Stage 15
Narbonnes - Perpignan
77.7 Kilometer; 4:15:26 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Woche Nummer drei on the road hätte auch besser anfangen können. Stattdessen schlugen zumindest bei mir die letzten beiden Tage absolut durch und schon nach nur 14daroad.jpg (14015 Byte)fünf Kilometern auf dem Rad setzte ein wenig hilfreicher und pulsierender Kopfschmerz ein. Besser ging es ja kaum...

Auch zwei Aspirin wollten nicht wesentlich helfen, hügelig wurde es auch zumindest bis jetzt, 14:00 Uhr, an irgendeinem Strand, wo ich im Schatten diese schlauen Zeilen formuliere und dann ein wenig pennen werde. Frank turnt derweil im Meer herum.

Wenn man ein Hotel betreibt, sollte man das Geld für die Übernachtung übrigens besser nicht beim Einchecken von seinen Gästen kassieren und ihnen die Möglichkeit eines Blitz-Checkouts offen lassen. Zumindest sollte man dieses nicht tun, wenn man von seinen Gästen verlangt, dass sie auch ihre Telefonrechnungen am nächsten Tag begleichen...

Zweiter Eintrag des Tages:

Die kleinste Etappe der Tour hat derweil in Perpignan ein Ende gefunden. Wir sind somit etwa 20 Kilometer vor unserem eigentlich angestrebten Ziel, der angeblich recht malerischen und nicht sonderlich überlaufenen Hafenstadt Coullioure. Die etwas schlechte Gesamtkilometerleistung hat sicherlich damit zu tun, dass ich erst verdammt spät am Tag und erst nach fast zwei Stunden Schlaf am Mittag einigermaßen in die Pötte kam, sicherlich aber auch damit, dass wir hier ein Hotelzimmer gefunden haben.

Ursprünglich hatten wir vorgehabt am Meer entlang zu fahren. Extreme Winde ließen diese Idee allerdings als recht bescheuert darstehen. Zudem entpuppten sich alle unserer Karte nach freien Abschnitte an der Küste als von Massen an Billigtouristen in noch billigeren Bungalows belagerte Zonen. Ohne jegliche Rücksicht auf Stil und Qualität wurden tausende von Bungalows und Hotels in den Boden getrieben, in den wenigen als Straßen frei gebliebenen Zonen staute und schob es dazu auch noch ohne Ende. Überall sah man in den Billiarden an Autos verzweifelte kleine Kinder, die aus den Fenstern starrten und den ersehnten Strand vor lauter Beton nicht zu sehen bekamen, ziemlich genervte Mamis, die versuchten die Stimmung in den stehenden Autos mit Barbie-Puppen und anderen Spielzeugen aufrecht zu erhalten und ziemlich gleichgültige Hundeschnauzen, die hier und da aus einem Auto guckten. Wären die armen Kinder in den Autos doch nur intelligent genug zu verstehen, dass sie erst im Vorhof der Urlaubshölle sind, wären sie wahrscheinlich nur halb so gelangweilt. In der Hölle ist nur Platz für die Camper.

Gut aussehende Hotels suchte man genauso verzweifelt wie Golfplätze oder große Tennisanlagen, der Boden ist wohl anders besser melkbar und jeder Mensch mit Hirn14dinner.jpg (16486 Byte) oder Geld sowieso nicht in der Region. Irgend jemand hatte mir einmal gesagt, dass Südfrankreich schön sei, andererseits gibt es sicherlich auch Leute die Bücher mit Comics verwechseln, Jurassic Park III für einen guten Film halten und sich mit der Bild-Zeitung bilden.

Wie dem auch sei: aufgrund des Windes und der unzähligen Horrorurlauber entschieden wir uns es erst einmal im Inland in Richtung Perpignan zu probieren. Vielleicht würden wir dort ja ein Hotel finden, an der Küste wäre dieses Vorhaben wohl zwecklos...(es hat ja auch geklappt, in Perpignan).

Unterwegs wurden wir noch kurz Opfer eines heftigeren Sommergewitters, praktischerweise erwischte es uns aber genau neben einem Supermarkt, so dass man die Zeit des Wartens praktisch mit dem täglichen Einkauf und auch einem kleinen Happen verbringen konnte (siehe Foto). Frank wurde unterwegs auch noch von einem ziemlich bescheuerten Autofahrer angefahren, der es nicht für nötig erachtete zu blinken, als er einen Kreisverkehr verlassen wollte. Frank und ich wollten natürlich im Kreisverkehr verbleiben und es überraschte Frank dann doch ziemlich, dass sich seine Fahrbahn mit der des nicht blinkenden Autos kreuzte. 14sunset.jpg (22275 Byte)

Gegen 18:30 kamen wir dann doch in Perpignan an und zuerst sah es wieder nach der schon bekannten Hotelkatastrophe aus. Nach dem Regen vom Nachmittag war unsere Motivation auf eine Nacht im Freien leider auch sehr gering. Nach ein wenig Herumgefahre kamen wir aber dann doch noch im verdammt teuren Hotel Mercure unter, als eine Zimmerreservierung zu 19:00 Uhr nicht eingelöst wurde. Wahrscheinlich ergatterten wir das letzte freie Hotelzimmer der Stadt...

Mir ist die kurze Etappe und das sichere Bett im Moment auf jeden Fall in Anbetracht der doch vorhandenen Erschöpfung das Geld wert. Und morgen ist man dann hoffentlich14mercurehotel.jpg (17596 Byte) wieder richtig fit. Schließlich steht ja morgen die Antwort des Quizes der Deutschen Welle auf dem Programm (am Fernsehen wurde gerade nach dem Namen der Bergkette zwischen Frankreich und Spanien gefragt).

 

Dritter Eintrag des Tages:

Am Abend ging es nur noch kurz durch die recht tote Innenstadt Perpignans, zumindest wenn man bedenkt, dass alle Hotels eigentlich voll sein müssten und es auch noch ein Samstagabend ist. Frank fühlte sich dann auch in den vielen kleinen Gassen der Altstadt weniger wohl ("Klein-Algerien hier...") und so wirklich heiß auf die umfassende Erkundung der Stadt war ich dann auch wirklich nicht. Perpignan schien nicht gerade ein Lyon zu sein, auch wenn unser Hotel fast genauso teuer wie unser Tophotel in Lyon war.

Lustig kann es auch an der uns noch bevorstehenden Costa perpimercure.jpg (5686 Byte)Brava werden. Die ETA hat heute einmal wieder auf einem Hotelparkplatz herumgebombt. Bombenstimmung haben wir auch so schon, danke...

Fragt sich nur noch, wie der VFL Osnabrück heute gespielt hat. Drittligafußball reicht leider nicht für Berichterstattung auf der Deutschen Welle, ein Skandal sonder Gleichen!

Laufende Schachbilanz:         Bernt vs Frank     2:14:1