Stage 3
Worms - Karlsruhe
101.7 Kilometer; 5:12:35 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Nach einem recht guten Frühstücksbuffet im Speisesaal (uns blieb die Angestelltenkantine erspart) ging es dann bei 3rheinidylle.jpg (15466 Byte)starker Bewölkung (wie fast immer) los in Richtung Karlsruhe nachdem ich den Hotelhund nicht davon überzeugen konnte heute für mich zu radeln. Die ersten 30 Kilometer waren zweifelsohne die bislang3smartdog.jpg (14882 Byte) hässlichsten der Tour, vor allem Ludwigshafen war toll: schon vor dem Ortsschild gab´s viel stinkende Industrie, einen arg humpelnden Typen auf dem Radweg (Fehlgeburt?) und einen Boxverein. Komplettiert wurde der für Touristen gute Eindruck noch durch Junkies unter Brücken, aufgedonnerte Tusen mit Kampftöhlen (immerhin mit Maulkorb) und einem phasenweise recht unangenehmen Geruch. Bei der Ausfahrt aus Stinkstadt passierten wir dann noch ein paar Schrebergärten wo ich an 5 von 7 Toren "Vorsicht vor dem Hund" oder etwas ähnliches lesen konnte, Ludwigshafen ist wirklich eine Reise wert! Und wie es sich gehört wird in der Stadt BASF mit der gleichen Vehemenz beschildert wie auch andere unwichtige Lokalitäten wie zum Beispiel die Innenstadt. Und wenn sie nicht gestorben sind dann stinken sie noch heute...

3ludwichshafen.jpg (8821 Byte)Von Stinkstadt aus ging es dann weiter in Richtung des Mittagspausenzieles, dem schon eher als attraktiv bekanntem Speyer. Faszinierendes geschah jedoch auf dem Weg dorthin: an einer Kreuzung fand man zuerst folgendes Schild: Waldsee 7 km, Speyer 13 km. Vom Ortseingang Waldsee waren es dann nach Speyer noch 8 km, mitten im Ort dann 6 und am Ortsende wieder 8 Kilometer bis Speyer. Eigentlich ist das Ganze ja nicht weiter schlimm, aber wenn man auf dem Rad der Mittagspause entgegen radelt reagiert man leicht gereizt.

In Speyer landeten wir dann direkt am Dom beim goldenen M nachdem alle Pizzerien irgendwie geschlossen waren bzw. ab 14 Uhr Nachmittagspause machten. Zwar mussten wir locker 20% Speyer-Aufschlag auf alle McDoof-Produkte zahlen, aber schlecht war es dann auch nicht, wenngleich man auch mit Royal TS verarscht wurde, die in Sommer Mäc-Verpackungen 4gettingfuckedbymcd.jpg (15112 Byte)steckten die wiederum mit lachenden Sonnen über Deutschland bedruckt waren. Naja, immerhin regnete es nicht, wenngleich die Sonne sich auch noch nicht gezeigt hatte. Zwar kriege ich im Moment beim Schreiben ein paar Wassertropfen ab, die haben aber eher etwas mit dem Brunnen hinter mir und dem Wind um mich herum zu tun. Letzte Nacht hat es natürlich wieder tierisch gegossen.

Frank vergleicht mich mit meinem Schreibwahn auf der Radtour derweil mit Goethe auf seiner Italienrundfahrt, nur das Goethe wahrscheinlich komfortabeler reisen durfte. Und auch nicht auf dem Weg nach Karlsruhe erst an Ludwigshafen und dann auch noch an einem Kernforschungszentrum vorbei musste. Erst wird man von der Industrie vergast, dann von McDoof verhöhnt und anschließend unterwegs noch verstrahlt. Was für eine Etappe...

 

2. Eintrag des Tages

So, derweil im Hotel in Karlsruhe (ca. 19 Uhr). Gestorben bin ich auf der Etappe heute wirklich nicht, auch wenn es mit der sub-100-Kilometer-Etappe nichts geworden ist. Ebenfalls nichts geworden ist es mit dem Vorhaben billige Hotels zu finden. Nachdem ich mich gestern über Frank und das 98 DM-Hotel aufgeregt hatte war ich es dann heute, der ins erste Hotel wanderte und gleich zum selben Preis zuschlug. Der Laden sah halt nicht schlecht aus. Hätte ich gewusst, dass es das Frühstücksbuffet nur bis 9:30 gibt hätte ich es mir sicher anders überlegt, zumindest habe ich an der Rezeption noch verlauten lassen, dass 9:30 jawohl eine ziemliche Zumutung wäre und man dafür eigentlich einen Rabatt kriegen müsste.

Richtig prima war auch noch die Einfahrt nach Karlsruhe über eine wunderschöne 15 Kilometer lange Allee mit 4racingkarlsruhe.jpg (30307 Byte)nicht mehr als 2 Höhenmetern auf der dann auch Geschwindigkeiten von mehr als 25 im Schnitt erziehlt wurden, Windschatten konnte man aufgrund der nicht vorhandenen Kurven auch prima fahren (wobei ich dabei auch mal in Frank reingefahren bin, ist aber nichts passiert). Direkt von der Allee aus kam man dann an das Schloss von Karlsruhe wo im Schlosspark bei mittlerweile schönem Wetter Fußgänger zu Fuß gingen, schreiende Kinder schrien, Fußballspieler Fußball spielten und Radfahrer unerwünschterweise radfuhren. 3karlsruhecastle.jpg (19758 Byte)

Während ich heute Abend am Duschen war war Frank übrigens angestrengt dabei die morgige Etappe nachzurechnen. Die eigentlich als unfehlbar eingestufte und anhand von Karten bestens gemessene Strecke hätte bislang 303 Kilometer betragen müssen. Zwar haben wir zu Gunsten des Rheines die heutige Etappe vom Verlauf her ein wenig abgeändert, 356.6 Kilometer bislang sprechen jedoch eine übele Sprache und treiben einem schon Angst in den Kopf. Ist der Mont Ventoux jetzt nicht mehr 2000 sondern 2400 Meter hoch? Sind es doch wesentlich mehr als 1600 Kilometer bis Barcelona? Wie dem auch sei, der franksche Fehlerquotient liegt bislang bei 17,68 Prozent (da Frank die Etappen geplant und abgemessen hat). Das kann ja noch was werden...

 

3. Eintrag des Tages:

Am Abend wollten wir dann noch einmal zu Fuß zum Karlsruher Schloss, dummerweise wollte das Wetter aber nicht so wie wir es gerne hätten und es fing ziemlich an zu regnen. Letzten Endes verschlug es uns ins Kino und in Jurassic Park 3, der im Grunde genommen eher verdammt übel war. Insel, Dinos und am Ende sind nicht alle Viecher tot, kennt man das Konzept nicht irgendwoher? Man darf auf Jurassic Park 4 gespannt sein!jp3tick.jpg (4276 Byte)

Nach dem Kinohighlight ging es dann noch ein wenig durch die Stadt bis wir einen Dönerladen gefunden hatten, wobei ich bei Pizza Hut jemanden fragte wo ich denn einen Türken finden würde und dieser mir zwar auf deutsch eine ausführliche Antwort gab, ich aber absolut kein Wort verstehen konnte. Ich bedankte mich einfach, versuchte die richtige Richtung einzuschlagen und behaupte mal das ich mit Dialekten überhaupt nicht zurecht komme. Dann lieber Texaner die versuchen Englisch zu sprechen... Und ich dachte die Verständigungsprobleme fangen erst im Ausland an...

Als Zitat des Tages diesmal ein Spruch aus dem Time Magazine, das bei uns im Hotel auslag: "If you would Bush´s brain into a duck it would fly north for winter". Hat zwar nichts mit dem Radfahren und der Tour zu tun ist aber schon ziemlich lustig. Quaaaaak bis morgen...

Laufende Schachbilanz:         Bernt vs Frank     0:3