| Stage 16 |
| Perpignan - Llanca |
| 78.4 Kilometer; 4:10:54 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Was passiert, wenn man gleich im ersten Hotel in dem man fragt, ein Zimmer findet? Genau, man kommt nicht sonderlich weit, da wir nach der Erfahrung der letzten Tage schon relativ früh mit der Hotelsuche anfingen und eine Nacht auf dem Bau auch reicht.
Nachdem Frank eher in der Tour, es kommt einem mittlerweile so vor wie vor zwei
Jahren, "seinen" Mont Ventoux bekommen hatte, war heute der erste Tag an
"meiner" Costa Brava dran. Ursprünglich wollten wir nach Barcelona durchs
spanische Inland und nicht entlang der wesentlich hügeligeren Küste fahren, aber
eigentlich wollte ich die Küste schon ganz gerne sehen, und so landeten wir heute auch an
ihr. Schon nach wenigen Kilometern kamen zudem heute die Pyrenäen in unseren
Sichtbereich, endlich wieder Hügel!
Und hügelig wurde es: ich weiß nicht, wie oft wir heute etwa 200
Höhenmeter von irgendeiner von Touristen besetzten Hafenstadt bis auf den Gipfel eines
Ausläufers der Pyrenäen kämpfen mussten, mehr als 1000 Höhenmeter waren es aber sich
bis nach Lanca, und das im Vergleich zum Mont Ventoux diesmal mit Gepäck, dafür aber
auch besserem Wetter (stark bewölkt, leicht unter 30 Grad) . Anfangs war die
Küstenstraße
zwar teilweise sehr übel befahren, der
Verkehr legte sich aber langsam genauso wie Franks anfängliche Antipathie gegenüber der
Strecke ("das ist ja der größte Scheiß zum Radfahren überhaupt und das ist das
letzte Stück Küstenstraße, dass wir fahren werden!").
Ich weiß zwar nicht was genau bei mir im Hirn anders lief, nachdem sich der Verkehr aber ein wenig gelegt hatte, war die Strecke für mich der reinste Spaß. Viele knochenharte und dicht gedrängte Auffahrten, im Vergleich zum Mont Ventoux nicht das psychologische Hintertürchen der ständigen Umkehrmöglichkeit, durchaus viele Reaktionen von Autofahrern (Hupen, Daumen nach oben, unverständliches Herumgebrülle) und kein anderes Rad weit und breit. Das Wissen, dass die Straße gefahren werden muss, dass Ziehen in den Oberschenkeln bei dem man in jedem Fitnessstudio vom Rad steigen würde, so macht Radfahren wirklich Spaß!
Lange Zeit musste ich mir auch Sorgen machen, dass Frank ab der morgigen Etappe
wieder im Inland fahren wollte, da aber der vorgeschlagene Deal ("wenn wir ohne
Probleme an der Küste ein Hotel finden, fahren wir da weiter")
ohne Probleme geklappt hat, bleiben wir der schweißtreibenden Küstenstrecke treu.
Unseren bislang herausgefahrenen Extratag werden wir dadurch zwar wahrscheinlich
einbüßen, drei Tage Barcelona sollten aber, so wie ursprünglich geplant, auch mehr als
genug sein.
Leider naht ab heute auch unaufhörlich das tatsächliche Ende der Radtour, sicherlich auch ein Grund, weshalb ich noch den weiteren und wesentlich schwereren Weg über die Küste nehmen möchte. Frank meinte heute, dass ich wohl offensichtlich versuchen würde, die Ankunft in Barcelona so weit wie möglich zu verschieben, während er möglichst schnell hin will, irgendwie hat ihm die Küstenstraße dann aber im Verlaufe des Tages auch zugesagt, so dass es vorerst bei der längeren Route bleibt.
Heute Abend machten wir uns hier in Lanca noch auf den Weg in die eher
überschaubare Innenstadt, mampften bei einem mäßig guten Chinesen und stellten fest,
dass Frank bei
einer Wechselstube direkt an der
spanischen Grenze um rund 20% "betrogen" wurde. Da die Wechselstube aber direkt
an der Grenze war, gehen die hohen Gebühren wohl für die exquisiete Geschäftslage
drauf, andererseits ist es damit ja in wenigen Monaten, dem Euro sei dank, auch vorbei...
Mit 3-14-1 wurde die Schachbilanz am abendlichen Strand von mir um einen Sieg verbessert, die letzten 5 Spiele waren sogar 2-2-1!
Laufende Schachbilanz: Bernt vs Frank 3:14:1