Stage 18
Sant Antoni - Malgrat
60.4 Kilometer; 3:32:28 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

"The last hooray" der Tour startete genauso wie ich es mir vorgestellt, ja geradezu erwünscht hatte. Mit nur noch zwei Etappen vor uns mußte es einfach noch einmal richtig in die Beine und in den Kopf gehen und als wir um etwa 13:00 zur größten Tageshitze 17coast.jpg (16562 Byte)(Frank hat ausnahmsweise länger gepennt als ich) den ersten Hügel angingen, war nicht nur weit und breit keine Wolke vor der im Zenit stehenden Sonne sondern auch ein recht fieser Gegenwind omnipräsent.

Der Wind verschwand zwar anschließend recht schnell, uns blieb aber eine wundervolle Küstenstrecke mit vielen moderaten Anstiegen, zumindest im Vergleich zu der Etappe von vorgestern. Insgesamt brachte der Tag neun als spürbar zu bezeichnende Anstiege, nur zwei davon waren aber echte Hügel die einen wie einen Bär schwitzen ließen und die Beine extrem strapazierten. So kurz vor Tourende hätte ich gerne noch mehr davon gehabt, aber das glaubt mir sowieso niemand. Die tolle Natur entlang der Küste ließ aber jede verbrannte Kalorie als eine wertvolle Investition aussehen.

Nach etwa dreißig Kilometern machten wir dann auch unsere erste Pause und passend zu den ersten Wolken, die sich vor die Sonne schoben und den physischen17coast2.jpg (11531 Byte) Vernichtungscharakter der Ansteigungen ein wenig milderten, beging ich auch den Fehler, mir eine Ausgabe der USA Today zu kaufen. Eigentlich mag ich die europäische light-Version der Zeitung ja sowieso nicht, aber ich hielt sie trotzdem in Händen.

Vieles in der Welt ist sein Geld nicht wert und entsetzt mußte ich feststellen, dass "meine" New York Rangers offensichtlich Matschhirn Eric Lindros in einem Trade mit den Philadelphia Flyers erhalten hatten. Das hat zwar wenig mit der Radtour zu tun, ließ mir dann aber doch mindestens eine halbe Stunde lang keine Ruhe. Rangers-Sympathien hin oder her, aber ich hoffe wirklich, die Flyers haben im Gegenzug das Spielermaterial erhalten, das sie endlich wieder zum Titelgewinn führen wird. Die Quebec Nordiques kamen ja bekannterweise bei ihrem Lindros-Trade auch bestens weg und feierten in Denver ihren ersten Meisterschaftssieg, 17meonabike.jpg (17313 Byte)und wenn die Rangers jetzt wieder anfangen wie unter General Manager Neil Smith nur die Payroll aufzublasen und eine Mannschaft zu konstruieren, die sowieso die Playoffs verpassen wird, dann hätte man auch Neil Smith gar nicht erst vor die Tür setzten und Glen Sather engagiern müssen, der ja gerade vorher in Edmonton immer mit wenig Geld viel aufs Eis gebracht hat. Ein Hoch auf die Deppenrangers an dieser Stelle!

"Sad but true" kann man da nur sagen, genauso wie wenige Kilometer später bei unserer Durchfahrt durch Loret de Mar. Schocken konnte mich nicht mehr viel, die ramschigen Hotelburgen entlang des Strandes waren mehr oder weniger was ich erwartet hatte, und auch die plötzliche Existenz von Ketten wie McDondalds und Burger King, die man sonst in Spanien kaum findet, deutete doch auf die Existenz von Unmengen an Touristen aus Doofland hin. Insgesamt wäre der Menschheit wenig genommen, falls mal jemand eine Atombombe aus Versehen in der Stadt hochgehen lassen würde, für irgendwas muss die ETA doch auch gut sein (kein indirekter Terroraufruf, nicht, das sich nachher Schuld bin und als Strafe 20 Jahre Zwangsurlaub Mallorca oder Ibiza bekomme). Auch in Südfrankreich hatte es schon viele geschmacklose Orte gegeben, aber Loret de Mar war auch noch richtig ordentlich verdreckt, so wie es sich halt gehört. Wahrscheinlich verdient die Stadt so wenig an den Billigtouristen, dass es nicht mal für Aufräumkräfte reicht, allerdings stört dies die meisten Touristen auch wohl kaum.

Nach etwa 60 Kilometern war unsere Reise dann für heute in Malgrat und somit in 17coast3.jpg (21679 Byte)direkter Barcelonaschlagweite erst einmal beendet. Frank zwickte es ein wenig im Knie, dass "last hooray" war also ein sportlicher Erfolg, denn ein wenig angemüdet war ich dann doch auch von den heutigen Wetter- und Streckengegebenheiten.

Malgrat?

Hotel an Hotel, eines hässlicher und geschmackloser als das andere. Touristenmassen links und rechts, gnadenlose Massen der Spezie Billigurlauber so weit das Auge reicht (habe nicht volle Sehkraft aber trotzdem schlimm). Und hier sollten wir übernachten? Naja, ab ins erste Hotel! Voll! Hotel zwei war dann nicht ganz voll aber verdammt teuer, Hotel drei unglaublich unfreundlich (kein Blickkontakt beim Sprechen an der Rezeption, patzige Antworten, einfache Sachen wie ein Übernachtungspreis mussten extra nachgeschlagen werden, auch nicht billig und Plakate in der Eingangshalle, die für einen Typen in bayrischen Klamotten worben, der hoffentlich am Abend am Pool hingerichtet wird). Und das Schlimmste? Überall Asi-Touristen, hauptsächlich Deutsche und Engländer natürlich. Das vierte Hotel war dann wieder einmal voll und in Anbetracht der geballten Blödheit um mich herum bauten sich schon ungesunde Agressionspotentiale auf. Und die Blicke der ganzen Touristen auf uns, diese Touristen, die wahrscheinlich für 10% Preisnachlass bei ihrer 299 DM-Busreise klagen würden, nur weil im Hotel ein Aufzug kaputt ist (aber ein Ohrenschaden von Lederhosenfotzis ist natürlich geil). Und zurück ging es wieder in das zweite, zwar teurere, aber zumindest nicht volle Hotel..

Aber auch hier fand man jetzt geballte Unfreundlichkeit vor. Jeder Tierschützer, der sich über Massentierhaltungen beschwert, müsste auch gegen die Art und Weise protestieren in der Touristen hier abgefertigt werden. Und wenn man den meisten auch noch menschliche Intelligenz abspricht wäre man ja auch wieder bei Tieren. Aber wenn  der normale Tourist jetzt hier immer noch alles als menschlich empfindet, was ist dann unmenschlich, einmal abgesehen von einem Zeltlager für Frauen im prä-Herbst-2001-Afghanistan? 17loret.jpg (22508 Byte)

Einsetztende Kopfschmerzen, Typen die mich anglotzten wie mich lange niemand mehr angeglotzt hat, wahrscheinlich gibt es heute Abend noch Schläge für uns...

Das Zimmer muss natürlich auch sofort bezahlt werden, mit Kreditkarten geht nicht, der Computer sei gerade nicht in Ordnung. Und später zahlen oder beim auschecken? Nein, jetzt bezahlen, "um die Ecke ist auch noch ein Geldautomat, da kriegt man mit der Karte Geld!". Man zahlt sofort, so sind die Regeln! Der Kunde ist Arschnase oder was? Egal, "Bezahlen, Ausweis her!", genau. Kriegt man den sofort wieder? Natürlich nicht, "in 10 Minuten". Ja aber wieso das denn? Kann man mal die Spielregeln sehen? "Und hier der Frühstücksgutschein!", klar, den muss man dann irgendeinem Penner geben, der am Eingang der Kantine Wache schiebt, man könnte sich ja auch aus einem anderen Hotel oder als Penner einschleichen. Wie nach dem zweiten Weltkrieg geht es hier ab, zack-zack Futtermarken, Regeln hier und da, Kopfschmerzen, die Blicke der Touristentiere, nur weil ein seit drei Wochen Unrasierter mit einem Fahrrad im Hotel steht.

Und die Zimmer? Nicht schlecht, aber von außen nicht einmal abschließbar, dass passiert automatisch. Hier lasse ich bestimmt nichts im Zimmer liegen, Frank hatte in Perpignan Angst wegen klein-Albanien, ich habe hier Angst wegen Doofland on tour.

Und Kopfschmerzen, unendliche Mengen an f- und s- Wörtern im Kopf...

Auch eine Atombombe für diese Stadt, liebe ETA, dem Elend ein Ende! Und überall diese Menschenmassen, was machen die denn den ganzen Tag? Hä? Tennis- oder Sportplätze gibt es nicht, nur unpersönliche Bettenburgen voller Idioten. Zum Glück kann man zumindest nur bis 9:30 frühstücken, da spart das Hotel Frühstück für alle Saufnasen und wir sind früh aus der Stadt, bevor die Grausamkeiten eines weiteren Tages ihren Lauf nehmen.

Hätte Gott so etwas wie Malgrat erahnen können, hätte er sich den sechsten Tag gespart. Wie kann man eine solch grandiose Natur wie hier an der Küste nur mit solchen17damnnicecoast4.jpg (14560 Byte) Zweibeinern verschandeln?

Ich habe natürlich selber auch schon touristische Urlaube gemacht, Clubhotels in den Alpen oder Griechenland, aber so etwas bodenlos geschmackloses wie hier passt nicht in meinen Kopf, nicht in mein Weltbild. Im Kopf ist nur Platz für den Schmerz den alle Sinnesorgane hier erzeugen, die Augen, die das Elend nicht mehr sehen wollen, die wehrlosen Ohren, die vom Krach einer Videospielhalle nebenan penetriert werden und sicherlich bei irgendeinem Tanzwettbewerb am Hotelpool in der Nacht auch noch ihre Freude haben werden.

Ich will nach Barcelona, auf den Mond, irgendwohin aber hier weg. Und nur Krankenhäuser wären pro Nacht teurer als dieser Laden hier, zumindest wenn man kein asiger Buspauschaltourist aus dem Ruhrpott ist, allerdings hat man im Krankenhaus zumindest seine Ruhe und Leute, die etwas gegen Kopfschmerzen machen können, hier werden sie nur angeheitzt, provoziert und nur durch die Abreise gemildert.

Wo bleibt die verdammte ETA? Auch wenn heute Nacht die Atombombe kommt und auch ich drauf gehe, zumindest weiß ich dann vielleicht das alles hier auch wirklich vernichtet wird und muss nicht mit der ungewissen Furcht leben, dass etwas überlebt haben könnte und die Medien dies verheimlichen.

So, jetzt zurück im Zimmer, Frank müsste mittlerweile auch ausgangsfähig sein (schreibe die Zeilen gerade am Hotelpool sitzend, Elend überall, könnten sie mitlesen, würden sie mich steinigen..., können sie lesen? Wohl kaum...). Ob wir am Abend etwas anderes als Pommes rot/weiß zum Mampfen finden werden? HILFE!

 

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Spät, spät ist es. Nicht spät genug um dem Lärm der durch die Fenster kommt verstummen zu lassen. Aber vor sechs Uhr morgens wird man hier auch bestimmt nicht zur Ruhe kommen, man ist ja schließlich im Urlaub. Wir machten am Abend noch einen kleinen und vor allem lustigen Spaziergang entlang der Main Street Malgrats. Ein wenig haben die Kopfschmerzen dabei auch nachgelassen, man gewöhnt sich halt an alles im Leben. Immer noch im Kopf habe ich einen Bierbauchopa der mit offenem Hemd vor dem Hotel entlangdackelte, wenn es sexy sein soll..., selbst ein Schwuler hätte bestimmt kotzen müssen, was natürlich niemandem aufgefallen wäre.

Überall kriegt man irgendwelche Diskowerbung in die Hand gedrückt, verdammt viele Frauen sind verdammt blond, ob jetzt fake oder echt weiß man nicht, im Kopf sind sie alle blond. Strohblond. Strahlend blond wie 1000 Sonnen, aber 1000 Sonnen gibt es gar nicht, außer wenn Wunder passieren, aber das würde jetzt zu weit führen...

Sicherlich mögen diese Städte als Urlaubsrefugium der unter-18-jährigen ohne Geld und nicht viel mehr im Hirn als Erfahrung eine Existenzberechtigung haben, aber ein großer Teil des Publikums ist auch älter bis wesentlich älter, was eigentlich gar nicht wahr sein kann, oder steht das auch in den Spielregeln?

Im Billard (1:3) habe ich genauso verloren wie im Schach (0:2), sad but true Part II am 17loosingpool.jpg (25248 Byte)heutigen Tag. Aber die Etappe war toll, nur sobald das Rad stand, in Malgrat oder Loret, wurde alles, naja, irgendwie auch lustig.

Aber dafür ist es einfach in dieser Gegend Respekt zu ernten. Bei der Einfahrt nach Malgrat trafen wir an einer Tankstelle ein paar Jugendliche aus Ravensburg, denen das Auto mehr oder weniger zusammen gebrochen war. Eine Reperatur hätte keinen Sinn mehr meinten sie, die Karre würde gleich auf den Schrott kommen und man würde schon irgendwie nach Hause kommen (was mich spontan an den Wanderer einer der ersten Übernachtungen erinnert hat). Aber mit dem Rad? Wahnsinn, boa, ey...

Und vom Mont Ventoux habe ich gar nicht erst erzählt.., krass was?

Laufende Schachbilanz:         Bernt vs Frank     3:17:1