter Schlaglöchern nicht um jede Speiche einzeln Sorgen machen, aber ganz normal ist hier eigentlich gar nichts, immerhin fuhren wir auch an einer Golfgroßhandlung vorbei die sich "Nevada Bob´s Golf Store" nannte. Nevada Bob...

Zumindest zeigte auch Frank derweil geistige Aussetzer und wusch sich in einem Supermarkt brav die Hände mit Seife. Wenn man vorher auch noch die Fahrradhandschuhe ausziehen würde, nur so ein Tipp... Und dabei war es Frank der mich gestern Abend während der Nachtfahrt darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die schlimmsten Unfälle dann passieren, wenn man müde wird. Gestern Abend war das wirklich kein Problem, heute vormittag im Supermarkt stellte ich dann aber mit meinem Einkaufswagen schon eine allgemeine Gefahr für alle Miteinkäufer dar. Eine Gefahr für die Bilanz des Unternehmens war ich auch, da ich zum ersten Mal in meinem Leben Ladendiebstahl begang als ich das Notizbuch in dem ich gerade schreibe heimtückisch entwendete. Zu meiner Verteidigung sollte man noch anmerken das ich eigentlich dachte, dass Notizbuch am Obststand ebenso wie meine anderen Sachen zur Seite gelegt und dann dort vergessen zu haben. Was weiß ich denn wieso ausgerechnet das Büchlein in der Hosentasche gelandet ist?

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Die Hotelsuche verlief in Lyon heute kurz und teuer. Das erste Hotel war voll, im zweiten waren noch Zimmer zu haben und ganz nebenbei sah das Hotel auch exzellent aus. Und wenn man sich schon 2 Tage am Stück so schindet 8lyonhotel.jpg (14416 Byte)wie wir hat man auch mal das Recht mehr Geld auszugeben. Ob man jetzt in einem Hotel mit 3 Sternen wesentlich besser schläft als in einem Billighotel sei einmal dahingestellt, auf jeden Fall ist das Bad ungefähr so groß wie unser Zimmer im Formula One in Mühlhausen war.

Netterweise hatten wir auch endlich einmal wieder die Gelegenheit unsere e-mails im Internet nachzugucken, da der recht nette Portier des Hotels uns seinen PC für 5-10 Minuten überließ. Nach 15 Minuten hatte Frank es auf der französischen Tastatur tatsächlich geschafft, ein paar Zeilen zu tippen, nach 20 Minuten hatte ich den PC mit AOL-Mail zum Entsetzten des Portiers der gerade vorher ein paar Eingaben gemacht hatte zum Absturz gebracht. 8 gleichzeitig geöffnete Fenster sind wohl auch für Windows 95 zuviel! Naja, kann passieren, wir gehen dann besser mal was essen, danke noch...

So, viel mehr fällt mir dann auch im Moment nicht mehr ein und nach einer etwas längeren Tour durch die Restaurantgassen und vorbei an den nett angestrahlten Kirchen werde ich mich dann mal wieder ins Hotel zurückbegeben und versuchen, noch genug Schlaaf zu tanken um morgen nicht so tot auf dem Rad zu sein wie heute. Wahrscheinlich ist es dafür aber auch schon zu spät, aber in Anbetracht des netten Abends hier in Lyon ist das dann auch ganz ganz ganz egal...

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