| Stage 17 |
| Llanca - Sant Antoni |
| 95.0 Kilometer; 4:14:18 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Das Meer rauscht, die Sonne versteckt sich hinter den Wolken, Frank liegt am
Strand und ich lasse den Kugelschreiber, ebenfalls am Strand sitzend, kreisen. Relativ
früh ist es zudem auch noch, etwa 18 Uhr, was zum einen damit zu tun hat, dass wir
relativ früh
losgefahren sind (10:00) und auch
heute wieder relativ problemlos ein Hotel gefunden haben. Diesmal zwar wieder etwas
teurer, wesentlich billiger ließ sich aber fast nichts finden. Außerdem
sind wir mehr oder weniger direkt am Strand und die Hotels sind auch
hier in Spanien, wie schon in Frankreich, insgesamt eher voll.
In unserem Hotel meinte man, dass bis zum letzten Wochenende alles brechend voll war und jetzt die Nachsaison einsetzten würde, weitere Übernachtungen auf Baustellen scheinen uns also nicht mehr zu drohen.
Sant Antoni, die Stadt in der wir übernachten, kommt im Winter wahrscheinlich auf
500 Einwohner, in der Hochsaison allerdings auf mindestens 50.000, die sich dann in
unglaublich hässlichen Hotelbunkern entlang des Wassers "erholen". Fast alle
Hotels kommen über einen Stern nicht hinaus, wo noch Platz ist befindet sich eine
Baustelle, damit auch demnächst noch mehr debile Pauschalurlauber ans Meer strömen
können. Während die schon von mir verbal ziemlich angegriffenen Camper zumindest noch
optional ein wenig mobil im Urlaub sein können, muss man als Tourist dieser Region oder
dieser Stadt auch noch den Urlaub in ein und derselben Zelle verbringen. Wie psychisch
belastend dies sein muss vermag ich mir kaum vorzustellen. Und auch der Anteil deutscher
Touristen ist seit unserer Ankunft in Spanien stark
gestiegen, ob das nun gut oder schlecht ist, mag sicherlich subjektiv beurteilt werden,
aber mich stört prinzipiell im Urlaub schon einmal alles heimische, sei es nun die
Sprache, die Medien (Bild-Zeitung everywhere) oder ein gewisses landestypisches,
Verhalten. Sicherlich gibt es in Frankreich und Spanien genauso viel Idiotisches und
Nerviges wie in Deutschland, wo es mich immer aufregt, allerdings nehme ich diese
kulturellen Eigenheiten der Franzosen und Spanier subjektiv nicht wahr und störe mich
dann auch nicht daran. Wenn ich dann aber in Spanien an einem "Willi´s City
Grill" vorbeiradele, König-Pilsener Sonnenschirme aufgespannt werden und sich neben
Bitburger-Sonnenschirme gesellen, könnte ich auch gleich kotzen.
Oder gerade im Supermarkt, wo das dumme Ariervolk es nicht verstand mit der
Obstwaage umzugehen, da ja nichts auf deutsch draufstand (worüber man sich aufregte,
ja hallo?). Abgesehen davon,
dass auf allen Preisschildern auch die Tastennummern waren, aber zuviel Sonne, Bitburger
und Königs Pilsener sollen ja nicht immer gesund sein...
Auch toll waren die Arier, die sofort nach dem Bezahlen an der Kasse den Kassenbon
argwöhnisch kontrollierten; man wurde ja bestimmt betrogen, oder weshalb stehen da so
große Zahlen drauf (weil man für 1000 Peseten vielleicht gerade mal ein Kaugummi kriegt
vielleicht?)? Für einen Großteil dieser Touristen wünsche ich mir wirklich, dass es mit
der globalen Erwärmung klappt, dann müssen diese Trottel nicht mehr bis nach Spanien
fahren sondern haben auch an der Nordsee spanische Verhältnisse, nur dass der Strand dann
in Berlin oder Bremen ist. Und die Spanier, die
dann
abends immer so nett und lieb singend von Restaurant zu Restaurant ziehen, kann man ja
importieren...
Man sollte natürlich auch sagen, dass ein Großteil der Touristen hier selber
spanisch ist, aber unter den zahlenmäßig nicht zu unterschätenden deutschen Touristen
sind doch nur verdammt wenige mit einem höher einzuschätzenden IQ. Morgen radeln wir ja
auch
noch durch das weltberühmte Loret de
Mar, da wird es bestimmt auch noch einmal sehr lustig.
Trotz allem, das Meer ist wirklich recht schön und die Strecke heute war wieder toll und abwechselungsreich. Am morgen gab es eine schön trockene Hügellandschaft von der Küste zu einer recht ebenen Gegend ein paar Kilometer landeinwärts, am Abend dann noch einmal einen richtig tollen Anstieg von etwa 300 Höhenmetern durch einen schon fast subtropisch anmutenden Wald auf einer fast komplett unbefahrenen Straße. Und als Belohnung war die Aussicht auch recht fein...

So, noch sitze ich hier am Strand und schreibe, werde dann aber mal langsam zum Hotel zurückschlendern und hoffen, dass Frank derweil einigermaßen restauranttauglich ist. Dem Modetrend der Stadt nach reichen dafür Sandalen, eine Badehose und ein Bierbauch, so schiebt man sich ja auch schwitzend zu Dutzenden durch den Supermarkt, da vergeht einem gleich jeglicher Appetit...
Zweiter Eintrag des Tages:
Noch ein kurzes Update zu später Stunde. Viel gibt es zwar nicht mehr zu berichten, außer, dass es zum Abendmahl eine Horrorpizza mit Ekelsalami gab, die so stark gefärbt war, dass der Pizzateig vom Farbstoff durchtränkt wurde. Anschließend spielten wir dann an der Strandpromenade noch eine Partie Schach, was dann vom Fußvolk auch kommentiert wurde.
Mann: Guck mal, die spielen Schach!
Frau: Ja und?
Mann: Ist doch fett!
Amen....
Ach ja: die Auszeichung für den guten Menschen des Tags geht heute eindeutig an
Frank, der bei der Einfahrt nach Sant Antoni noch zwei Kindern ihr Rad reparierte. Ein
Runde
Applaus!
Laufende Schachbilanz: Bernt vs Frank 3:15:1