| Stage 19 |
| Malgrat - Barcelona |
| 64.4 Kilometer; 3:06:42 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
"Einmal werden wir noch wach, heissa dann ist Barca-Tach",
naja, eine kleine Rückschau auf die Tour spare ich mir jetzt, da wir eigentlich um 10:00
auf der Piste sein wollen. Nach den "Regeln" dürften wir zwar noch bis 12:00 im
"Hotel" bleiben, aber wer will das
schon?
Das Frühstück war auch klasse. Es gibt immer noch Personen die behaupten, dass ich mehr oder weniger ohne Rücksicht auf besondere Qualität Unmengen von jedem Schrott mampfe, aber hier wurde selbst mir gekonnt der Appetit verdorben. Lecker Bacon der so fettig war, dass man ihn als Abführmittel benutzen könnte, ein geradezu ekelhaftes Rührei mit Tomatensauce, kein Käse, wenig wahrscheinlich qualitativ minderwertige Wurst und 2 Sorten Marmelade, die zwar nach Zucker, sonst aber nach wenig schmeckten. Auch der 1% fruchtsafthaltige und trotzdem noch literweise mit Wasser verdünnte Orangensaft war allenfalls gut dazu, dass Bild gebührend abzurunden. Lustigerweise fand man auf einem Auszug aus dem omnipräsenten Regelbuch vor dem Speisesaal auf zehn Zeilen mindestens zwanzig Rechtschreibfehler. Da in allen anderen Hotelunterlagen die deutsche Sprache beherrscht wird unterstelle ich einmal, dass diese Fehler mit Absicht gesetzt wurden. Wahrscheinlich soll das Ganze witzig sein, ist mir aber auch egal, denn wir flüchten jetzt!
Zweiter Eintrag des Tages:
15:58, Barcelona, voll da, woll? Seit etwa einer Stunde wohnen wir im
Hostal
Abrevadero, relativ nah am
Olympiapark, der Ramblas und auch dem sicherlich total verdreckten Stadtstrand. Aber
wahrscheinlich mit weniger von meinen Lieblingstouristen, ist ja auch etwas...
Die ersten zwanzig Kilometer der Fahrt stellten heute eine unendliche
Fahrt an
Hotelburg nach Hotelburg dar,
ungefähr alle dem unserer letzten Nacht ähnelnd. Schon allein die Vorstellung, wie viele
Betten es insgesamt wohl hier an der Küste sein müssten, lässt mich erschauern...
Der Rest der Strecke war dann eine mehr oder weniger stark befahrene
Einfahrtsstraße nach
Barcelona, was mit dem Fahrrad
eher weniger Spaß war. "The last hooray" war gestern, heute folgte nur noch ein
wenig mäßig amüsante Arbeit auf dem Rad mit der dann zweieinhalb Wochen im Sattel
beendet werden.
Als wir dann irgendwann vor der Sagrada Familia zum Siegesfoto standen stellte sich auch so recht keine Freude ein, zumindest bei mir. Zu schön und abwechselungsreich war der Weg gewesen um das Ziel wirklich genießen zu können. Zwar wundert es mich insgesamt schon, wie gut wir unsere ambitionierten Ziele erreicht haben, momentan hätte ich aber auch nichts dagegen, wenn wir Lissabon anstelle von Barcelona als Ziel hätten. Irgendwie war ich mir auch die ganze Zeit mehr oder weniger sicher, dass wir es im Zeitrahmen bis nach Barcelona schaffen würden, auch wenn ich anderen gegenüber dies manchmal defensiver formuliert habe. Anders sieht es da aber beim Mont Ventoux aus, hätte ich doch im Leben nicht gedacht, den Gipfel lebend oder überhaupt mit dem Rad zu erreichen, und dass auch noch mit Zeitvorsprung vor Frank, was in Anbetracht der allgemeinen Tourform von uns beiden höchst surreal erscheint.
Zumindest Barcelona scheint auf den ersten Blick sehr interessant zu
sein. Endlich wieder
eine Stadt die auch selber Leben
generiert und dies nicht nur von Touristen eingehaucht bekommt. Menschemassen die auch
ihre Hemden zuknöpfen, große Boulevards, da fühlt man sich gleich wieder wesentlich
wohler als noch gestern Abend.
Bei der Touristeninfo gelang es auch relativ leicht dieses günstige
Hostal zu finden. Während ich das Zimmer klar machte quatschte Frank draußen mit einem
Kanadier, der mit dem Rad quer durch Großbritannien, Dänemark, Deutschland, Polen und so
weiter bis nach Barcelona
gefahren war, jetzt aber genug von
Europa hatte und sich wieder in Richtung Canada begeben wollte. Wahrscheinlich schwimmt er
nach Hause...
Die Stadt werden wir auf jeden Fall in den nächsten beiden Tagen zu
Fuß erobern, die Räder stehen in der Waschküche des Hostals und haben bis
zur Fahrt zum Flughafen am Samstag wohl erst einmal eine kleine
Ruhepause. In ein oder zwei Stunden geht es erst einmal zum obligatorischen Siegesmahl,
genauso wie schon im letzten Jahr in Paris wird das Hard Rock Café hierfür anvisiert.
Nachdem ich jetzt tagelang über Touristen und ihre Marotten gemotzt habe mag es ein wenig
komisch erscheinen, dass wir zur Siegesfeier in einen der Touristenschuppen überhaupt
gehen, aber wer mich deshalb kritisieren will, darf dies natürlich. Wer viel motzt erhebt
ja auch nicht gleich den Anspruch eigener Perfektion... Außerdem sind die Nachos im Hard
Rock Café fast so gut (und billiger) wie die die ich mir immer selber mache,
irgendeine Belohnung muss ja
sein...
Am Abend wird es uns dann auch ins Easy Everything verschlagen, der
wohl besten und auch in Barcelona zum Glück wieder präsenten Internetcafékette der Welt
(kenne bislang zwar nur die Fillialen in München und Manhatten, aber die waren klasse).
So langsam wird es auch einmal wieder Zeit herauszufinden, wie denn der VFL Osnabrück
gespielt hat, wen die New York Rangers jetzt für Eric Lindros abgegeben haben und ob mir
irgendwer ein e-Mailchen
getippt hat.
Ach ja: wo ich gerade noch im Baedeckers Barcelona-Reiseführer blättere fällt mir auf, dass bei diesem Verlag wohl offensichtlich viele Autoren gern die Namensinitiallien AH hätten, oder wie soll man solche Sätze verstehen?
"Fahrdisziplin"
"Strenge Fahrdisziplin ist im Ausland schon im Interesse des eigenen nationalen Ansehens ganz besonders erforderlich."
Na dann....